Die weltberühmte Celsus-Bibliothek in Ephesos wurde 1903/04 vom Österreichischen Archäologischen Institut ausgegraben. Der Wiederaufbau der eingestürzten Fassade erfolgte von 1970 bis 1978.

Bild: Shetta / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Österreichischem Archäologenteam wird aus politischen Gründen Weiterarbeit in Türkei verweigert

Der Artemistempel in Ephesos (Kleinasien) gehörte zu den Sieben Weltwundern und die Stadt selbst zu den bedeutendsten und größten Metropolen der antiken Welt. Seit 1895 ist es das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI), welches eben dort planmäßige Ausgrabungen vornimmt.

Auf höheren Befehl werden Grabungen eingestellt

Derzeit allerdings sind Österreicher (in offiziellen Funktionen) in der Türkei eher Personae non gratae, was auch ein Archäologenteam zu spüren bekam. Das türkische Außenministerium ordnete an, dass die Grabungsleiterin Priv.-Doz. Mag. Dr. Sabine Ladstätter, seit 2009 Direktorin des ÖAI, samt ihrem Team die Grabungen, die noch bis Ende September dauern sollten, per 31. August einstellen musste.

Als Grund, so die türkische Nachrichtenagentur „Dogan“, werden die Spannungen angegeben, die derzeit zwischen Wien und Ankara herrschen.

Noch im Juli, kurz nach dem Putschversuch, zeigte sich Dr. Ladstätter zuversichtlich, dass alles wie geplant ablaufen wird und die Ausgrabungen bis zum vereinbarten Termin beendet werden können, zumal sie auch Studenten habe, die gerade über dieses Grabungsprojekt Dissertationen verfassen. „Es ist mir ein Anliegen, dass die Leute ihre Abschlüsse machen können, so die Sicherheit gewährleistet ist.“

Politik wird mit Wissenschaft verknüpft

Zwar dürfte die Türkei derzeit, für Erdogan-Anhänger jedenfalls, ein sicheres Land sein. Für die wissenschaftlich arbeitenden Studenten könnte das abrupte Grabungsende aber eine Verzögerung ihres Studiums bedeuten.

Aber wenn ein kleines Land am oberen Balken es wagt, Kritik an der Großen Türkei zu üben, kann auch die spätsommerliche Hitze in Ephesos die Eiszeit zwischen beiden Ländern nicht beenden. Dass man dabei wissenschaftliche Arbeit mit Tagespolitik verknüpft, zeigt freilich nur die kulturelle Einstellung der Türkei zu einer Vergangenheit, die sowieso nicht die ihre ist.

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