Engpass bei Medikamenten und kein Geld für Untersuchungen: Krankes Kleinkind dreimal aus Spital nach Hause geschickt

Erst als der Gesundheitszustand kritisch wurde, sahen sich Ärzte zu weiterführenden Untersuchungen veranlasst - das passende Medikament gibt es aber nicht intravenös, wie vorgesehen. Foto: Fotos GOVBA / flickr (CC BY 2.0)
Erst als der Gesundheitszustand kritisch wurde, sahen sich Ärzte zu weiterführenden Untersuchungen veranlasst - das passende Medikament gibt es aber nicht intravenös, wie vorgesehen.
Foto: Fotos GOVBA / flickr (CC BY 2.0)
25. März 2017 - 17:30

Fünf Wochen ist es her, dass die erst eineinhalbjährige Tochter einer langjährigen Leserin aus Deutschland in ein Krankenhaus eingewiesen werden musste, weil sie sich mit einer echten Grippe angesteckt hatte. In der heillos überfüllten Klinik wurde die Kleine nach fünf Tagen wieder entlassen und ihren Eltern eine Flasche Antibiotikum für zu Hause in die Hand gedrückt. Seit diesem Zeitpunkt ging es mit dem Gesundheitszustand des Mädchens bergab. Doch kein Spital fühlte sich zuständig. Bis das Kind schließlich mit einer beginnenden Lungenentzündung auf Hinweis einer privaten Kinderärztin eingewiesen wurde. Antibiotikum in der richtigen Form sei derzeit aber nicht verfügbar, hieß es von Seiten der Ärzte.

Keiner fühlte sich zuständig

Dass eine schwere Erkrankung viel Zeit zur Erholung braucht, ist auch Familie Huber bekannt. Als ihre Tochter aber immer wieder zu fiebern anfing, das Thermometer schließlich auf 41,2 Grad kletterte und der Husten immer stärker wurde, machte sie sich schleunigst auf den Weg in die Notaufnahme einer Berliner Kinderklinik. Das war vor zwei Wochen. Dort wurde das Mädchen zwar abgehört und in ihre Ohren geschaut, ein Lungenröntgen oder eine Blutabnahme seien aber „übertrieben“, es handle sich immerhin „nur um einen leichten Infekt“, der schon vergehen würde.

Auch nach mehrmaligen Hinweisen, dass sich der Gesundheitszustand seit Wochen verschlechtere und der Husten anhalte, fragten die dort zuständigen Kinderärzte auch bei der zweiten Wiedervorstellung nach einigen Tagen unverfroren, wer denn die Mehrkosten für das Lungenröntgen der Tochter zweier Vollsteuerzahler begleichen solle. Man habe kein Budget für derlei unbegründete Untersuchungen.

Nur durch Hartnäckigkeit Krankheit erkannt

Als sich schließlich weitere Komplikationen einstellten, entschieden sich die Eltern für ein anderes Klinikum. Dort wurde immerhin durch eine Blutabnahme in der Fingerkuppe (auch hier ist kein großes Blutbild möglich, das zu einer ausreichenden Diagnose nötig wäre) ein Entzündungswert festgestellt. Auch hier ließ man die Familie allerdings mit dem Hinweis auf großzügige Gabe von Schmerzmitteln wieder nach Hause gehen.

Erst durch die Intervention und die genaue Erläuterung der möglichen Krankheitsbilder durch eine private Kinderärztin wurde die Kleine stationär aufgenommen und die notwendigen Untersuchungen wurden durchgeführt. Wie sich schließlich herausstellte, manifestierte sich eine für das Mädchen sehr schmerzhafte Lungenentzündung sowie eine Mittelohrentzündung. Doch der Schock folgte auf den Schock.

Engpass bei Medikamenten

Das eigentlich für diese Fälle vorgesehene Antibiotikum sei nämlich derzeit nur als Saft zur oralen, nicht aber für intravenöse Gabe (die im Kindesalter wesentlich gezielter wirkt) verfügbar. Das Breitbandantibiotikum werde vor allem bei Atemwegserkrankungen, „auch bei bislang in Europa weniger bekannten Krankheitsbildern“, eingesetzt, erklärte ein engagierter Jungarzt.

Obwohl es in den vergangenen Jahren bei diesem erprobten Medikament niemals Versorgungsschwierigkeiten gab, steht Deutschland – und nach Auskunft der zuständigen Ärztin auch Österreich – nun vor einem Produktionsengpass. Woran das liegen könne, wollte niemand genauer erörtern. Ein erst vor wenigen Wochen ebenfalls aus Deutschland veröffentlichter Bericht mit diesem Foto könnte darauf allerdings Hinweise geben:

Bild

Wütend reagierte indes die Mutter der kleinen Patientin, die weniger den überforderten Ärzten als der herrschenden Politik die Schuld gibt: „Unsere Politik würde wahrscheinlich sogar unsere eigenen Kinder sterben lassen, weil wir mit unserer grenzenlosen Willkommenskultur sowieso genug neue ins Land bekommen.“

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