Am Kongress gab es auch eine spannende Diskussion über alternative Medienprojekte.

Bild: Verteidiger Europas
Mainstream-Medien zunehmend in der Krise, „wäu a Schas drinsteht“

Tragende Säulen des am 29. Oktober in Linz über die Bühne gegangenen Kongresses „Verteidiger Europas“ waren alternative Medien. Ihre Vertreter beteiligten sich auch an einer Podiumsdiskussion, die sich mit dem eigenen Selbstverständnis, der Analyse des Mainstreams, aber auch mit politischen Positionierungen befasste.

Medienkrise trotz einer Milliarde Euro Steuergeld pro Jahr

Zu Beginn wurden die enormen Summe in Erinnerung gerufen, mit der in Österreich Mainstream-Medien aus Steuergeld bzw. Zwangsgebühren gefördert werden. Es handle sich um rund eine Milliarde Euro pro Jahr. „Und trotzdem stecken sie alle in der Krise, während wir mit einem winzigen Bruchteil dieses Geldes auskommen und an Lesern ständig gewinnen.“

Für Alexander Surowiec stellen die öffentlichen Inserate eine „strukturelle Anfütterung von Redakteuren“ dar, die zu einem Interessenskonflikt führe. Dass trotz des Geldsegens in vielen Mainstream-Medien die Krise ausgebrochen sei – man denke aktuell an die NEWS-Gruppe oder den Kurier -, brachte Roland Hofbauer volkstümlich auf den Punkt: „Wäu a Schas drinsteht.“

Kein Geld aus Russland

Was die Finanzierung anbelangt, dementierten sowohl Jan Ackermeier für Info-Direkt als auch Elsässer für das COMPACT-Magazin, finanzielle Zuwendungen aus Russland zu erhalten, was ihnen in Mainstream-Medien immer wieder vorgeworfen wird. „Wir bekommen unser Geld ausschließlich von den Lesern“, stellte Elsässer fest und erzählte, dass die russische Botschaft in Berlin nicht einmal bereit gewesen sei, eine kleine Menge eines Buches abzunehmen, in dem COMPACT einige Reden des russischen Präsidenten Wladimir Putin an die Deutschen übersetzt und gesammelt hatte.

Alexander Malenki ist gemeinsam mit seinem Kollegen Philip Thaler in einem ganz anderen medialen Feld aktiv. Er gestaltet das YouTube-Format Laut Gedacht, das sich einmal wöchentlich auf satirische Weise mit der Tagespolitik beschäftigt. „Worum es uns geht, ist den Zugang für jene zu erleichtern, die sagen: Hochpolitische Debatten sind nicht meins.“  Auch das will finanziert sein: Laut gedacht bemüht sich daher, in das neue öffentlich-rechtliche Jugendformat Funk aufgenommen zu werden.

Elsässer: Meine Zielgruppe ist die Friseuse

Jürgen Elsässer machte die Ursache für das Erstarken alternativer Formate am „Verrat“ der etablierten Medien an den Bürgern fest und erwähnte insbesondere das deutsche Massenblatt Bild. Diese sei nun nicht mehr die „Zeitung des kleinen Mannes“, habe den sozialdemokratischen deutschen Arbeiter – ebenso wie die SPD und die gesamte politische Linke – verraten und sei auf „Refugees welcome“-Linie geschwenkt. COMPACT bemühe sich, „dieses normale Volk“ als Leser zu gewinnen – in allen Bevölkerungs- und Altersschichten. Elsässer: „Wir wollen kein intellektuelles Magazin sein. Meine Zielgrippe ist die Friseuse.“

„Wir da unten gegen die da oben“

Dies entspricht auch dem Anspruch, publizistisch nicht einen Kampf „Rechts gegen Links“, sondern „Wir da unten gegen die da oben“ zu führen. Denn die traditionellen rechten und linken Kräfte hätten sich längst gegen das Volk geeint, so Elsässer: „Wir haben ja seit 1968 die Konstellation, dass internationale Hochfinanz und geschichtsvergessene neue Linke eine Verschmelzung eingegangen sind.“

Jan Ackermeier von Info-Direkt stimmte dem zu. Links und rechts seien „nur noch reine Kampfbegriffe“. Das würden auch viele Altlinke in der Beurteilung jener Personen bestätigen, die gegen den Kongress demonstrierten: „Die sagen: Die haben nie ihren Lenin oder Marx gelesen. Die sind nur da, um zu randalieren. Das ist Erlebnistourismus und hat nichts mit Politik zu sein.“

Surowiec will strukturelle Korruption in Wien offenlegen

Eine andere Zielgruppe adressiert Alexander Surowiec mit der jüngst gegründeten investigativen Internet-Plattform Fass ohne Boden, die sich mit den Firmenverflechtungen der Stadt Wien befasst. „Primär richten wir uns an Entscheider, an Politiker.“ Ziel sei es, strukturelle Korruption offenzulegen oder Personen öffentlich bekannt zu machen, die aufgrund von Freunderlwirtschaft in ihre Positionen gekommen seien.

„Alles was nicht links und dumm ist“

Dieses Motto bestimmt die Inhalte der Wochenzeitung Zur Zeit, für die Bernhard Tomaschitz an der Diskussion teilnahm. Nicht nur überzeugte FPÖ-Wähler seien daher das Zielpublikum, sondern auch jene, die sich enttäuscht von anderen Parteien abwenden.

Kritik an „Einseitigkeit“ kommt just von Gesprächsverweigerern

Eine für den alternativen Mediensektor enorme Auflage von 200.000 Stück zeichnet das Monatsmagazin alles roger? aus, wobei das Heft selbst nicht verkauft wird. „Unsere Abonennten zahen nur die Versandkosten“, erklärte Chefredakteur Roland Hofbauer das Modell. Möglichst viele Exemplare werden auch über Verteilaktionen und in Zeitungsständern an die Leser gebracht.

Weder thematisch noch politisch lässt sich das Magazin festmachen, dennoch wird es – spätestens seit der Teilnahme am Kongress – regelmäßig ins rechtsextreme Eck gestellt. „Wenn das eine rechtsradikale Veranstaltung ist, dann möchte ich jede Woche zu einer eingeladen sein“, nahm es Hofbauer mit Humor und entlarvte auch die Mechanismen der Mainstream-Medien. „Wir werden kritisiert, weil wir nur den Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer interviewt haben. Van der Bellen gibt uns aber kein Interview.“ Genau aus dessen Lager komme aber dann diese Kritik.

Tomaschitz: Hassposting-Debatte schießt übers Ziel hinaus

„Wir müssen die Pressefreiheit, aber – wie die Mobilisierung gegen den heutigen Kongress zeigt – auch die Versammlungsfreiheit neu erkämpfen“, schätzte Jan Ackermeier die Lage ein und begrüßte die wachsende Vielfalt am alternativen Mediensektor: „Jedes Medienprojekt ist ein Stachel im Hintern dieser etablierten Gesellschaft.“

Bernhard Tomaschitz warnte in diesem Zusammenhang vor einer Verschärfung der Debatte durch die Kriminalisierung sogenannter „Hasspostings“. Zwar seien Aufrufe zu Mord und Gewalt selbstverständlich zu verurteilen, „aber als Hassposting gilt bald schon jede Kritik oder Ablehnung der Massenzuwanderung“.

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