Wikipedia-Autoren sind hauptsächlich Männer (hier bei einem Treffen im Journalistenclub der Axel-Springer AG). Das soll sich nach dem Willen von Schweizer Gleichstellungsämtern ändern.

Foto: Bild: Thomas Schmidt (NetAction) / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Amt für Gleichstellung bietet Kurse an, damit mehr Frauen auf Wikipedia Erwähnung finden

Wie in der schweizer Onlinezeitung 24 heures nachzulesen ist, soll eine krasse Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in Internet bestehen. Jedenfalls im Online-Lexikon Wikipedia, wo es in der französischen Version 450.000 Männer-Biographien aber nur 75.000 biographische Artikel über Frauen gibt, also nur etwa ein Sechstel.

Amt für Gleichstellung bietet Kurse an

Und um dieses krasse Missverhältnis zu beheben, plant das Amt für Gleichstellung und Familie im Kanton Wallis, IT-Kurse für ein feminineres Wikipedia anzubieten, damit die Frauen auch im Internet immer sichtbarer werden. Denn dass mehrheitlich Männer biographisch bedacht werden, begründet das Amt für Gleichstellung auch damit, dass rund 80 Prozent der Wikipedia-Autoren Männer seien. Daher sollen diese speziellen Kurse auch im Besonderen Frauen ansprechen, damit diese ihre Geschlechtsgenossinnen vom Schattendasein befreien und endlich über Wikipedia zu der ihnen gebührenden Prominenz verhelfen. (Wobei es sich höchstwahrscheinlich nur um Frauen handeln darf, die dem linken Wikipedia-Mainstream entsprechen.)

„Es ist ein bekanntes Problem“, meint auch die Leiterin der Fachstelle für Gleichberechtigung von Frau und Mann des Kantons Zürich, Helena Trachsel, „dass Frauen in vielen Lebensbereichen zu wenig sichtbar sind“. Deshalb wird ernsthaft überlegt, bald auch im Kanton Zürich derartige Kurse abzuhalten, weil gerade in den sozialen Netzwerken die Frauen unterrepräsentiert sein sollen, was sich angeblich auch in der Darstellung im Netz (eben Wikipedia) zeigt.

Gleichstellungsbüros geht die Arbeit aus

Der Schweizer Politiker Claudio Zanetti (SVP) freilich kann dieser Aktion, zumal dafür staatliche Gelder aufgewendet werden, eher weniger abgewinnen. Er meinte, dass es natürlich jedem privat unbenommen wäre, sich dahingehend zu engagieren. Doch könne es nicht Aufgabe des Staates sein, derartige Kurse zu fördern. Allerdings zeige diese Wikipedia-Aktion, „dass den Gleichstellungsbüros die Arbeit ausgeht. Die müssen sich die Büez (Schweizerdeutsch für Arbeit, Anstrengungen, Anm.) richtig aus den Fingern saugen.“

Gerade beim Internet-Arbeiten sind Frauen nicht diskriminiert

Denn das Geniale am Internet ist ja, dass sich jeder daran beteiligen kann, meinte Zanetti. Außerdem erfordere die Bedienung eines Computers keine körperliche Kraft, weswegen Frauen dort „in keinster Weise diskriminiert sind“. Wenn Frauen also keine Lust hätten, Wikipedia-Einträge zu verfassen, müsse sie auch niemand dazu zwingen.

Und persönlich, so erzählte Claudio Zanetti, lese er gerne Biographien über spannende Frauenfiguren, zum Beispiel über die Ehefrauen prominenter Diktatoren wie Elena Ceau?escu oder Jiang Qing, der vierten und letzten Ehefrau Mao Zedongs. Auch läge gerade ein Buch über Anna Göldi, die eine der letzten Frauen war, die in Europa der Hexerei beschuldigt und hingerichtet worden ist, auf seinem Nachtkästchen. Für ihn waren das hochinteressante Frauen und „es ist nur zu begrüßen, wenn auf freiwilliger Basis über sie geschrieben wird“.

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