Politiker, hier die Grüne Claudia Roth, wurden in Dresden am Tag der deutschen Einheit mit Volksverräter-Rufen empfangen.

Foto: Bild: Screenshot YouTube / Pegida in Dresden
„Volksverräter“ ist „Unwort des Jahres“: Politisch korrekte Sprachjury packt Nazikeule aus

"Volksverräter" schallt es Politikern wie der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) oder ihrem sozialistischen Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) bei öffentlichen Auftritten immer öfters entgegen. Deren Kampf gegen das eigene Volk hat in der Bevölkerung seine Spuren hinterlassen und immer mehr Menschen wagen es, lautstark ihrem Ärger Luft zu machen.

Politisch korrektes Gremium wählt „Unwort des Jahres“

Jährlich wählt ein selbsternanntes Gremium von mehreren Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten das „Unwort des Jahres“. 2014 war es die „Lügenpresse“ und 2015 der „Gutmensch“. Für 2016 hat man sich in der politisch korrekten Jury auf das Wort „Volksverräter“ geeinigt. Dies wurde von den Sprachwächtern am Dienstag bekannt gegeben. Man wolle damit der Kritik an dem derzeit in sozialen Netzwerken, aber auch in der Politik zunehmenden Sprachgebrauch mit faschistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund mehr Gewicht verleihen, erläuterte die Sprecherin des Gremiums, Nina Janich, die Entscheidung. In der Begründung der Jury heißt es, Anhänger von Pegida, AfD und ähnlichen Initiativen würden den Begriff als Vorwurf gegenüber Politikern verwenden. Er sei undifferenziert und diffamierend und würde "das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft" abwürgen.

Nazikeule

Selbstverständlich durfte in der Begründung auch ein Hinweis auf den Nationalsozialismus nicht fehlen. Volksverräter sei ein Unwort im Sinne der Jury, weil es deren Meinung nach ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten ist. Der Wortbestandteil Volk stehe dabei ähnlich wie im Nationalsozialismus nicht für das Staatsvolk als Ganzes, sondern für eine ethnische Kategorie, die Teile der Bevölkerung ausschließe.

Großteil der Einsender war anderer Meinung

Mit der Wahl von „Volksverräter“ zum Unwort des Jahres steht die Jury allerdings ziemlich alleine da. Für das Jahr 2016 waren von 1.064 Einsendern 594 verschiedene Wortvorschläge gemacht worden. Spitzenreiter war „postfaktisch“ mit 48 Einsendungen, vor „Populismus/Rechtspopulismus" und „Einzelfall“. Das letztendlich von der Jury bestimmte Wort „Volksverräter“ wurde nur dreimal genannt.

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