Ungarns Regierung erkennt, dass in schwierigen Zeiten die Senkung der Körperschaftsteuer die Wirtschaft ankurbelt (Bild: Parlament in Budapest).

Foto: Bild: Julian Nitzsche / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Körperschaftssteuer-Senkung: Ungarn will unternehmerfreundlichstes Land Europas werden

Ungarn möchte das Land für Unternehmen attraktiver machen. Deswegen kündigte die Regierung an, die Körperschaftsteuer auf den niedrigsten Satz in der EU abzusenken. Die Körperschaftsteuer ist eine Steuer auf das Einkommen bestimmter juristischer Personen (Kapitalgesellschaften, Genossenschaften, Vereine, Anstalten oder Stiftungen). Sie ist auch eine Gemeinschaftssteuer, weil das Aufkommen in Österreich z.B. Bund und Ländern gemeinschaftlich zusteht, und eine Ertragssteuer, weil sie den Ertrag besteuert.

Steuersatz einheitliche neun Prozent

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte an, dass der Steuersatz im Jahre 2017 einheitlich für kleine, mittlere und große Unternehmen auf neun Prozent gesenkt wird. Damit „wird Ungarn europaweit die besten steuerlichen Konditionen anbieten“, so Orbán.

Bisher galt für kleine und mittlere Unternehmen in Ungarn ein Steuersatz von zehn, Großunternehmen zahlten 19 Prozent.

Staat verzichtet bewusst auf Einnahmen

Wirtschaftsminister Mihaly Varga weiß natürlich, dass es dadurch Einnahmeausfälle für den ungarischen Staat geben wird (es werden für 2017 rund 145 Milliarden Forint, etwa 470 Millionen Euro erwartet).  Aber für den Minister geht es darum, „dass 145 Milliarden Forint mehr in den Taschen der Unternehmen bleiben“ werden.

Wirtschaftspresse zeigt sich skeptisch

Die ungarische Wirtschaftspresse bezeichnet die geplante Senkung zwar als „spektakulär“, doch verweist sie gleichzeitig auf einen angeblichen Fachkräftemangel in Ungarn, der das Land für Investoren weniger attraktiv mache. Auch kritisiert die Nachrichtenseite Index.hu, dass Ungarn noch immer EU-weit die höchsten Sozialabgaben für Beschäftigte hätte.

Andere Staaten werden nachziehen

Nun fürchten sich einige EU-Staaten vor einem „Steuerwettlauf“, weil auch die britische Regierungschefin Theresa May angekündigt hatte, die Körperschaftsteuern für Unternehmen massiv senken zu wollen.

Steuergefälle von West- nach Osteuropa

Im Vergleich zu manch anderen EU-Staaten fallen bei den osteuropäischen Staaten die Unternehmenssteuern niedriger aus. In Bulgarien u.a. liegt die Körperschaftsteuer bei fünf bis zehn Prozent, in Rumänien bei 16, Slowenien 17 oder in Tschechien 19 Prozent.

Im Gegenzug kassiert man in Frankreich sogar mehr als 33 und in Italien 27,5 Prozent. In Österreich beträgt der Körpersteuersatz 25 Prozent (die Ausschüttung wird mit 27,5 Prozent abgeltend besteuert). Nur Deutschland hat einen den ostmitteleuropäischen Ländern gleichwertigen Satz von 15 Prozent.  

In Österreich Gewerkschaft dagegen

Überlegungen, in Österreich ebenso die Körperschaftsteuer zu senken, was die stagnierende Wirtschaft mit Sicherheit stimulieren könnte, stießen bisher auf starken Widerstand der Gewerkschaft.

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