"Politiker werden ungerecht behandelt": Kerns Diplomarbeit offenbart Angst vor den Medien

In seiner Diplomarbeit erklärt der heutige Bundeskanzler Kern seine Angst vor Medien. Foto: Alexander Surowiec
In seiner Diplomarbeit erklärt der heutige Bundeskanzler Kern seine Angst vor Medien.
Foto: Alexander Surowiec
31. August 2016 - 14:30

Nicht gewählt, von einer Partei bestellt, die kaum ein Drittel der Österreicher momentan wählen würde und dennoch für die Geschicke des Landes verantwortlich. Von und zu Bundeskanzler Christian Kern gibt es einiges zu sagen. Viel davon wird es allerdings gar nicht mehr in die Medien schaffen. Mit Ende August erklärte der Kanzler nämlich das 44 Jahre lang übliche Pressefoyer nach Ministerratssitzungen für beendet. In seiner Diplomarbeit aus dem Jahr 1997 tun sich auch die Gründe dafür auf, wie nun Alexander Surowiec (freier Journalist, Initiator: "Stadt Wien – Fass ohne Boden: Für mehr Transparenz in Wien") aufdeckte.

Persönliche Ängste?

Einen plausiblen und höchstpersönlichen Grund für die Einschränkung der Pressefreiheit liefert der Neo-Kanzler  in seiner 1997 verfassten Diplomarbeit gleich zu Beginn auf Seite 11:

Politiker fühlen sich über alle Fraktionsgrenzen hinweg von Medien ungerecht und schlecht behandelt. Die Ausnahmen von dieser Regel sind gering.

In weiteren Ausführungen beschreibt der Kanzler sodann, was anscheinend heute auch auf ihn zutrifft und ihn in den Augen nicht weniger Leser als ängstliche Person erscheinen lässt. Ausgerechnet ein solcher Charakter, heute jener Politiker, den er in seiner Arbeit vor Jahrzehnten selbst beschrieb, steuert jedoch unser Land:

Ob diese Skepsis zu recht oder aus übertriebener Wehleidigkeit entsteht, mag dahingestellt bleiben, Faktum ist, daß eine vernünftige Diskussion über die Gerecht- und Ungerechtfertigkeit journalistischer Darstellung politischer Ereignisse mit den Verfassern schwer möglich ist und daher nur allzu oft unterbleibt, denn, das ist die zweite Grundannahme meiner persönlichen Erfahrung, es gibt eine Profession, die die Sensibilität und Wehleidigkeit der Berufspolitik um Längen übertrifft: die Journalisten.

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