Gesamteuropäischer Euro ist „Spaltpilz der EU“ – Euro-Kernzone inklusive Österreich von AfD gefordert

Der AfD-Chef und Wirtschaftswissenschaftler Jörg Meuthen sieht im derzeitigen Euro keine Zukunft mehr  Foto: Robin Krahl / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
Der AfD-Chef und Wirtschaftswissenschaftler Jörg Meuthen sieht im derzeitigen Euro keine Zukunft mehr
Foto: Robin Krahl / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)
12. Januar 2017 - 16:00

Der Wirtschaftswissenschaftler und Bundessprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen, erkennt, dass ein gemeinsamer Euro für alle derzeitigen Staaten der Euro-Zone keine Zukunft mehr hat. Deswegen wäre es für ihn notwendig, die Euro-Zone aufzuspalten.

AfD wurde als Euro-kritische Partei gegründet

Mit diesem Vorschlag besinnt sich Jörg Meuthen wieder auf jenen Grund, weswegen die AfD ursprünglich gegründet wurde. Denn die Partei entstand 2013 als ablehnende Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik, die insbesonders die deutsche Kanzlerin Angela Merkel forciert hatte.

Euro für die einen zu stark, für die anderen zu schwach

Für die AfD muss sich der Euro in zwei Teile spalten, denn, so Jörg Meuthen, „für südeuropäische Staaten ist der Euro zu stark, für Deutschland und eine Reihe anderer Staaten ist er zu schwach“. Daher wäre es denkbar, „dass die wirtschaftlich schwächeren Staaten aus dem Euro aussteigen.“

Zu jenen Staaten, denen der Euro zu stark ist, zählt Jörg Meuthen Griechenland, Spanien, Portugal, Italien aber ebenso Frankreich. Und als Euro-Kernzone nennt der Wirtschaftswissenschaftler Deutschland, Österreich, die Niederlande und Finnland.

Griechenland wahrscheinlich in keinem Währungsverbund

Allerdings sollte durchgedacht werden, ob sich die südeuropäischen Staaten in einer eigenen Währungszone vereinigen sollen, wobei das natürlich von einer ähnlichen, wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit abhängt. Griechenland etwa ist für Jörg Meuthen so schwach, dass er kein Land wüsste, welches mit Griechenland eine Währungsunion bilden wollte. Hingegen kann er sich einen Währungsverbund von Italien, Spanien, Portugal inklusive Frankreich vorstellen.

Euro derzeit Spaltpilz der EU

Freilich ist für den AfD-Bundessprecher eines nicht zu übersehen: „Fest steht, dass wir mit völlig unterschiedlichen Währungskulturen und unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten den Euro als Spaltpilz der EU erleben.“ Daher wird es mit Sicherheit erst einmal zu gewissen Verwerfungen kommen, wenn sich aus der derzeit 19 Staaten umfassenden Euro-Zone eine Kernzone loslöst.

Kurzfristiger Konjunktureinbruch wird sich langfristig ins Gegenteil umkehren

Und auch wenn es dann zu Unruhen auf den Finanz- und Gütermärkten kommen wird, sollte man das „wegen der langfristigen heilenden Wirkung“ in Kauf nehmen.

Für Deutschland würde eine auf leistungsfähige Staaten reduzierte Euro-Zone die Entstehung eines starken Euro bedeuten, was vorerst ein Exporthemmnis sein könnte, denn deutsche Produkte werden dann teurer. Für Jörg Meuthen könne es daher zu einem kurzfristigen Konjunktureinbruch kommen, aber eine langfristige Eintrübung wäre mit Sicherheit nicht zu erwarten. „Denn zu der Zeit, als Deutschland die Hartwährung D-Mark hatte, waren wir ja auch Exportweltmeister.“

Gegen altes Verrechnungssystem ECU

Ebenso sprach sich der Professor für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft an der Hochschule Kehl gegen den Vorschlag des Front National (FN) aus, anstelle des Euro wieder das frühere europäische Verrechnungssystem ECU mit fixierten Devisenkursen einzuführen. Denn für Jörg Meuthen müssen Währungen atmen können und die Wechselkurse daher frei sein.

Alleinweg Deutschlands nur im äußersten Fall

Sollte sich allerdings keine Euro-Kernzone herausbilden, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Deutschland allein die Euro-Zone verlässt. Trotzdem wäre für Meuthen ein isolierter Ausstieg Deutschlands vorläufig keine kluge Politik, doch schließt er einen alleinigen Ausstieg aus dem Euro keineswegs aus. „Das hängt davon ab, wie dramatisch sich die Dinge entwickeln.“

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