Griechenland: Selbstauskunft führt zu Steuer- und Abgabenhinterziehung

Seit dem Jahreswechsel ist es für Griechen leichter, Schwarzgeld im Koffer zu horten.  Foto: William Wesen / Wikimedia (PD)
Seit dem Jahreswechsel ist es für Griechen leichter, Schwarzgeld im Koffer zu horten.
Foto: William Wesen / Wikimedia (PD)

Seit dem 1.Jänner 2017 wird es den Griechen durch die Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras  noch leichter gemacht, Steuern- und Abgaben zu hinterziehen. Eine vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und Gläubigerstaaten eingeforderte Reform der Sozialversicherungsbeiträge führt nun weg von fixen Beträgen hin zur Einkommensabhängigkeit. Bei Selbständigen beruht die Bemessungsbasis allerdings auf Selbstauskunft, die von den Betroffenen dazu verwendet wird, ihre tatsächlichen Einnahmen zu verheimlichen. Resultat der ganzen Aktion: Die Beiträge in die Renten- und Krankenversicherung sinken, statt der vom IWF erhofften Steigerung.

Die gleiche Selbstbemessung gilt bei der Einkommens- und der Umsatzsteuer. Wirtschaftsforscher gehen in einer jüngsten Studie davon aus, dass Steuern von sechs bis neun Prozent des griechischen Bruttoinlandsproduktes jährlich von den Staatsbürgern hinterzogen werden. Damit verliert der griechische Fiskus rund ein Drittel seiner Staatseinnahmen durch dieses von vorn herein auf Betrug angelegte System.

Schwarzgeld: Steuerflüchtlinge bis heute nicht real verfolgt

Mindestens ebenso ineffizient wie die reale Bewirtschaftung der Steuern und Sozialabgaben durch die griechische Verwaltung stellt sich die seit Jahren im Argen liegende Verfolgung von Steuerflüchtlingen dar. Seit mehreren Jahren angekündigt, ist die Verfolgung von Schwarzgeld, das auf ausländischen Konten liegt, bisher nicht weitergekommen.

Neben einer ineffizienten Steuerfahndung ist vor allem die Solidarität unter den Mächtigen bei Steuer- und Abgabenbetrug hoch. Viele Betroffene gehören unmittelbar zum Politischen System, wie etwa die Familie der Papandreous, die nach Medienberichten ebenfalls ein gigantisches Schwarzgeldvermögen auf ausländischen Konten gebunkert haben soll. Insgesamt betragen die Schwarzgeldbestände griechischer Staatsbürger im Ausland rund 800 Millionen Euro.

 

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Kommentare

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Die Mutter von Frau Zoe Konstantopoulo (Staatssekretärin) kassierte für ihr Kind im zarten Alter von 36 Jahren immer noch Kindergeld. Sie empörte sich fürchterlich, als die Presse ihr diese Machenschaften resp. Betrug vorwarf.
Das zeigt, welcher Geist die Griechen beherrscht.

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Diese kleine Summe! Bedenkt man Griechenland hat vor Jahren 160 Milliarden Staatsschulden gehabt. Und das (800 Mill) soll Europa retten?

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Das sogenannte Schwarzgeld ist schlicht und einfach das Eigentum der griechischen Bürger und wenn sich eine Möglichtkeit bietet es vor dem Zugriff der internationalen Finanzmafia in Sicherheit zu bringen,dann haben diese Bürger alles Recht der Welt dazu.
Nehmen wir mal Deutschland.Der Staat zieht dem Bürger in etwa 3/4 seiner Einkünfte aus der Tasche und hat trotzdem mindestens 2Billionen Schulden.Wäre es dann rechtens die Bürger,die von diesen 2Bio nicht eine müde Mark gesehen haben zu enteignen wenn die Schuld fällig wird? Das aber ist genau das,was in Griechenland passiert.Und dazu werden die Leute auch noch als Steuerhinterzieher verunglimpft.Da wird wohl bald so einiges an der Laterne hängen.Es ist das natürliche Recht eines jeden Menschen,seine Lebensgrundlage vor Schmarotzern zu schützen.

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dass der Staat durch die Finger schaut, denn die wirtschaftlich "Großen" zeigen es uns ja vor, wie es geht. War nicht ein Junker ein sogenannter Wegbereiter, wie man Steuern gut sparen kann? Dem Kleinen will man es verbieten? Mit nichten!

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An sich ein rein hellenisches Problem.
Warum aber wir alle, insbesondere die sog. "Nettozahler Europas" diese nette Freizeitbeschäftigung tragen müssen, ist weniger einzusehen.
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Zumal es Verträge gibt.
Siehe "Non-bail-out Klausel", Vertrag von Lissabon.
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Trau, schau wem.
Den "Brüsseler Spitzen" jedenfalls nicht.