Von Legionsfeldzeichen und Standartenträgern - Warum wir die Dinge beim Namen nennen sollten und Symbole wichtig sind

Eher als die archaisch anmutenden Burka- oder Niqab-Trägerinnen sollte das Aufkommen westlich wirkender muslimischer Kleidung die Alarmglocken läuten lassen. Foto: Erik / flickr (CC BY 2.0)
Eher als die archaisch anmutenden Burka- oder Niqab-Trägerinnen sollte das Aufkommen westlich wirkender muslimischer Kleidung die Alarmglocken läuten lassen.
Foto: Erik / flickr (CC BY 2.0)
26. September 2016 - 9:00

In Europa ist eine emotionale Debatte um ein Verbot der Gesichtsverschleierung und auch des Burkini entbrannt. Sogar von Politikern, die vor gar nicht allzu langer Zeit als entschiedene Gegner eines solchen Verbotes auftraten, wird nun eben dies aufs Heftigste gefordert. Eine Vielzahl von Argumenten wird genannt: Von der Notwendigkeit der Identitätsfeststellung über das Fernhalten von religiöser Symbolik aus dem öffentlichen Raum unser säkularen Gesellschaften bis hin zu Sicherheitsargumenten ist alles zu finden. Kritiker dieser Forderung argumentieren, es handle sich „nur“ um eine Debatte um Symbole. Es ist wohl an der Zeit, die Dinge ein wenig zu ordnen. Denn viele Sichtweisen und Argumente in dieser mittlerweile schon recht unübersichtlichen Debatte greifen etwas kurz.

Ein Essay von Gerhard Rihl

Das vielzitierte Argument des Schutzes der islamischen Frau vor Unterdrückung erscheint fragwürdig, wird doch die Vollverschleierung auch häufig von sehr jungen Frauen getragen, die sich ausdrücklich dazu bekennen, dies freiwillig zu tun.

Absurde Argumente für Burkini-Verbot

Da wäre auch beispielsweise das Sicherheitsargument für ein Verbot der Gesichtsverschleierung. Doch weder die 9/11-Attentäter noch jene von Paris oder Brüssel waren verschleierte Frauen. Wären sie welche gewesen, wäre man auf sie vielleicht sogar früher aufmerksam geworden? Bei Polizeikontrollen existiert das Verbot bereits. Es handelt sich hier nur um eines von so vielen Argumenten in dieser Debatte, von denen manche auch ans Absurde grenzen: Man denke nur an das inzwischen bereits gekippte Burkiniverbot an den Stränden Frankreichs: Hier wurde mit dem „Verstoß gegen die guten Sitten“ argumentiert. An Stränden wie denen von Nizza oder Cannes, an denen Starlets und solche, die es noch werden wollen, mit Vorliebe den Paparazzi so viel nackte Haut wie nur möglich präsentieren, verstößt es also gegen die abendländischen Sitten, angezogen im Meer baden zu gehen. Man bedenke: Vor etwas mehr als hundert Jahren war es der übliche Standard der Sittlichkeit, als Frau in Europa durch Kleider bedeckt baden zu gehen.

Diese Argumentationsstrategie ist ein Gewinn für die linksliberale Presse, die sich nun – nicht ganz zu Unrecht – genüsslich über deren Absurdität lustig macht: So posiert zum Beispiel am Titelbild des Zeit Online | Kultur-Artikels „Der wahre Feind ist angezogen“ eine junge Frau oben ohne, in lasziver Stellung am Strand von Cannes, umringt von einem Heer von Photographen. Der Einleitungstext zum Artikel lautet: „Aufrecht verteidigt der Bürgermeister von Cannes die Errungenschaften des Westens – am Strand. Sein Gegner: lange Ärmel. Schließlich gelten am Mittelmeer andere Werte.“ Als nun nach der Aufhebung des Verbots durch den französischen Verwaltungsgerichtshof Meeresströmungen als Argument vorgebracht wurden, um das Verbot möglichst lange aufrechterhalten zu können, so verminderte dies nicht gerade die Absurdität der Angelegenheit.

