Kulturminister Drozda will Wiens Heldenplatz nach fast 140 Jahren plötzlich umtaufen | Unzensuriert.at

Kulturminister Drozda will Wiens Heldenplatz nach fast 140 Jahren plötzlich umtaufen

Heldenplatz: Das Reiterstandbild Erzherzog Karls gilt als besonderes Kunstwerk, da es nur auf den beiden Hinterbeinen steht. Foto: Jorge Láscar / wikimedia.org (CC-BY-SA-2.0)
Heldenplatz: Das Reiterstandbild Erzherzog Karls gilt als besonderes Kunstwerk, da es nur auf den beiden Hinterbeinen steht.
Foto: Jorge Láscar / wikimedia.org (CC-BY-SA-2.0)

Die politischen Geschichts-Zurechtbieger in Wien kennen wirklich keinen Genierer: Nachdem schon 2012 der Dr.-Karl-Lueger-Ring nach 78 Jahren in Universitätsring umbenannt wurde, ist nun der Heldenplatz dran: Wie SPÖ-Kulturminister Thomas Drozda heute, Samstag, gegenüber der Presse am Sonntag erklärte, wolle er den Platz vor der Hofburg in „Platz der Republik“ oder „Platz der Demokratie“ umbenennen lassen. Der nicht näher definierte Grund dafür sei die „historische Vorbelastung“.

Bei Lueger war es Antisemitismus - aber was ist es beim Heldenplatz?

War es bei Wiens beliebtem und reformfreudigen Ex-Bürgermeister (und Gründer der christlich-sozialen Partel) Karl Lueger dessen „Nähe zum Antisemitismus“, die vor allem rot-grüne, aber auch jüdische Vertreter immer wieder nach einer Umbenennung schreien ließen, stellt sich beim Heldenplatz doch die Frage: In welcher Form ist dieser (negativ) „geschichtlich vorbelastet?

Die Helden vor der Hofburg waren ohne Zweifel welche

Einerseits wäre da „Hausherr“ Kaiser Franz Joseph I., unter dessen Herrschaft der frühere „Paradeplatz“ 1878 in Heldenplatz umbenannt worden war. Die Namensgebung hat nachvollziehbare Gründe: Einerseits das 1860 aufgebaute, technisch besonders aufwendige Reiterdenkmal Erzherzog Karls von Österreich-Teschen – er schlug als Feldherr im Mai 1809 die Truppen Napoleons in der berühmten Schlacht bei Aspern. Ein lupenreiner Held also, ohne Nähe zum Antisemitismus oder ähnlichem.

Andererseits das fünf Jahre später aufgestellte Reiterdenkmal Prinz Eugens von Savoyen-Carignan. Er galt zwar nicht als einfacher Mensch und Philanthrop, sogar als eitler, intriganter Ränkeschmied, zählt aber unumstritten zu den bedeutendsten und erfolgreichsten Feldherren des Habsburgerreiches, der – unter anderem – die türkische Belagerung Wiens 1683 aufbrach und das Heer Kara Mustafa Paschas am Kahlenberg vernichtend schlug. Auch später rettete er Westeuropa wiederholt vor den immer wieder einfallenden Türken-Armeen und eroberte Belgrad. Also noch ein lupenreiner Held.

Die „Helden“ können also nicht der Grund für die ominöse „historische Vorbelastung“ sein, ebensowenig Kaiser Franz Joseph, der die Denkmäler aufstellen ließ.

Wäre Hitler der Grund, müsste man viele Plätze umbenennen

Denkt man also gar an die berühmte Rede Adolf Hitlers am Heldenplatz am 15. März 1938 vor rund hunderttausend Wienern, in der er unter tosendem Applaus den Anschluss seiner Heimat an das Deutsche Reich verkündete? – Auch das erscheint nicht wirklich schlüssig, denn dann müsste man viele prominente Locationen, vom Wiener Hotel Imperial über das Bayreuther Opernhaus bis zum Pariser Eiffelturm, umbenennen, weil dort Adolf Hitler aufgetreten ist.

Und nicht zuletzt: Hitler hatte mit der Namensgebung des Platzes überhaupt nichts zu tun.

Hat Wien keine anderen Sorgen?

Wir warten also gespannt auf die (wahrscheinlich an den Haaren herbeigezogenen) „Argumente“, warum der Wiener Heldenplatz nach fast 140 Jahren plötzlich umgetauft werden soll, während die Stadt in Schulden versinkt und in den ´öffentlichen Schulen kaum noch einheimische Kinder zu finden sind. Möglicherweise wird die Mehrheit der Wiener sich denken, dass man froh wäre, keine anderen Sorgen zu haben…

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