Fußballvereine zeigen Flagge - Boykott von Trainingslagern in Türkei

Viele europäische Fußballvereine entscheiden sich angesichts der Terrorgefahr bewusst gegen Trainingslager in der Türkei und weichen lieber ins teurere Spanien aus. Foto: Dustin Liebenow / flickr (CC BY-ND 2.0)
Viele europäische Fußballvereine entscheiden sich angesichts der Terrorgefahr bewusst gegen Trainingslager in der Türkei und weichen lieber ins teurere Spanien aus.
Foto: Dustin Liebenow / flickr (CC BY-ND 2.0)
17. Dezember 2016 - 10:35

Für Trainingslager während der Wintermonate zählte die Türkei in den letzten Jahren zu den „Lieblingszielen“ vor allem deutscher Fußballvereine. Speziell  der Raum Belek war bis dato bei deutschen Vereinen recht beliebt. Nun bleiben die Hotels dort allerdings leer. Ein deutscher Trainer wurde in seiner Erklärung gegenüber der Presse sehr deutlich, wie auch n24.de berichtet.

Instabile politische Lage und Terrorangst – Vereine bleiben fern

Klimatisch angenehme Bedingungen, zumeist mindestens vier Sonnenstunden pro Tag und moderate Durchschnittstemperaturen von zwölf Grad, Rasenplätze unter perfekten Bedingungen, während in Mitteleuropa tristes Grau vorherrscht und der Frost den meisten Rasenplätzen zu schaffen macht - genau das macht den großen Unterschied aus.

Dennoch bleiben heuer die Mannschaften dem türkischen Belek fern. Sowohl Bundesligisten, als auch Vereine der zweiten und dritten Liga haben sich entschieden, auf Grund der instabilen politischen Verhältnisse und der ständig präsenten Terrorgefahr heuer die Türkei zu meiden.

Absagen am laufenden Band

Zuletzt äußerte sich der Drittligist FSV Zwickau dahingehend und stornierte das Trainingslager in Belek, ebenso die Erstligisten 1.FC Köln, FC Ingolstadt und der TSG Hoffenheim. Noch in der vergangenen Winterpause hatten zahlreiche Vereine an der türkischen Riviera trainiert. Unter anderem Hertha BSC Berlin, Darmstadt, Mönchengladbach, Werder Bremen, Hannover, Stuttgart und der HSV sowie der Aufsteiger RB Leipzig.

Boykott von Erdogans „Terror-Paradies“

Die Fußballer leben es sozusagen bereits vor, es geht auch ohne „Zugeständnisse“ an das Regime des Osmanen-Despoten. Wäre wohl hoch an der Zeit, wenn die europäische Politik sich da ein paar Anregungen holen würde. Durch einen gezielten Boykott von Reisen in die Türkei und damit verbundene empfindliche Einbußen für die Staatskasse des Despoten könnte dieser möglicherweise weitere „Erpressungsversuche“ gegenüber Europa in Zukunft überdenken.

Sicherheitslage zu bedenklich

Die Sicherheitslage in der Türkei ist sowohl für Touristen als auch für Fußballvereine zu instabil. Man erinnert sich mit Grauen an die Vorfälle alleine in diesem Jahr. Bei einem Selbstmordattentat am Istanbuler Flughafen im Juni waren 48 Todesopfer zu beklagen. Dann folgte der „Putschversuch“ im Juli, Terroranschläge durch IS und PKK, der letzte erst vor wenigen Tagen. In jedem Fall erscheint es nun den Bundesliga-Vereinen sicherer, auf andere Länder mit erträglichem Klima auszuweichen.

Nachvollziehbare Begründung der Coaches für Türkei-Boykott

Darmstadts Ex Manager Holger Fach erklärte, dass „die Türkei selbstredend als Trainingsziel ausfalle“. Wesentlich deutlicher formulierte es Bochum-Trainer Gertjan Verbeek, der da meinte „Wir fliegen nicht in die Türkei. Mit Erdogan will ich nichts zu tun haben“.

Dabei könnte man beinahe das Gefühl haben, der geradlinige Niederländer würde aussprechen, was manch anderem wohl die vielstrapazierte „Political Correctness“ verbieten könnte. Die Bochumer bleiben heuer zu Hause und sparen dabei auch noch knapp 50.000 Euro.

Marbella als neuer Bundesliga-Favorit

Der spanische Nobelort Marbella an der Costa del Sol avanciert mittlerweile zum neuen Aufbau-Ort der Bundesligisten. Neben Dortmund, Mainz und Augsburg,bereitet sich auch Gladbach in Marbella auf die Rückrundenspiele vor.

Der letzte Aufenthalt des Hamburger SV in der Türkei war durch einen Selbstmordanschlag im nur 500 Kilometer entfernten Istanbul überschattet. Bei diesem Attentat am 12. Jänner dieses Jahres wurden elf deutsche Touristen in den Tod gerissen. 

Der HSV entschied sich daher, seine Zelte für zehn Tage in Dubai, im Land des Trikotsponsors „Emirates“, aufzuschlagen.

Auch österreichische Vereine verweigern türkische Trainingslager

Auch für österreichische Vereine ist „der Rasen von Belek“ zu gefährlich geworden. Der Terror-Anschlag vor dem Stadion von Besiktas Istanbul letzten Samstag mit 38 Toten war scheinbar auch für den österreichischen Erstligisten SV Ried ausschlaggebend dafür, die geplante Türkei-Reise abzusagen. Der momentane Tabellenführer der Bundesliga, der Vorarlberger SCR Altach, entschied sich für ein Trainingslager in Spanien.

Altach-Sportdirektor Georg Zellhofer erklärte, „man hätte aus Sicherheitsgründen eine gewisse Verantwortung und will im Nachhinein nicht bereuen, dort hingeflogen zu sein, auch wenn Spanien preislich höher liege“.

Despot Erdogan erntet Folgen seiner Politik

Resümierend bleibt, den Hut vor dem „Niederländer“ Verbeek zu ziehen, der die Dinge offen beim Namen genannt hat, denn die Argumente der „Instabilität und Unsicherheit“ in der Türkei sind ja wohl der Politik des osmanischen Despoten Erdogan zuzuschreiben. Unter dem Strich bleibt zu hoffen, dass derlei Beispiele der „Türkei-Verweigerung“ Schule machen mögen und sich Europa nicht mehr bedingungslos zu unterwerfen bereit ist.

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