Es geht um die Symbole

Die islamkritische Hemisphäre, zu der auch ich mich zähle, würde sich einen großen Gefallen tun, die Dinge beim Namen zu nennen und klar Stellung zu beziehen dafür, dass es nun einmal – und sogar in erster Linie – um die symbolische Ebene geht. Dazu wäre es aber auch notwendig, der Öffentlichkeit zu vermitteln, welch enorme soziokulturelle Bedeutung eben dieser zukommt.

Ob es vor mehreren Jahrhunderten nun das Recht für Akademiker und Studenten war, Waffen zu tragen, ob es Frauen waren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts Hosen trugen, oder Punks, die ab den 70er Jahren des gleichen Jahrhunderts ihren Irokesenschnitt zur Schau stellten: Immer wurde mit einer Symbolik eine politische Aussage getroffen und nicht zuletzt Terrain abgesteckt.

Das Recht des Waffentragens machte Akademiker dem Adel zwar nicht ebenbürtig, aber es wurde damit eine privilegierte gesellschaftliche Rolle demonstriert und gefestigt. Als Kaiser Maximilian I. dieses Recht 1514 gewährte, gab es nach einer Auseinandersetzung zwischen Bürgern und Studenten zwar einen durchaus handfesten Anlass, doch war dieses Recht ausdrücklich Zeichen ihrer gehobenen Gesellschaftsposition. Als Frauen begannen, Hosen zu tragen, setzten sie eine Symbolik ein, die keiner weiteren Erläuterung bedarf, und als Punks Mitte der 1970er Jahre erstmals in Erscheinung traten, so lässt sich deren bewusst provozierendes Aussehen durchaus als militantes, semantisches Propagandainstrument beschreiben, als solches durchaus vergleichbar mit einer römischen Legionsstandarte, nur eben für eine anarchistische Weltsicht kämpfend. Der Kampf der Ideologien innerhalb einer Gesellschaft wird in einem Ausmaß durch Symbole bestimmt, das uns ohne bewusste Auseinandersetzung damit gar nicht gegenwärtig ist.

Nicht nur konkrete Symbolik, sondern auch Ästhetik selbst besitzt Charakter und Funktion eines Zeichens. In der Kunst- und Designexpertise geht man daher sogar noch einen Schritt weiter und bezeichnet Ästhetik als „System von Symbolen“, in der Kulturwissenschaft ist es daher zulässig, Ästhetik als Sprache zu bezeichnen und damit als etwas Semantisches zu verstehen.

Ästhetik begeistert Volk für Ideologien

Der Unterschied zwischen einer politisch-philosophischen Theorie und einer Ideologie liegt hauptsächlich auf der Ebene der Kultur und damit der Semantik. Nimmt man den Marxismus als Beispiel, so ist die ausgefeilte Gedankenwelt von Marx und Engels eine Sache. Eine ganz andere ist der Marxismus-Leninismus als offizielle Ideologie der Sowjetunion. Dieser ist untrennbar verbunden mit Arbeiterparolen, Arbeiterliedern und einer ganz spezifischen propagandistischen visuellen Ästhetik. Erst diese prägnante und für die damalige Zeit attraktive Arbeiterkultur bildete die Grundlage, um ein ganzes Volk zu begeistern und zu einen. Noch gut ist mir aus meiner Studienzeit ein oft dargebrachter Satz des damaligen Ordinarius für Kulturwissenschaften an der Universität für angewandte Kunst in Wien, Manfred Wagner, in Erinnerung: „Die Zustimmung zum Nationalsozialismus erfolgte primär über die Ästhetik“. Wagner hatte in der Erforschung nationalsozialistischer Ästhetik einen seiner Forschungsschwerpunkte.

Ein Gedanke verschafft sich in einer Gesellschaft Platz, indem er in ihrer Kultur sichtbar ist. Nicht das Denken des Gedankens selbst ist es. Ein bloß gedachter Gedanke hat sich noch keinen Platz erobert. Daher ist die Sichtbarkeit ein so wichtiger Teil jeder politisch-ideologischen Handlung. Da aber politische Auseinandersetzung immer schon über Symbolik und damit auch über Kleidung erfolgte, erkennen Verfassungen von europäischen Rechtsstaaten an sich aus gutem Grund die Freiheit der Kleidung an.

