Der Pizzaofen der “Tulpe” heizt den darüber wohnenden Mietern gehörig ein.

Foto: Bild: Simon Law / flickr (CC BY-SA 2.0)
Mieterstreit um islamische Pizzeria Tulpe in Wien

Pizzerien zählen gemeinhin zur Kategorie der beliebtesten Lokale. In Gestalt des Halal-Restaurants Tulpe gestaltet sich diese Einschätzung zumindest für einen Teil der Nachbarschaft augenscheinlich gravierend problematischer. Das Lokal wird – wie Die Presse berichtet – über Umwege von der "Islamischen Föderation" betrieben. Einem einflussreichen Moscheeverein, der als österreichischer Ableger der türkischen Bewegung Milli Görüs gilt.

Pizzaofen heizt Wohnung darüber unerträglich auf

Familie Seyfried wohnt direkt über dem Lokal, das sich im 15. Wiener Gemeindebezirk befindet. Es wurde im Jahr 2011 eröffnet und seither werden die Seyfrieds von gravierend erhöhten Temperaturen in ihrer Wohnung geplagt. Seit Jahren sind die Heizkörper nunmehr außer Betrieb. Trotzdem hat es 25 Grad Celsius im Wohnungsinneren – bei gekippten Fenstern und winterlichen Minusgraden in Wien.

Verantwortlich für diese unfreiwillig hohen Temperaturen – argumentiert die Familie – sei der Pizzaofen der Tulpe. Bei einem Lokalaugenschein sprach sich Muharrem Halici, Mitglied des Vorstandes der Islamischen Föderation, für eine andere Theorie aus. Nicht der Pizzaofen des Lokals sei für die Hitzewelle in der darüber liegenden Wohnung verantwortlich, sondern fehlerhaft verlegte Heizungsrohre und Warmwasserleitungen. Das werde durch ein Gutachten belegt.

Folglich wäre die Heimbau, die das Gebäude verwaltet, schuld an der Misere. Die Hausverwaltung analysiert die Lage gravierend anders: Ein Ingenieur des Unternehmens attestierte, dass die Wohnung der Familie Seyfried durch den Boden erwärmt werde. Allerdings nur dann, wenn die Pizzeria geöffnet habe.

SPÖ-nahe Mietervereinigung lehnte Hilfe ab

Familie Seyfried wird durch den Österreichischen Mieterschutzring Wien vertreten. Die Mietervereinigung sträubte sich dagegen, sich der Sache anzunehmen. Den Hintergrund für dieses Zaudern könnten kräftige Netzwerke des Umfelds der Tulpe in Richtung SPÖ erklären. Der frühere Geschäftsführer des Lokals, Resul Ekrem Gönültas, kandidierte im Jahr 2013 für die SPÖ als Kandidat für den Nationalrat. Er erhielt stolze 12.715 Vorzugsstimmen und rückte in diesem Bereich in die Nähe der Spitzenkandidaten anderer Parteien. Er scheint für die Sozialdemokratie also ein bedeutsamer Verbindungsmann hin in den islamischen Bereich zu sein. Der zuständige Magistrat scheint die Argumentation der Tulpe im Übrigen zu teilen. Auch dort wird die Schuld im Bereich der Heimbau vermutet.

Behörde pfeift auf amtsärztliche Gutachten

Familie Seyfried ist durch diesen bürokratischen Kleinkrieg wenig geholfen: Städtische Amtsärzte attestierten in einem Gutachten, dass die Nutzung der Wohnung durch die horrenden Temperaturen beeinträchtigt wird. Die Bezirksbehörde zeigt sich dennoch wenig lösungsorientiert: „Was zwei Amtsärztinnen vor einigen Jahren festgestellt haben, hat auf heute keine Auswirkungen mehr.“

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