Viel Platz, starker Motor und guter Wetterschutz: Lediglich eine Frontscheibe könnte den Honda-Roller noch verbessern.

Foto: Bild: Honda Austria
Motorrad einmal anders: Hondas großer Roller SH300i im Test

Wer es gewohnt ist, Motorräder mit mehr als 100 PS und 250 Kilo Lebendgewicht zu steuern, der fühlt sich an Bord eines Rollers generell einmal – deplaciert. Weniger wegen des allgemeinen Volumens, sondern weil alles anders ist.

Aller Anfang ist schwer

Die Räder sind kleiner – und vor allem: Man sieht sie aus der Fahrerperspektive nicht. Dort, wo bei Motorrädern die Kupplung ist, also links oben, sitzt beim Roller die starke Vorderbremse. Und dort, wo beim Motorrad die Vorderbremse sitzt, also rechts oben, ist beim Roller – erraten – die schwächere Hinterbremse.

Und das wichtigste: Roller haben ein Automatik-Getriebe, das heißt, man gibt einfach Gas, ohne Schalten, bis das Ding eben schnell genug ist. Spätestens bei der ersten Kreuzung will man dann instinktiv die Kupplung ziehen – und betätigt stattdessen die Vorderbremse. Und steht plötzlich sehr abrupt. Zum Glück haben moderne Roller wie die SH300i serienmäßig ABS.

Einfach draufsetzen und wegfahren

Hat man sich einmal an dieses ganz andere Fahrgefühl gewöhnt, beginnt man die Freuden des Rollerfahrer-Daseins zu genießen. So ist es gar nicht so schlimm, sich einfach nur draufzusetzen, zu starten und mit einem Druck am Gasgriff wegzufahren. Kein Hinauf- oder Hinunterschalten, kein Suchen nach dem Leerlauf an der Kreuzung – so muss sich in etwa ein Autofahrer fühlen, wenn er von einem Modell mit Gangschaltung auf eine Automatik umsteigt.

Positive Überraschung im Regen

Spätestens beim ersten Regen spielt der Roller seinen größten Trumpf aus: Man wird so gut wie nicht nass. Hätte die Honda auch noch ein Windschild, wie etwa die im Vorjahr vorgestellte und durchaus vergleichbare Kawasaki J300, würde man komplett trocken daheim ankommen. Aber auch mit einer halbwegs guten Jacke – und die hat wohl jeder Zweiradpilot – geht das auch so. Auf der ersten Heimfahrt mit der SH300i etwa fuhr der Unzensuriert-Testpilot gut 20 Kilometer bei stärkerem Regen – und kam ohne nennenswerte Nässeschäden am Ziel an.

Was bei der Honda positiv auffällt, sind die schön gestalteten, leicht ablesbaren und gut bestückten Armaturen. Zentral die Geschwindigkeit, links Motortemperatur, rechts Tankfüllung. Und digital darunter sonst wichtige Daten wie Uhrzeit, Verbrauch, gefahrene Kilometer etc.

Große Räder, saubere Kurven

Vom Sitzkomfort her vielleicht ein Spur zu breitbeinig (betrifft aber nicht Honda alleine, ist eher Roller-symptomatisch), ähnlich einem Pferdesattel, von der Federung (=Kurvenlage) her stabil, nicht wappelnd und schaukelnd, also ein sicheres Gefährt, auch wenn es einmal schneller wird. Die relativ großen, 16-Zoll-Räder helfen mit, die Kurven sauber zu schneiden.

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Extra-Platz für Beifahrer und Gepäck

Allfällige Beifahrer freuen sich über die am Heckkoffer angebrachte Lehne und extra breite, gummibesohlte Fußraster sowie große Haltegriffe am Heck. Im Koffer selbst ist Platz für einen kleinen Wochenend-Einkauf oder zwei solide Badeausrüstungen. Unter dem Sitz eröffnet sich dann aber der wahre Stauraum, wo zumindest ein Vollvisier-Helm und noch ein paar Utensilien hineinpassen. Und vorne im Verbau gibt es noch ein kleines Fach für Zigaretten, Papiere oder Naschzeug sowie einen Haken für Taschen oder Sackeln. Also durchaus ein Gefährt zum weiter weg fahren.

Respekt: eine 300er, die 160 fährt

Der Motor ist stark genug, um bei der Beschleunigung – trotz Automatik – den Autos vorne an der Kreuzung halbwegs davonzufahren. Auch auf der Autobahn kann man schön dahingleiten – die am Tacho angegebenen 180 Sachen macht der SH300i zwar nicht ganz, trotzdem, für einen 300er eine Spitzenleistung. Zu den Bremsen kann man nur sagen: ebenfalls äußerst effektiv.

Zündschlösser werden immer unnötiger

Ein Zugeständnis an die moderne Auto- (und Motorrad-)Technologie: der kontaktlose Schlüssel, der alle Systeme starten oder arbeiten lässt, wenn sich der Zündschlüssel nur in unmittelbarer Nähe befindet – sogar ein Wiederfinden per Funk-Klick in einer größeren Roller-Ansammlung ist möglich.

Fazit: ein ideales Gefährt für jene, die in der Stadt oder auch überland flott, unkompliziert und komfortabel wohin wollen. Zum Stau-Durchschlängeln und rasch Einparken optimal. Für längere Touren mit Beifahrer sollte man vielleicht aber doch eine (oder mehrere) Nummer(n) größer denken. SH steht nämlich – kein Schmäh – für „Small Honda“….die gibt es übrigens auch, noch smaller,  in der 125 und 150 Kubik-Version….

Technische Daten:

Motor: Einzylinder-Viertakt-Vierventiler

Leistung: 27 PS

Hubraum: 279 Kubik

Drehmoment: 26,5 Nm

Getriebe: Automatik

Gewicht: 170 Kilo (fahrfertig)

Sitzhöhe: 785 Millimeter

Tankinhalt: 9 Liter

Preis: 5.890 (Aktionspreis 5.490) Euro

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