Verschleierte Frauen sind die Punks von heute

Verschleierte Frauen sind die Punks der heutigen Tage. Genauso wie die Punks der 1980er Jahre sind heutige Niqabträgerinnen der wohl größte Stein des Anstoßes ihrer Zeit. Beide sind Symbolträger eines dem westlichen konträr eingestellten gesellschaftlichen Systems. In einem Fall war es der Anarchismus, im anderen ist es etwas, das ich „politischen Archaismus“ nennen würde.

Der Akt der Gesichtsverschleierung ist zuerst einmal ein starkes Symbol für eine konservativ-fundamentalistisch islamisch geprägte Gesellschaft und deren Werte, und das zuerst einmal unabhängig von der Ästhetik der zur Verschleierung verwendeten Kleidungstücke.

Die Frage, ob nun ein Verschleierungs- oder Burkiniverbot in Europa argumentierbar ist oder nicht, hängt also weniger davon ab, ob unmittelbar durch diese Utensilien unsere Welt unsicherer werden könnte oder nicht. Auch nicht davon, ob der Burkini bei Meeresströmungen gefährlich sein kann. Diese Argumente sind eher der Panik nach der Anschlagsserie des Sommers in Europa geschuldet und Panik ist keine gute Basis für Politik. Hier werden Argumente vorgeschoben, um reflexartig der nach den Anschlägen negativ aufgeladenen Stimmung gegen muslimische Symbolik zu entsprechen.

Steht der konservative Islam außerhalb der Verfassung?

Diese Frage hängt einzig und allein davon ab, ob sich argumentieren lässt, dass

a) das Tragen eines solchen Kleidungsstückes überwiegend als Zurschaustellung der Symbolik eines konservativ-fundamentalistischen Islam gesehen werden kann und
b) dass ein konservativ-fundamentalistischer Islam überwiegend als außerhalb der Verfassungsbögen der europäischen Staaten stehend gesehen werden kann.

Verschleierungsverbot könnte Islamkritikern schaden

Es liegt auf der Hand, dass diese Fragen nicht so ohne weiteres mit Ja oder Nein beantwortet werden können, doch es gibt viele Gründe, sie mit einem „eher Ja“ zu beantworten. Und doch stellt sich die Frage, ob es realpolitisch klug für Europa wäre, dieses Verbot auch tatsächlich zu erreichen. Ein sichtbarer Stein des Anstoßes auf den Straßen schafft auch viel Problembewusstsein in der Bevölkerung für das Thema des konservativ-fundamentalistischen Islam. Warum diesen Vorteil aufs Spiel setzen? Wer diesbezügliche Äußerungen von Politikern der letzten Zeit wirklich aufmerksam verfolgte, dem muss aufgefallen sein, dass vor allem jene Politiker nun unter den lautesten Forderern eines Vollverschleierungs- bzw. Burkiniverbotes sind, denen der Aufstieg echter islamkritischer Bewegungen Wählerstimmen kosten würden. So wie beispielsweise ein französischer Ex-Präsident, der sich nun erneut als Präsidentschaftskandidat ins Spiel bringt und sich einer fast übermächtigen Marine Le Pen gegenübersieht oder ein österreichischer Außenminister, dessen Fraktion zur Kleinpartei abzudriften droht, da seit langer Zeit die Freiheitlichen jede Wahl gewinnen. Beide präsentieren sich nun als die härtesten aller Hardliner in Europa. Derlei Verbote hätten, würden sie in der nächsten Zeit durchgesetzt, vor allem den Effekt, jenen Bewegungen Europas Stimmen wegzunehmen, die schon seit langer Zeit vor den Problemen gewarnt haben, denen wir uns nun gegenübersehen.

Wenden wir uns nun noch einmal dem Phänomen des Punk zu: Die zweifellos starke und vor allem auffällige Symbolik der Punks der 1970er und 80er Jahre steckte in der Tat Terrain für eine anarchistische Weltsicht ab. Es handelte sich beim politisch relevanten Teil der Punkbewegung jedoch um eine kleine Minderheit, zum größeren Teil handelte es sich eher um die rebellische Jugendkultur jener, die heute linksliberal gesinnte Anwälte, Lehrer oder Journalisten sind.

