Ohne staatliche Presseförderung müssten auch in Österreich viele nicht gelesene Zeitungen w.o. gehen

Bild: Ralf Roletschek (talk) - Fahrradtechnik auf fahrradmonteur.de / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Weil die Ungarn linker Propaganda überdrüssig sind, wird Ex-Kommunistenzeitung eingestellt

Die ungarische Zeitung Volksfreiheit (ungarisch: Népszabadság) wurde 1956 gegründet. Es war das Jahr, wo die Kommunisten unter Mithilfe der Sowjets die bürgerlich-demokratische Revolution in Ungarn brutal niederschlugen und hierauf eine Zeitung als kommunistisches Sprachrohr benötigten.

Nach der Wende sofort unabhängig und überparteilich – also links

Dieses Sprachrohr war Népszabadság dann die gesamte kommunistische Ära Ungarns. Nach der Wende freilich gab sich diese damals größte, überregionale, ungarische Tageszeitung sofort unabhängig und überparteilich, allerdings nur soweit es sich um sozialistische oder liberale Parteien handelte. Fidesz etwa (die Partei Viktor Orbáns) oder andere nichtlinke Parteien wurden stets von dieser „unabhängigen“ Tageszeitung aufs Schärfste bekämpft.

Nun ist, mehr als ein viertel Jahrhundert nach Fall des Eisernen Vorhangs, endgültig Schluss mit einem der letzten kommunistischen Relikte Ungarns. Mit der Samstagausgabe von Népszabadság konnten sich die wenigen Ungarn, die noch diese Zeitung gelesen haben, ein letztes Mal an linkslinker Propaganda ergötzen.

Radikal schwindende Leserschaft

Denn eben die schwindende Leserschaft war es, die den Eigentümer (die im österreichischen Besitz befindliche Mediaworks AG) dazu bewog, Népszabadság endgültig einzustellen.  

Zuletzt sankt die Auflage (bei den Kommunisten ca. 700.000 Exemplare; 1996 immerhin noch 280.000; 2008 etwa 120.000) auf weit unter 100.000, davon verkaufte Exemplare weniger als 40.000. (Selbst die Online-Ausgabe konnte niemanden mehr begeistern.)

Für Sozialisten „Angriff auf Pressefreiheit“

Freilich wurden sofort Stimmen der ungarischen Opposition (Sozialisten, ungarische Grüne) laut, die von einem „Angriff auf die Pressefreiheit“ sprachen. Und die Mitarbeiter von Népszabadság, die fleißig in altkommunistischer Manier ihr Gedankengut „unabhängig“ nennen durften, schrieben auf Facebook gar von einem „Putsch“, der natürlich für sie politisch motiviert gewesen sein soll. Die Zeitung Népszabadság war ja bekannt dafür, dass sie immer wieder versuchte, Viktor Orbán und seiner Regierung Skandale anzudichten, was allerdings nicht gelungen sein dürfte, wie man an den ungarischen Zeitungslesern sieht.

Offenbar keine staatliche Presseförderung

Und weil diese der einseitigen Berichterstattung wohl überdrüssig geworden sind, hat der Eigentümer aus wirtschaftlichen Gründen die einzige mögliche Konsequenz in einem Land gezogen, wo es offenbar keine Presseförderung wie in Österreich gibt, wo nichtgelesene Zeitungen mit viel Geld am Leben erhalten werden.

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