Papst Franziskus (hier in Ecuador) hat bereits zahlreiche lateinamerikanische Länder bereist und bietet sich nun als Vermittler in Venezuela an.

Foto: Bild: Agencia de Noticias ANDES / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Venezuela: Drohende Eskalation ruft Papst auf den Plan

Nachdem das Oppositionsbündnis MUD (Mesa de la Unidad Democrática = Runder Tisch der demokratischen Einheit) am 1. September Hunderttausende mit der „Einnahme von Caracas“ auf die Stadtautobahn der Hauptstadt brachte, droht die Situation in Venezuela vollends aus dem Ruder zu laufen. Für den 3. November rief die Opposition erneut ihre Anhänger zusammen. Ziel der Demonstration sollte ein Marsch auf den Präsidentenpalast Miraflores sein. Es stand zu befürchten, dass es vor Ort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Anhängern der Regierung von Nicolás Maduro kommen würde.

Gastbeitrag von Michael Johnschwager

Vor dieser zu erwartenden nächsten Stufe auf der Eskalationsskala schaltete sich der Vatikan ein. Papst Franziskus rief im Namen des Episkopats die zutiefst zerstrittenen Gegner auf, in einen Dialog einzutreten. Unter Berufung auf den Vatikan konnte Henry Ramos Allup, der überlegt handelnde Parlamentspräsident aus den Reihen der MUD, den angekündigten Marsch auf Miraflores kurzfristig suspendieren.

Verschiedene Oppositionsgruppen unter einem Dach

Die im letzten Moment abgewendete Konfrontation verdeutlicht, dass das Oppositionsbündnis von unterschiedlichen Strömungen bestimmt wird. Die Entwicklung lässt keine durchgehend kongruente Agenda erkennen. So hat sich die MUD zuletzt auf keine koordinierte Vorgehensweise verständigt. Unter ihrem Dach agieren mehrere politische Gruppierungen, von denen zwei einen dezidiert konfrontativen Kurs verfolgen:

VENTE VENEZUELA, angeführt von der bereits in der Vergangenheit als kämpferisch auftretenden María Corina Machado. Um in einen anstehenden Dialog mit der Regierung einzutreten, besteht sie auf vertrauenswürdige Mediatoren, legitime Repräsentanten sowie eine vollständige und öffentlich verbreitete Roadmap. Machado äußerte die Befürchtung, dass die Regierung lediglich beabsichtige, Zeit und Stabilität zu gewinnen.

VOLUNTAD POPULAR, dessen Abgeordneter Freddy Guevara sich als einer der schärfsten Widersacher der Amtsführung von Maduro positioniert hat. Der nahm in gewohnter Manier kein Blatt vor den Mund, indem er Guevara als einen Verantwortungslosen titulierte, ihm mit gravierenden Sanktionen drohte und Voluntad Popular als „terroristische Gruppe“ einstufte.

Papst kennt die Verhältnisse wie kaum ein anderer

Angesichts der heillos zerstrittenen Kontrahenten setzen die Venezolaner ihre ganze Hoffnung und Erwartung auf Papst Franziskus. Mit ihm befindet sich ein Jesuit aus Argentinien auf dem Heiligen Stuhl, der die Idiosynkrasie der Latinos verinnerlicht hat. Wie kaum ein anderer ist er prädestiniert, mit den auf dem amerikanischen Subkontinent vorherrschenden Animositäten versiert umzugehen. Das Wort dieses Mannes hat gerade im katholisch geprägten Lateinamerika außerordentliches Gewicht und wird von allen beteiligten Parteien ohne Wenn und Aber respektiert. Mit ihm ist Venezuela im Begriff, ein neues Kapitel auf dem Weg zum inneren Frieden des Landes aufzuschlagen.

Michael Johnschwager, 1949 in Hamburg geboren, war als Außenhandelskaufmann von 1980 bis 1990 in Kolumbien, Venezuela und Honduras privatwirtschaftlich, sowie in Entwicklungsprojekten in Costa Rica in beratender Funktion im Einsatz. Seit 2004 ist Johnschwager als fremdsprachlicher Dozent und Autor mit Schwerpunkt Lateinamerika freiberuflich tätig.

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