Viel relevanter ist, was nach dem klassischen Punk der 70er und 80er kam. Die 80er waren eine Dekade, in der links zu sein aus der Mode kam. Stattdessen kam der Yuppie ans Ruder. Es waren Designer wie Vivienne Westwood, die – federführend aus der Punkbewegung kommend – in den 90er Jahren Weltkarriere gemacht hatten und das schrille Vokabular des Punk in eine Ästhetik übersetzten, die insbesondere für ein linksliberales Bildungsbürgertum interessant war. Punk füllte nun nicht mehr die besetzten Abbruchhäuser, sondern – in seiner domestizierten Form – die internationalen Laufstege. Zusammen mit anderen Einflüssen trug der domestizierte Punk sowohl dazu bei, dass links zu sein wieder modern wurde, als auch dazu, jenem linksliberalen Bürgertum Identität und Selbstbewusstsein zu geben, das heute – ob nun zu Recht oder nicht – die intellektuelle Führerschaft für sich reklamiert.

Domestizierter Punk wurde politisch relevant

Man könnte diesem Bürgertum durchaus vorwerfen, es nicht für notwendig zu halten, in Bezug auf rechte bzw. konservative Anschauungen Diskurs führen zu müssen, und gerade dadurch diese intellektuelle Führungsrolle zu Unrecht für sich zu beanspruchen. Doch dies soll nicht das Thema dieses Essays sein. Entscheidend ist vielmehr einerseits, dass dieses Lager erfolgreich damit ist, im Mainstream die Rolle der geistigen Führerschaft zu beanspruchen, und andererseits, dass dadurch die politische Relevanz einer linksgerichteten Bewegung wie der des Punk in ihrer domestizierten Form wesentlich größer war als in ihrer ungezähmten.

Es ist nun schon eine Weile her, da herrschte helle Aufregung darüber, dass Dolce & Gabbana und auch andere internationale Modelabels nun Kleidung für muslimische Frauen entwerfen. Die Frage danach, was es bedeutet, wenn nun die Grenzziehung zwischen westlicher und muslimischer Mode brüchig wird, wirft ebenso grundlegende Fragen auf.

In islamkritischen Kreisen führte die Nachricht, dass Frauen reicher Saudis nun in westlicher Ästhetik, aber doch nach wie vor gemäß strenger islamischer Richtlinien, daherkommen, zu Empörung. Der Hauptvorwurf bestand darin, dass ausgerechnet die Modeindustrie – die sich geradezu als Hochburg der Weltoffenheit sieht – nun einen Kniefall vor einer rückschrittlichen Kultur machen würde, die Frauen unterdrückt, und das nur um des Geldes willen. Ich ging schon zu Beginn auf das eher fragwürdige Argument des „Schutzes“ muslimischer Frauen ein. 

Man könnte es ja auch so sehen: Die muslimische Welt passt sich mit diesem Schritt dem Westen an. Trägerinnen dieser Mode entfernen sich von traditioneller islamischer Ästhetik und vermitteln ein Bild der Offenheit. Sind sie dadurch nicht sogar Sinnbild für einen Vorzeige-Islam?

Westliche Codes in muslimischer Damenmode

In muslimischer Damenmode werden ästhetische Codes des Westens einsetzt. Sie wird dadurch genauso salonfähig, wie die schrille punkinspirierte Mode Vivienne Westwoods und vieler anderer Designer, in der anarchistische und bürgerliche Codes vermengt werden. 

Es ist kein Zufall, dass in erster Linie Frauen schwerreicher Saudis die Kundinnen von Dolce & Gabbana sind. Weniger deswegen, weil Dolce & Gabbana sündteuer ist – das natürlich auch. Vor allem jedoch, weil es von den großen muslimischen Nationen vor allem Saudi-Arabien ist, das sich, zumindest an der Oberfläche, sehr dem Westen angenähert hat. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich eine Gesellschaft, die um nichts liberaler ist als die iranische und wohl kaum mehr als jene der afghanischen Taliban. Es gilt die Scharia, Menschenrechte werden nur dann anerkannt, wenn sie im Einklang mit dieser stehen. Die regierende Königsfamilie geht rigoros gegen Dissidenten vor und missachtet dabei Menschenrechte. Das öffentliche Praktizieren anderer Religionen als des salafistischen Islam ist in Saudi-Arabien verboten. Um von Frauenrechten gar nicht erst zu reden. Und doch: An der Oberfläche wirkt Saudi-Arabien mit dem Westen sehr kompatibel, ist doch seine Außenpolitik sehr an den USA orientiert.

