VdBs wundersame Wandlung vom Jagdgegner zum Jägerfreund

Mit seiner Strategie des Verschweigens und Vernebelns verhält sich Van der Bellen nach eigener Überzeugung vernünftig. Foto: Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
Mit seiner Strategie des Verschweigens und Vernebelns verhält sich Van der Bellen nach eigener Überzeugung vernünftig.
Foto: Franz Johann Morgenbesser / Wikimedia (CC BY-SA 2.0)
29. November 2016 - 18:00

Nachdem sich der Unabhängigste der Unabhängigen schon zur Genüge als neuerdings heimatverliebter Naturbursch präsentiert hat, legt er jetzt noch ein Schäuferl nach und outet sich gar als Freund der Jägerei.

Jagdmagazin stellte konkrete Fragen

Wie die beiden Präsidentschaftskandidaten zum heimischen Jagdwesen stehen, wollte zuletzt das Jagdmagazin Jagdfakten.at ergründen und stellte den Bewerbern diese fünf Fragen:

  1. Ist die Jagd, wie sie derzeit in Österreich von mehr als 120.000 Jägerinnen und Jägern betrieben wird, ausreichend gesetzlich geregelt, oder sehen Sie die Notwendigkeit, die Normen zu ändern?
  2. Soll die Jagd weiter Teil der nachhaltigen Grundeigentumsnutzung bleiben oder zukünftig nur mehr subsidiäres Wildtiermanagement sein?
  3. Wildbret gilt unter Ernährungswissenschaftern als das höchstwertige Fleisch. Derzeit verzehren Herr und Frau Österreicher im statistischen Durchschnitt im Jahr 65 kg pro Kopf, davon sind   aber nur 0,7 kg Wild. Wollen Sie uns – um den Konsum von Wildbret zu fördern – Ihr Lieblingsrezept für Wildfleisch verraten?
  4. Österreich hat zu wenig Wildbret. Wir importieren netto rund 1.000 Tonnen – viel aus landwirtschaftlicher Zuchthaltung in Neuseeland. Wie sollte sich das ändern?
  5. Es gibt derzeit in Österreich – vornehmlich in den sozialen Medien und durch Demonstrationen von etwa 6 bis 15 Menschen auf öffentlichen Plätzen – eine Kampagne von Tierrechtsaktivisten  gegen die Jagd, die sich der Verbreitung falscher Tatsachen und persönlicher Diffamierung bedient –, und nicht nur Hasspostings sind die Folge. Was ist dazu Ihre Botschaft?

Von VdB zu konkreten Fragen nur allgemeines Wahlkampfstatement

Viel hatten Neo-Jagdfreund Van der Bellen bzw. sein Wahlkampfteam allerdings nicht zu sagen. Zumindest nichts Konkretes. Und während sich Norbert Hofer ernsthaft mit der Beantwortung der Fragen befasste und jede einzelne ausführlich beantwortet hat (hier auf www.jagdfakten.at nachzulesen), wurde von Van der Bellen keine einzige wirklich beantwortet. Stattdessen kam eine offensichtlich von seinem Wahlkampfbüro verfasste simple Pressemitteilung.

Deklarierter Jagdgegner plötzlich großer Jägerfreund

Darin bemühte man sich allerdings überschwänglich, den wertvollen Beitrag des Jagdwesens für die Ökologie und Erhaltung der Kulturlandschaft zu lobpreisen und die Wichtigkeit der Jägerei hervorzustreichen. Nicht genug der Lobhudelei bemühte man sich auch gleich, Van der Bellen als großen Freund der Jäger darzustellen.

Breiten Raum verwendete man dabei zu erwähnen, dass Van der Bellen im tirolerischen Kaunertal aufgewachsen sei und dort angeblich viele seiner Freunde und Bekannten Bauern und Jäger seien. Sogar der beste Freund von Van der Bellens Vater sei Jäger gewesen. Eine nette PR-Homestory, nach der allerdings niemand gefragt hat.

VdB für Jäger unglaubwürdig

Doch so ganz und gar nicht glauben mag man Van der Bellen diesen Sinneswandel in Jägerkreisen. So schrieb etwa der Präsident der Interessengemeinschaft für ein liberales Waffenrecht, Dr. Andreas Rippel, dem Landesjägermeister Josef Pröll (ÖVP) einen offenen Brief, in dem er seine Verwunderung über dessen Unterstützung Van der Bellens kundtat. So schrieb er unter anderem, dass jedem Jäger seit Langem bekannt sei, dass der Kandidat Van der Bellen immer ein vehementer Gegner der Jagd gewesen sei und dies auch stets deutlich zum Ausdruck gebracht habe. Darüber hinaus habe er sich als Kämpfer gegen den privaten legalen Waffenbesitz deklariert. Im Lichte all dieser Umstände sei es für jeden österreichischen Jäger völlig unverständlich, dass Niederösterreichs Landesjägermeister Josef Pröll diesen Kandidaten öffentlich unterstütze.

Van der Bellen und die (Un-) Wahrheit

Die Antwort darauf, was unter anderem auch von Van der Bellens angeblicher Affinität zur Jägerschaft zu halten ist, gibt Van der Bellen in seinem Buch "Die Kunst der Freiheit" selbst. Darin schreibt er wörtlich:

Auch wenn ich mich damit nicht beliebt mache: Verschweigen, vernebeln oder gegen die eigene Überzeugung reden kann im politischen Kontext manchmal sogar vernünftig und strategisch zielführend sein.

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