Die Deutschen zahlen und die Türkei bestimmt. Auch im deutschen Gymnasium in Istanbul.

Bild: C Guillaume Piolle / Wikimedia (CC BY 3.0)
Weihnachten aus dem Unterricht an deutscher Schule in Istanbul gestrichen – Erdogans Türkei-Islamisierung lässt grüßen

Das „Istanbul Lisesi“ (Istanbuler Lyzeum) ist ein staatliches türkisches Gymnasium, an das Deutschland Lehrer entsendet, weswegen auch die meisten Fächer auf Deutsch unterrichtet werden. Auch werden diese Lehrkräfte und auch sonstiges an dieser Schule mit mehreren Millionen Euro jährlich durch den deutschen Steuerzahler finanziert.

Weihnachten darf nicht existieren

Nun kam der Befehl durch türkische Behörden, dass Weihnachten an dieser Schule kein Thema mehr sein darf. Die deutschen Lehrer des „Istanbul Lisesi“ bekamen eine E-Mail mit folgendem Inhalt:

„Es gilt nach Mitteilung der türkischen Schulleitung, dass ab sofort nichts mehr über Weihnachtsbräuche und über das christliche Fest im Unterricht mitgeteilt, erarbeitet sowie gesungen wird.“

Ebenso durfte der Schulchor des ausschließlich von türkischen Schülern besuchten Elitegymnasiums nicht am traditionellen Weihnachtskonzert im deutschen Generalkonsulat am vergangenen Dienstag teilnehmen. Weder das türkische Bildungsministerium noch die türkische Schulleitung gaben einen Grund dafür an.

Keine Duldung anderer Religionen neben dem Islam

Die Anordnung des Weihnachtsverbots fügt sich nahtlos an die derzeitige Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an, der sein Land ins Fahrwasser eines streng mohammedanischen Landes führt, welches neben dem Islam natürlich keine andere Religion dulden kann. Und gerade das Christentum, obwohl derzeit höchstens 100.000 Christen (0.2% der Bevölkerung, Ende des 19. Jahrhunderts waren es noch ca. 25%) im Land leben, hat es in der Türkei besonders schwer, weil die christliche Religion für Erdogan den Westen symbolisiert.

Erdogan tanzt EU auf der Nase herum

Und dieser Westen (repräsentiert vor allem durch die EU) wird derzeit von Erdogan nach allen Regeln der Kunst (Türkei-Deal, Todesstrafe) vorgeführt. Dass ihn dann ein paar Bemerkungen deutscher Politiker, die sich über das „Weihnachtsverbot“ an der deutschen Schule echauffieren (wie der Grünen-Politiker Omid Nouripour, ein schiitischer „Ketzer“ oder Andreas Scheuer, CSU, als Bayer wohl Katholik), zum Umdenken bringen, ist mit Sicherheit nicht anzudenken. Eher dürfte es Erdogan geradezu ein Anliegen sein, dem (noch relativ) christlich-humanistischen Europa auf der Nase herumzutanzen. Und dieses Europa wird sich das auch dann noch gefallen lassen, selbst wenn Erdogan es als islamisch notwendig erachtet, den Türkei-Deal mit der EU zu canceln und die Grenzen zu öffnen.

Update:

Heute wurde bekannt, dass das christliche Fest nun doch im Unterricht behandelt werden darf.

"Nach gemeinsamer Sitzung zwischen der türkischen Schulleitung und der Leitung der Deutschen Abteilung kann ich Ihnen mitteilen, dass kein Verbot "Weihnachten" im Unterricht zu besprechen vorliegt", hieß es am Montag in einer E-Mail der deutschen Abteilungsleitung an die deutschen Lehrer.

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