Zugleich sind es die reichen Erdölstaaten, welche die eigentliche Infiltration des Westens betreiben. Und zwar in Form riesiger Mengen aufgekaufter westlicher Unternehmen oder Unternehmensbeteiligungen. Dieser ungeheure Machtfaktor in Kombination mit einem Gefolge von Millionen von Muslimen, die bereits hier leben, sowie einer europäischstämmigen Bevölkerung, die demographisch im Schrumpfen begriffen ist, könnte irgendwann tatsächlich zum existenziellen Problem Europas werden.

Wesliche Moslem-Mode gefährlicher als die letzten Vollverschleierten

So gesehen sollte das Aufkommen modischer, westlich wirkender muslimischer Kleidung die viel größere Sorge bereiten als die wenigen Vollverschleierten. Letztere sorgen gerade durch ihre Auffälligkeit und ihren provokativen Charakter für eine Besinnung der europäischen Bevölkerung auf die gemeinsamen westlichen Werte. Erstere hingegen hat das Potential, von der Mehrheit akzeptiert zu werden, obwohl hinter der Fassade westlich wirkender muslimischer Kultur möglicherweise die gleichen mittelalterlichen Weltbilder stecken wie unter einer, die eben jene Weltbilder sichtbar macht. Darin könnte tatsächlich eine Gefahr liegen. Diese pseudo-weltoffene Ästhetik hat – den milliardenschweren Einfluss der Saudis im Rücken – möglicherweise das Potential, maßgeblichen Einfluss auf die westliche Leitkultur zu erlangen, so wie die Einflüsse des domestizierten Punk auf die heutige Leitkultur des linksliberalen Bürgertums – der im Mainstream kulturell tonangebenden Gruppe – enorm sind.

Ich persönlich warte jedenfalls schon darauf, dass Modedesigner aus Protest gegen die Ablehnung des Burkini nun langärmlige Bademode für europäische Frauen entwerfen, Mode die möglicherweise in ihrer Ästhetik sehr retro daherkommt und europäische Badeanzüge um 1900 zitiert.

Träger symbolträchtiger und zugleich auffälliger Kleidung, gleich ob es ein modischer Hidschab ist, ein traditioneller Niqab oder ein klassisches Punk-Outfit, sind metaphorisch gesehen Standartenträger – Cantabrarii – ihrer Ideologie. Ging das Signum Legionis – das Feldzeichen einer Legion – verloren, galt die Schlacht als verloren, die psychologische Wirkung auf die kämpfende Truppe war enorm. Dies zeigt uns die enorme Wichtigkeit von Symbolen. Doch noch gibt es keine Strategie, wie man den Dolce&Gabbana-Saudis ihre Feldzeichen nehmen kann.

Lang anhaltende Einwanderung zerstörte Rom

Da wir schon bei Rom sind: Nicht einfallende Horden keulenschwingender Barbaren zerstörten Rom, sondern es war die Folge einer lang anhaltenden und irgendwann ausufernden Einwanderung in Verbindung mit einer militärischen Machtelite im Reich, die sich in den 470er Jahren in erster Linie aus Germanen zusammensetzte. Odoaker, jener Germane, der dem römischen Kaisertum den Todesstoß gab, war ein hoher römischer Offizier und in seiner Kleidung kaum von einem Römer zu unterscheiden. Und doch war es die mit Kleidung verbundene Symbolik, welche das Ende des Reiches besiegelte: Odoaker übersandte den weströmischen kaiserlichen Ornat an den oströmischen Kaiser nach Konstantinopel mit der Botschaft, dieser würde nicht mehr benötigt werden. Erst durch diesen Akt war das Reich Geschichte. 

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