Segen von ganz oben: “Harley-Papst” Ferdinand Fischer mit Kardinal Christoph Schönborn und Junior Johannes.

Foto: Bild: ROBIN CONSULT MIKES
So geht Wirtschaft: Ein Harley-Papst eröffnet seine Kathedrale mit Kardinal Schönborns Segen

Es gibt nicht viele heimische Unternehmer, die sich Titel wie „Präsident“ (des Harley-Wien Chapters) oder sogar (Harley-)„Papst“ auf ihre Fahnen heften können. Es gibt auch nicht viele Unternehmer, die aus einem väterlichen Kleinbetrieb ein Imperium geschaffen haben, das selbst in Europa seinesgleichen sucht: „Harley-Papst“ Ferdinand Fischer eröffnete am Freitag einen der drei größten Harley-Tempel Europas (und den größten Österreichs) auf gut 4.000 Quadratmetern, wurde dabei von Kardinal Christoph Schönborn gesegnet, von Maya Haakvort besungen und von unzähligen "Harely Owners" gefeiert.

Paradeunternehmer ganz ohne "Start up'"-Förderung

„Ferdl“ Fischer ist ein Paradeunternehmer, wie es in Österreich leider immer weniger gibt: Er hat es geschafft, eine international prominent aufgestellte Marke wie Harley Davidson mit seinem Namen untrennbar zu verbinden und seine Aktivitäten – etwa die seit 1996 jährlich durchgeführte „Harley-Davidson-Charity-Tour“ durch ganz Österreich für muskelkranke Kinder – öffentlich dermaßen zu positionieren, dass eigentlich kein Medium in Österreich/Europa daran (= an ihm) vorbeikommt.

Mit Harley Davidson zum Kult-Verkäufer

Der heute 57-jährige übernahm vor 35 Jahren den 1957 gegründeten elterlichen Betrieb in der Wiener Weyringergasse auf der Wieden, der auf Ersatzteile für landwirtschaftliche Maschinen spezialisiert war. Recht bald stellte er um auf Motorrad-Service und ergatterte 1993 die Vertretung der hierzulande damals noch eher schwach besetzte US-Motorrad-Kult-Marke Harley Davidson.

Expansion als Motor

2001 übersiedelte er die Harley-Werkstatt in die Triester Straße 260-262, im Jahr 2007 stampfte er quasi aus dem Nichts anschließend ein „US Steak & Burger-Restaurant“ aus dem Boden und erlangte damit schon eine Art Kult-Status. Er galt damit zumindest in Ost-Österreich als unumstrittener „Mister Harley“ mit 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche und einer brummenden Werkstatt.

Mit 4.000 Quadratmetern in der Europa-Liga

Nun, gerade neun Jahre später, hat es der Präsident des Harley-Wien Chapters und immerwährende „Papst“ geschafft, in die Europa-Liga aufzusteigen: In knapp acht Monaten plante und baute er sein ohnehin stattliches Imperium nochmals kräftig auf insgesamt mehr als 4.000 Quadratmeter aus. Das entspricht einem soliden Wohnblock.

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Tätowier-Studio und Oldtimer-Werkstatt

Neben der üblichen, fast um das Doppelte vergrößerten Verkaufsfläche mit Dutzenden blitzenden Harleys wurde das Restaurant um zwölf Meter versetzt und komplett neu eingerichtet. Der bisher offene Gastgarten zur lauten Triester Straße wurde durch ein neues Bürohaus abgetrennt und befindet sich nun im dezenteren Inneren der Anlage. Völlig neu dazu kommt zudem ein Tätowier-Studio und eine Spezialwerkstatt für Auto-Oldtimer. "Wer aus Altersgründen keine Harley mehr fahren kann, der ist mit seinem Oldtimer hoffentlich weiter unser Kunde", bemerkte Fischer nicht ganz ohne Ironie.

Vier Generationen unter einem Firmen-Dach

Bei der Eröffnung am Freitag stellte der "Papst" seinen Sohn Johannes, dem er bereits ab 2010 sukzessive die Geschäftsführung übertragen hatte, in den Mittelpunkt – nicht ohne anzumerkden, dass er selbst als "Privatier" noch ein wenig an den Zügeln zieht, wenn es nötig sein sollte. Somit ist die dritte Generation der Fischers am Ruder (nächstes Jahr feiert man 60-jähriges Betriebsjubiläum) – aber Fischer junior ließ durchblicken, daß spätestens 2040 die vierte, bereits heranwachsende Generation übernehmen werde.

Kardinal Schönborn segnete, Maya Hakovoort sang

Umgeben von hunderten Harley-Fetischisten wie Ex-ORF-Wettermacher C.M. Belcredi über den "ewigen Ausborger" Christoph Fälbl bis hin zu einer Abordnung der „Hells Angels“ (dort Mitglied zu werden, bedingt unter anderem den Besitz einer Harley) schaffte PR-Genie Fischer es tatsächlich, Kardinal Christoph Schönborn für eine stimmungsvolle Segnung zu gewinnen. Danach zeigte Musical-Star Maya Hakvoort, dass sie nicht nur ein Herz für Harley-Fahrer, sondern vor allem auch ohne großes Orchester eine außergewöhnliche Stimme besitzt.

Fast 47.000 Euro für ein Motorrad

Das teuerste Trumm in Fischers Verkaufstempel, eine Einzelanfertigung mit Stereo-Lautsprechern in den Seitenkoffern und vielen anderen Extras, kostet übrigens 46.959 Euro – die günstigsten Eisen (neuerdings schon ab 750 Kubik) gehen aber schon ab etwa zehn Tausendern über den Ladentisch. Im Zubehör-Angebot finden sich sogar die weiß-gesprenkelten, legendären "Captain America"-Peter-Fonda-Halbschalen-Helme mit der Harley Nummer eins an der Seite.

Keine Gnade mit den Baufirmen

Die in Rekordzeit durchgeführten Um- und Neubauten schaffte Fischer nur, „weil ich täglich ab sechs Uhr auf der Baustelle war und zeitweise die Firmen in den Wahnsinn getrieben habe. Aber nur so geht’s“. Ein Besuch des Autors in dieser Zeit ergab rund 20 Anrufe oder persönliche Anliegen durch Bauarbeiter an den Chef in einer halben Stunde.

MA 2412 in der Realität: Stromkabel sind tabu!

So versuchte Fischer es immer, alle zuständigen Ämter von Anfang an einzubinden. „Ka Problem, über die Trafostation können’s locker drüberbauen, Hauptsach‘, er kriegt Luft und ist begehbar“, erklärte ihm etwa ein Magistratsmitarbeiter angesichts der Umbaupläne.

„Als wir dann daran gingen, rundherum den Neubau an der Triester Straße hochzuziehen, stießen wir genau an dieser Trafostation auf ein sehr flach verlegtes Hauptstromkabel zur Straße hin. Wir holten sicherheitshalber einen Mitarbeiter der Wien-Energie, und der sagte uns: ‚Über dem Trafo können’s gern bauen, aber über unseren Leitungen nicht!‘ – Wir mussten aber darunter, denn wir brauchten ein Fundament“. Schilda lässt grüßen.

527 Euro pro Quadratmeter Neubau – bitte nachmachen

Letztendlich schaffte es Fischer trotz aller Hindernisse, um rekordverdächtige 527 Euro pro Quadratmeter neu zu bauen – normalerweise liegen die Preise zwei bis dreimal so hoch. Vielleicht könnten sich die Bauträger der Gemeinde Wien oder "soziale" Wohnbauträger einmal ein paar Ratschläge in Sachen Effizienz in der Triester Straße 260 holen.

 

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