„Daily Mail“ und „Der Standard“: Die Allianz der Qualitätszeitungen

Wem selbst nichts einfällt, der schreibt eben ab! Getreu diesem alten journalistischen Motto berichtet "Der Standard" über diverse ausländische Zeitungsberichte zum Thema Rechtsextreme und Burschenschaften in Österreich. Williger Gesprächspartner für alle, die sich über Österreich auslassen wollen, ist der berühmt-berüchtigte Heribert Schiedel – "Historiker" und "Politologe" (beides ohne Studienabschluss) vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW).

Dies ist bereits das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass sich ausländische Gazetten für Buschenschaften interessieren und sich dabei von Schiedel den Rechtsextremismus-Bären aufbinden lassen. Der Standard schrieb auch den ersten Artikel brav ab, einen Bericht der englischen "Daily Mail". Von der war nämlich der Reporter Billy Briggs in Österreich, um hier den "Aufstieg des Faschismus" zu beobachten und ihn anschließend detailreich zu beschreiben.

Nun, der Artikel selbst ist nicht der Rede wert. Wie üblich wirft ein Ahnungsloser alles in einen Topf: Von Küssel über Strache bis zum BZÖ und zu den Burschenschaften. Süß schon fast, wie Mister Briggs beschreibt, dass er es geschafft hat, zu einem konspirativen Burschenschafter-Treffen zugelassen zu werden, wo 200 Menschen in einer Kellerbar Bier getrunken haben. In Wahrheit war das der jährliche Kommers des Wiener Korporationsrings, den jeder Journalist besuchen darf und der im Wiener Rathauskeller stattfand – also in einer bekannt schmuddeligen Kellerbar, für eine solche Mister Briggs allerdings im perfekten Outfit auftauchte.

Sehr bemüht auch die Inszenierung eines 85jährigen früheren Waffen-SS-Manns als großen "Puppenspieler" der hierzulande ja fast 30 Prozent starken Neonazi-Szene. Mit Verlaub bin ich jetzt seit 22 Jahren Burschenschafter, aber von diesem angeblichen Nazi-Opa habe ich noch kein Wort gehört, und das wo ich laut DÖW (zitiert in der Daily Mail) als Burschenschafter zu diesem gefährlichen Klebstoff gehöre, der die FPö und die Neonazis verbinden soll.

Nunja, die Engländer legen bekanntlich großen Wert auf seichte Unterhaltung. Deshalb ist die Presselandschaft dort auch besonders niveaulos und die "Daily Mail" eher im unteren Mittelfeld anzusiedeln. "Der Standard" macht ja gerne auf Qualität. Aber der Kampagne gegen böse Burschenschafter zuliebe geht man auch schon mal eine Allianz mit dem Hardcore-Boulevard ein.

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