Vor Wahl in Niederlanden macht ORF mit "Experten" Stimmung gegen Geert Wilders

Pünktlich vor der Parlamentswahl in den Niederlanden fährt der ORF schwere Geschütze gegen PVV-Spitzenkandidat Geert Wilders auf. Foto: Metropolico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)
Pünktlich vor der Parlamentswahl in den Niederlanden fährt der ORF schwere Geschütze gegen PVV-Spitzenkandidat Geert Wilders auf.
Foto: Metropolico.org / flickr (CC BY-SA 2.0)
13. März 2017 - 13:46

Einen breiten Aufmacherartikel widmete heute der Onlineauftritt des ORF der anstehenden Parlamentswahl in den Niederlanden. Natürlich wird in dem Artikel mit dem Titel "Wilders nicht überbewerten" Stimmung gegen den aussichtsreichen Kandidaten der rechten Opposition, Geert Wilders, gemacht. Dafür greift der Rundfunk extra auf den niederländische "EU-Experten" Luuk Van Middelaar zurück, der als Berater des früheren EU-Ratspräsidenten Herman Van Rompuy fungierte.

Wilders Erfolg wird kleingeredet

In vielen Umfragen liegt Geert Wilders mit seiner Partei, der PVV, derzeit an der zweiten Stelle der Wählergunst, hinter der rechtsliberalen VVD-Partei von Ministerpräsident Mark Rutte. Einige Umfragen sehen die PVV aber auch als Wahlsieger. Das Rennen wird in jedem Fall knapp, der Abstand dürfte momentan bei zwei Prozent liegen. Dennoch will der ORF, besser gesagt Experte Middelaar, den Erfolg von Wilders "nicht überbewerten".

Im Artikel wird derzeit von "15 bis 20 Prozent" für die PVV gesprochen. Tatsächlich sehen Umfragen diese aber bei 22 bis 25 Prozent. Letztlich sei Wilders nur stark, weil die anderen Kandidaten und Parteien momentan sehr schwach seien.

Alte Leier: Wilders der "böse, rassistische Radikale"

Middelaar legt gegenüber dem ORF mit seiner Wilders-Verteufelung aber noch nach. Wilders habe mit seiner "antiislamischen, rassistischen Rhetorik" die "Grundlage für den populistischen Zorn und die Wut auf die Politik" geschaffen. Anders als Marine Le Pen, deren Wahl in Frankreich er als deutlich wichtiger für Europa einordnet, würde sich Geert Wilders weiter radikalisieren, anstatt sich von einem "faschistischen Image" zu distanzieren. Daher sei Wilders selbst bei einer Stimmenmehrheit "keine einflussreiche Kraft" in den Niederlanden.

Dass gerade die Ausschreitungen fanatischer türkischer Einwanderer im niederländischen Rotterdam - unzensuriert.at berichtete - den Aussagen und Forderungen Wilders recht geben, wird im Artikel bewusst ausgeklammert.

Kein Wort zu moslemischen Morddrohungen

Mit keinem Wort wird vom ORF auch auf die moslemischen Hintergründe der Morddrohungen gegen Geert Wilders im laufenden Wahlkampf eingegangen. „Wilders wird daher mit seinen 20 Prozent der Stimmen in die Wüste geschickt werden", wird der "EU-Experte" im Artikel zitiert. Die Morddrohungen hätten angeblich keinen großen Einfluss auf den "wenig bestimmenden Faktor" Wilders. Der PVV-Chef musste ja aufgrund der Morddrohungen zahlreiche Wahlkampfauftritte absagen. 

Zehn Prozent für Grüne werden bejubelt, Debakel für Sozialisten

Freudig berichtet man hingegen vom "Aufstieg der niederländischen Grünen" mit ihrem "jungen, dezidiert pro Migration und Europa eingestellten Frontmann" Jesse Klaver. Immerhin könnten die Grünen laut Umfragen zehn Prozent der Wählergunst für sich gewinnen, ebenso wie die proeuropäische und liberale Partei D66. Beide Parteien würde also zusammen auf einen Stimmenanteil der PVV von Wilders kommen.

Auch der Niedergang der regierenden Sozialdemokraten wird thematisiert. Diesen prognostiziert man am Wahltag am Mittwoch eine "historische Katastrophe". Denn die erhofften Wählerschichten wandern, ähnlich anderen europäischen Ländern, scharenweise ab. Junge, links-liberale Wähler zur neugegründeten Migrantenpartei "Denk", Arbeiter zu links- und rechtsgerichteten "Populisten". Den Christdemokraten dürfte es nicht viel besser ergehen, auch wenn diese eher nach Rechts driften.

Niederländer skeptischer gegenüber Einwanderung

Letztlich wird am Ende des Artikels fast schon naturgemäß der Stimmungsumschwung in der niederländischen Bevölkerung beklagt. Die Niederländer seien im Gegensatz zu früher "weniger tolerant gegenüber Ausländern, Migranten und skeptischer gegenüber der EU". Auf die Ursachen wird natürlich nicht näher eingegangen.

Dennoch, so ist Middelaar überzeugt, werden die Befürworter eines "Nexit", also eines EU-Austritts der Niederlande, letztlich nicht mehr als maximal 22 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Nach dem "Brexit" Großbritanniens wurde auch in den traditionell eher EU-skeptischen Niederlanden ein Austritt aus der Staatenunion laut. 

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