So unorthodox das Design, so überzeugend die Fahreigenschaften: Die Honda macht fast überall gute Figur.

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Im Test: Honda CBR650F – der nächste Frühling kommt bestimmt

Maschinen mit 650 Kubik erfreuen sich schon seit den 1970er Jahren großer Beliebtheit, weil sie noch nicht zu den ganz großen, schweren gehören, aber genug Dampf machen, um auch mit größeren Schwestern mithalten zu können. Legendäre Modelle wie die „Sechsahoiba Kawa“ (zett650) oder die Yamaha 650 US Custom, die Urmutter der Serien-Tschopper, sind nur zwei prominente Beispiele.

Honda brachte seine erste 650er im Jahr 1978 auf den Markt, die CB650Four mit 67 PS und 220 Kilo Leergewicht. Zum Vergleich: Das hier präsentierte Ururur-Enkerl 38 Jahre später bietet 87 PS und 208 Kilo – vollgetankt. Auch sonst hat sich – abgesehen von den bis heute eingebauten vier Zylindern – vieles geändert.

Vorne Schwarz, hinten weiß, unten mächtig

Als erstes springt einem das eigenwillige Design ins Auge: hinten Weiß, vorne Schwarz – und das nicht nur bei den üblichen, oberen Lackteilen, sondern bis hinunter zum Federbein und den Felgen. Nennt sich „Matt Gunpowder-Black/Ross White“.

Dazu kommen die auffällig nach rechts gezogenen, verchromten vier Krümmer, die in einen fetten Eintopf münden und an die CB400F aus den 1970er-Jahren erinnern. Eigenwillig, aber irgendwie sexy.

Nicht unsportlich, aber bequem

Beim Besteigen des edlen Rosses wird rasch klar: nicht unsportlich, aber bequem, mit Gelenke schonender, aufrechter Haltung. Ein Druck auf den Starter, und schon erdröhnt der Vierzylinder in sonorem Gleichklang.

Erste hinein und los – der Motor lässt sich scheinbar endlos hinaufdrehen, im rote Bereich landet man erst jenseits der 12.000 Touren. Der Biss ist vor allem ab etwa 4.000 Touren gewaltig und entfaltet sich gleichmäßig, ohne Loch. Der Klang mutiert dabei vom beherzten Singen zum wilden Kreischen.

Gut im Stau, flott Überland, windig auf der Autobahn

Das Schöne an der 650er ist, daß sie alle Situationen perfekt meistert, ob Stadt-Stau oder einsame Waldstraßen. Selbst Autobahn macht bis 130 Spaß, danach macht sich allerdings das Fehlen jeglicher Front-Abdeckungen in Form von Gegenwind massiv bemerkbar. Wer nicht mit Mundwinkeln bis zu den Ohren ankommen will, hält sich an die Verkehrsregeln und erspart sich dadurch auch potentielle Bestrafungen durch kleinliche Gesetzeshüter.

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Unendlich wird der Fahrspaß ohnehin erst Überland. Auf kurvigen Landstraßen, in engen Serpentinen, da ist die Honda in ihrem Element. Beim Umlegen merkt man erst am Kratzen der Fußraster, wie tief man schon liegt, ohne dass das Fahrwerk instabil wird. Die gut aufeinander abgestimmten sechs Gänge machen beherztes Beschleunigen oder Hinunterschalten zur Ode an die Freude.

Technischer Schnickschnack fehlt zum Glück

Die spartanische Ausstattung ohne Verbau oder technischen Firlefanz wirkt nicht unsympathisch – man kann sich auf die wirklich wichtigen Dinge des Motorradfahrens konzentrieren. An die lieblos gestalteten Armaturen ist man bei Honda ohnehin schon gewöhnt. Lediglich Beifahrer haben es ein bisserl eng und sollten sich eher beherzt am Fahrer festhalten als an den kleinen Griffen hinten am Bürzel.

Insgesamt ein gelungenes Radl für schöne Sommertage – bei Schlechtwetter-Prognosen empfiehlt sich angesichts fehlenden Windschildes oder Verkleidungen allerdings gute Schutzkleidung.

Herbst ist beste Zeit zum Motorradkauf

Wer sich mit dem Gedanken trägt, ein Motorrad anzuschaffen, sollte das am besten jetzt tun: Sowohl neue als auch gebrauchte Modelle sind vor dem Winter meist billiger als im Frühjahr. Ein Naturgesetz, sozusagen – wollen doch die Händler Platz schaffen für die 2017er-Modelle…

Technische Daten:

Motor: Vierzylinder-Viertakter, 16 Ventile

Leistung: 87 PS

Hubraum: 649 ccm

Antrieb: Kette, Sechsgang

Gewicht: 208 Kilo (fahrbereit)

Sitzhöhe: 810 cm

Tankinhalt: 17,3 Liter

Verbrauch: je nach Fahrweise bis zu fünf Liter/100 Kilometer

Preis: 8.490 Euro

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