"Am Schauplatz": Wenn der ORF "Rechtsradikale" sucht, sind alle Mittel recht

Identitäre in Wien: Jeder, der für seine Heimat eintritt, ist für den ORF bereits "rechtsradikal" (und gehört eigentlich verboten). Foto: Ataraxis1492 / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0)
Identitäre in Wien: Jeder, der für seine Heimat eintritt, ist für den ORF bereits "rechtsradikal" (und gehört eigentlich verboten).
Foto: Ataraxis1492 / wikimedia.org (CC-BY-SA-3.0)
30. September 2016 - 7:24

Die Stoßrichtung war klar, quasi schon im Titel vorgegeben: „Am Schauplatz“ suchte vermeintliche oder echte „Neue Rechte“ und versuchte, diese möglichst negativ darzustellen. Das zeigte sich sowohl in Kameraeinstellungen, bewusst gezeigten Details – und natürlich in der „wissenschaftlichen“ Begleitung durch den erwartungsgemäß einseitig analysierenden Rechtsextremismus-Experten Andreas Peham vom DÖW (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes).

Am Schauplatz-Gestalter Andreas Mannsberger mischte sich mit seinem Kamerateam unter diverse Veranstaltungen etwa der „Identitären Bewegung“ und schnitt ganz offensichtlich jene Begegnungen – auch mit anderen Gruppen – zusammen, bei denen möglichst wenige Menschen zu sehen waren – also quasi der „Beweis“, dass das eh nur ein paar Spinner sind.

Obwohl Identitären-Sprecher Martin Sellner mehrfach versuchte, zu erklären, dass es sich bei der Bewegung primär um „Patrioten“ handle, die ihr Land lieben und deshalb schützen wollen, durfte im Ernstfall ORF-Wunderwaffe Peham gleich wieder darüber schwadronieren, wie gut getarnt das doch alles sei, aber in Wahrheit stünde doch rechtsradikales Gedankengut dahinter.

"Neue Rechte" sind nur gut verkleidete, alte Nazis

So würden sich die „Neuen Rechten“ heutzutage viel besser gegenüber typisch nazionalsozialistisdhen Symbolen und Aussagen abgrenzen als noch die Vorgängergeneration unter Führern wie dem inhaftierten Gottfried Küssel. Alles sei moderner geworden, manche Ideen oder Strukturen habe man sogar von den Linken übernommen und praktiziere diese halte jetzt von „rechts“. Also quasi altes, böses Nazi-Gedankengut im neuen Kleid. Der Wolf, der Kreide gefressen hat. Schöne, linke Märchenwelt.

Bei Aufnahmen der großen Identitären-Demo am Wiener Gürtel, zu der Anhänger aus ganz Europa gekommen waren und bei der linke "Gegendemonstranten" mit gezielten Steinwürfen einen Identitären sogar ins Koma geschossen hatten, sah man aber den großen Unterschied zu linksextremen „Demos“: Zunächst gab es unter den zahlreichen Patrioten so gut wie keine Vermummten, wie es bei den Linken quasi zum guten Demo-Ton gehört.

"Keinen Fußbreit den Faschisten!"

Und man sah die Gewaltbereitschaft und den Hass in Augen, Aussagen und Gesten linker AgitatorInnen, die, sooft die Kamera in ihre Richtung schwenkte, „Nazis raus!“ grölten. „Keinen Fußbreit den Faschisten“, „Der Sozialismus wird siegen“ und ähnlich weltoffene, integrative, friedliebende und demokratische Wahlsprüche dröhnten in Richtung der unsäglichen Rechten.

Selbst der gemütliche Stammtisch der Identitären in einem Ottakringer Biergarten bekam in der Beleuchtung des ORF einen verschwörerischen Anstrich, bei dem neue Anhänger geködert würden – alles verbrämt mit modernster Technik, weil die Veranstalter ihre Treffen via Notebook mitschneiden und an jene übermitteln, die daheim bleiben mussten – oder im Spital, wie der erwähnte Schwerverletzte von der Gürtel-Demo.

Vertreter der Grazer PDV („Partei des Volkes“) erwischte man schließlich dabei, wie sie am Weg zu einer Veranstaltung eine Autopanne hatten – das musste natürlich groß ins Bild, weil es für den Zuseher in diesem Zusammenhang ja gar so interessant ist, wie ein paar ältere (und rechte!) Männer ein Auto anschieben. Bei denen funktionieren also nicht einmal die Autos – was kann man da schon von der Politik erwarten.

DÖW-Experte schon in der nächsten Sendung erneut am Wort

„Geheimwaffe“ Andreas Peham vom DÖW hatte übrigens schon wenige Minuten später in der ZiB2 seinen nächsten Experten-Auftritt in Sachen „Rechtsextremismus“. Das bereits 2013 erschienene Buch des Wiener FPÖ-Politikers Michael Howanietz „Für ein freies Österreich - Souveränität als Zukunftsmodell“ wurde darin als vollgestopft „mit weitestgehend rechtsextremen Inhalten“ abqualifiziert.

Damit hat der ORF nämlich – was wohl auch die Hauptabsicht war - auch gleich den Vorwortschreibern HC Strache und Norbert Hofer, der auch als Herausgeber fungierte, eine aufgelegt und sie wieder einmal "extrem rechts" verankert. Was ein drei Jahre altes Buch in einer tagesaktuellen Sendung wie der Zeit im Bild zu suchen hat, ist eine andere Frage. Verumglimpfung anders Denkender kennt scheinbar keinen falschen Zeitpunkt.

Ob das in Zeiten wie diesen nicht eher schon eine Werbung für das Buch ist, wird sich letztlich an den Verkaufszahlen und den Wahlergebnissen ablesen lassen. Und irgendwann vielleicht auch in einer Umbesetzung so mancher ORF-Redaktion…

Der Artikel von Werner Grotte ist am 29. September 2016 auf der Internetseite www.orf-watch.at erschienen, auf der renommierte Journalisten es sich zur Aufgabe gesetzt haben, eine unabhängige Kontrolle des ORF und seines Gebührenmonopols auszuüben.

Wollen Sie täglich per Mail über die neuesten Artikel informiert werden? Hier können Sie sich anmelden.
Gefällt Ihnen unsere Berichterstattung? Dann unterstützen Sie uns mit einer Spende:
IBAN: AT581420020010863865, BIC: EASYATW1, Unzensuriert.at
SPENDEN
Loading...
in

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.