Russische Breitspur dominiert den Bahn-Hochleistungs-Frachtverkehr

Die größere Spurweite in Russland (1520mm) eignet sich für den transkontinentalen Frachtverkehr besser und setzt sich daher immer mehr durch. Foto: Вадим Анохин / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Die größere Spurweite in Russland (1520mm) eignet sich für den transkontinentalen Frachtverkehr besser und setzt sich daher immer mehr durch.
Foto: Вадим Анохин / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
22. Januar 2017 - 12:47

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Der Bahnverkehr - etwa zwischen China und Europa, bis nach Madrid und London - wird immer mehr ausgebaut. Nun, das Bahnetz weltweit kennt verschieden Spurweiten, und man darf sich fragen warum hat sich denn ausgerechnet die russische Breitspur durchgesetzt?

Nicht Wettbewerb sondern Physik

Nun könnte man meinen, die Russen hätten Europäer und Chinesen irgendwie in den Griff bekommen, um Ihren "Breitspur"-Standard gegen die "Normal-Spur" von Europäern und Chinesen durchzudrücken. So war es nicht. Es regiert die Physik. Durchgesetzt hat sich in diesem transkontinentalem eurasischen Frachtgüter-Hochleistungs-Bahnverkehr die russische 1520mm-Breitspur, weil sie technische Vorteile hat.

Wenn die Spur breiter ist, ist die Auflagefläche breiter. Das bedeutet man kann höhere Geschwindigkeiten fahren, ohne eine Entgleisung befürchten zu müssen. Ob nun auf gerader Strecke oder in Kurven, man kann schneller fahren. Das ist kein russisches Polit-Märchen oder Putins Eisenbahn- Techno-Terror sondern schlicht Physik, also gegebenes Natur-Gesetz. Deshalb hat sich die russische 1520mm-Breitspur gegen die in Europa und China übliche 1435mm-Normal-Spur durchgesetzt.

Transsibirische Eisenbahn auf 1520mm-Breitspur

Gut, könnten nun manche sagen, je breiter die Spur desto besser, warum hat man dann nicht die "indische" Breitspur mit 1676mm genommen, die, von den Briten eingeführt, in Indien, Sri Lanka, Bangladesh und Pakistan üblich ist? Sogar in Südamerika - Chile und Argentinien - hat man diese Spurweite, warum nicht auch in Eurasien?

Naja, das wäre den Russen dann doch zu weit gegangen. Eine Hauptstrecke des transkontinentalen transeurasischen Güterverkehrs ist zum Beispiel die Transsibirische Eisenbahn, mit 9.288 km die längste Eisenbahnstrecke der Welt. Die Russen hätten diese und andere Strecken in Ihrem Bereich, also Russland und den GUS-Staaten, umbauen müssen. Astronomische Kosten wären entstanden. Wer sollte das bezahlen, wer hat so viel Geld?

Aufgabenteilung zwischen Russland und Europa

Das neue transkontinentale 1520mm-Breitspur-Streckennetz, das den ganzen Kontinent Eurasien von Madrid bis Wladiwostok umfasst, führt zu einer logistischen Aufgabenteilung. Die lokalen Strecken in Europa, China oder auch Indien und anderswo dienen nur dazu, die Güter zu den Hauptstrecken zu bringen. Auf den Hauptstrecken werden dann Geschwindigkeiten von mehr als 150 km/h mit den Güterzügen gefahren.

Manche werden sich fragen, wie geht denn das - die fahren auf den Hauptstrecken mit 1520mm, aber die Hauptstrecken führen nicht bis z.B. London. London wird von Europa mit einer 1435mm Euro-Normalspur über den Ärmelkanaltunnel angefahren. Nun, Bahnwaggons kann man, mit verschiedenen Spurmöglichkeiten ausstatten. Es gibt dann Bahnstationen, die an Bahnwaggons, die für den Spurwechsel ausgestattet sind, diesen durchführen. Am beliebteten ist das "Talgo"- Verfahren.

Russland setzt die Standards auf dem eurasischen Kontinent. Nicht nur bei Eisenbahnen.

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