Besonders bemüht um das universitäre Fortkommen von Asylwerbern ist man an der Uni Salzburg. Mehr als die Hälfte der im MORE-Programm betreuten Studenten waren im letzten Wintersemester dort inskribiert.

Foto: Bild: Eweht / Wikimedia (CC0 1.0)
Schlagabtausch um Flüchtlings-Initiative an Österreichs Unis

Ende letzter Woche entbrannte eine Kontroverse rund um einen Artikel der Kronen Zeitung ("So viel kostet die Asylkrise wirklich"). Thema darin war auch eine Initiative, Flüchtlinge an Österreichs Universitäten zu fördern. Die Universitätenkonferenz (uniko) sieht die Zahlen des unter dem Titel MORE laufenden Programms falsch interpretiert. Für die FPÖ steht unabhängig davon fest, dass die Universitäten angesichts ihrer schwindenden Qualität ganz andere Probleme hätten. 

Initiative für "Menschen mit Fluchthintergrund"

Die im Wintersemester 2015/16 gestartete Initiative richtet sich laut eigener Definition an "Menschen mit Fluchthintergrund", um ihnen die Möglichkeit eines Studiums zu bieten. Damit gemeint sind jedoch nicht nur anerkannte Flüchtlinge, sondern dezidiert auch Asylwerber. Über die Grundversorgung mit Unterkunft und Verpflegung hinaus will man diesen – trotz unklarem Ausgang ihrer Asylverfahren – rasch die Möglichkeit eines Studiums geben. Das Projekt geht aber auch am Sinn des Begriffs Asyl – Schutz auf Zeit, bis im Herkunftsland keine Verfolgung mehr besteht – völlig vorbei.

Von den 663 MORE-Studenten im vergangenen Wintersemester waren 342 an der Uni Salzburg, 82 an der Uni Graz, 77 an der Uni Klagenfurt und 53 an der Uni Linz eingeschrieben. Auffällig: 605 Männern (91 Prozent) standen dabei nur 58 Frauen (neun Prozent) gegenüber. 

Wenige Studenten, aber viele Akademiker

Die Krone stellte die geringen Studentenzahlen dem angeblich hohen Akademikergrad von Asylwerbern gegenüber: 

Dass die jetzt in Österreich lebenden Migranten rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden können und somit die Betreuungskosten sinken, behaupten nicht einmal mehr die größten Optimisten. Hatte die AMS-Führung noch im Jänner verbreitet, dass 27 Prozent der Flüchtlinge – das wären 31.590 von 119.000 (!) – einen Studienabschluss besitzen, sieht die Realität doch etwas anders aus: Von den 119.000 Migranten studieren laut Generalsekretariat der Universitätenkonferenz im Rahmen des Uni-Flüchtlingsprogramms exakt 663. Also nur 0,56 Prozent.  

Die uniko reagierte verschnupft und hielt der Krone vor: 

Die im Artikel genannten 663 MORE-Studierenden, die im Wintersemester 2015/16 als außerordentliche Hörerinnen und Hörer an Österreichs Universitäten aufgenommen wurden, haben rein gar nichts mit der Zahl von Geflüchteten zu tun, die einen Studienabschluss besitzen. Sie können daher auch nicht als Beweis für die derzeitigen oder künftigen Chancen von Geflüchteten beziehungsweise Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt dienen.“ Die uniko verwahrt sich gegen einen derartigen Missbrauch von Zahlenmaterial, der geeignet ist, die vielfältigen Bemühungen um Integration von Geflüchteten zu diskreditieren. 

FPÖ: Unis sollen sich um ihre Qualität kümmern!

Die FPÖ nimmt zu dieser Kontroverse durch eine Presseaussendung des Vorsitzenden des Wissenschaftsausschusses im Nationalrat, Andreas Karlsböck, Stellung. Darin heißt es: 

„Es geht hier nicht um die Diskreditierung von Integrationsbemühungen“, so Karlsböck, aber diese gehörten eben nicht zu den zentralen Aufgaben einer Universität. Solange die finanzielle Vernachlässigung von Forschung und Lehre anhalte und in internationalen Rankings ein Abrutschen der vormals angesehenen heimischen Hochschulen auf den 500. Platz und darunter bewirkten, habe die Sicherung von Studienplätzen, die Verbesserung der Betreuungsverhältnisse und eine zukunftsorientierte, leistungsorientierte und entideologisierte Universitätspolitik im Vordergrund zu stehen, betont Karlsböck. 

Aus parlamentarischen Anfragen des FPÖ-Bildungssprechers Walter Rosenkranz geht hervor: MORE-Studierenden wird der gem. § 91 Abs. 1 UG festgelegte Studienbeitrag auf Grundlage eines Beschlusses des Rektorats erlassen.  Dadurch ersparen sich beispielsweise Zuwanderer aus Syrien, dem Irak oder dem Iran pro Semester 382,56 Euro. 

Dies wird etwa von der Alpen-Donau-Univesität Klagenfurt wie folgt begründet

Von Flüchtlingen, die in ihrem Heimatland alles verloren haben, Studienbeiträge einzuheben, wäre beispiellos zynisch und würde die Idee der Unterstützung und der „Integration von Anfang an“ der MORE-Initiative, welche sich vollständig auf dem Boden der Legalität befindet, konterkarieren. 

Auf Basis der gültigen, wenn auch nicht konsequent vollzogenen Gesetze steckt der Zynismus jedoch ganz wo anders: Gerade Asylwerbern, deren Verfahren noch laufen und denen bei Nichtgewährung von Asyl die sofortige Abschiebung droht, werden damit jedenfalls falsche Hoffnungen auf einen hohen Bildungsabschluss und eine damit verbundene berufliche Zukunft in Österreich gemacht. 

Uni Klagenfurt gegen "Saualm-Modell"

Die Klagenfurter Uni-Verantwortlichen reichern diesen Zynismus auch noch mit billiger Polemik an, indem sie – unter Bezugnahme auf das ehemalige Asylzentrum auf der Saualm – wissen lassen:

Die Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) ist weder in Theorie noch Praxis eine Verfechterin des „Saualm-Modells“ der Integration.

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