In memoriam Karl Hodina (1935 – 2017).

Foto: Bild: Screenshot, VoxGothica / YouTube
Karl Hodina, großer Vertreter des echten Wienerliedes, hat die „Patschen g´streckt“

Wahrscheinlich wissen viele Wiener, bzw. Personen, die sich als Wiener sehen oder so bezeichnen, gar nicht, dass Wien eine eigene Lied-Tradition besitzt, das Wienerlied. Diese im Wiener Dialekt gesungene Gesangsform, die der Tradition der Bänkelsänger, Leiermänner und Drehorgelspieler früherer Zeiten entsprang, entstand in seiner spezifischen Form in der Mitte es des 19. Jahrhunderts, als Wien sich von einer Mittel- zu einer Großstadt wandelte. Das Wienerlied war die Musik der „kleinen Leute“, die in Beisln, Tschocherln und Wirtsstuben gespielt und gesungen wurde.

Klassisches Wienerlied

Neben den Gebrüdern Schrammel, die dem Wienerlied sogar internationale Bekanntheit verschafften, gab es vom 19. bis etwa ins letzte Drittel des 20. Jahrhunderts hinein eine Unzahl eine Unzahl von Volkssängern, die sich dem Wienerlied widmeten. Erwähnt seien dabei etwa Carl Lorens, Emilie Turecek, genannt Fiaker-Milli oder Hermann Leopoldi.

Doch auch berühmte Schauspieler(etwa Hans Moser oder Peter Alexander) verwendeten in ihren Filmen das Wienerlied und machten es so im deutschen Sprachraum populär.

Neues Wienerlied

Nach dem Zweiten Weltkrieg, als das „amerikanisch Moderne“ in Österreich Einzug hielt, veränderte sich auch der Stellenwert des Wienerliedes, das nun teilweise als antiquiert und altvaterisch gesehen wurde. In den 1960er und 70er Jahren gab es daher eine neue Sängergeneration, die traditionelle Musikstile mit jazzigen oder bluesigen Elementen vermischten.

Einer dieser Künstler war der Musiker und bedeutende Maler (in der Tradition der Wiener Schule des Phantastischen Realismus) Karl Hodina, der 1957 das „Vienna modern Jazzquartett“ gegründet hatte und ab den 70er Jahren bis heute als der Vertreter des „Neuen Wienerliedes“ galt. Als Virtuose auf dem Akkordeon begleitete er sich zu Liedern wie „Kind aus Wien“, „Der Straßenmusikant“ oder „Herrgott aus Stan“ selbst und konnte dabei sein Wiener Publikum begeistern, weil er in rührender Weise die Liebe zu seiner Heimatstadt Wien, aber auch das Leben der „kleinen Leute“ früherer Zeiten besang.

Kein Wienerlied in Radio Wien

Leider wurde seine Musik zunehmend nur noch jenem Minderheitenpublikum zugänglich, welches sich auf Konzerte oder zu jenen Heurigen bewegte, wo Hodina auftrat. Denn im Radio wurde er kaum bis gar nicht gespielt, besonders weil der ORF-Sender Radio Wien auf „Urban Music“ umgestellt hat und keinen Platz für Volkskünstler aus der eigenen Stadt sieht (im Gegensatz zu den ORF-Landessendern, die zumindest noch stellenweise echte Volksmusik spielen).

Tagesausklang ohne Viber und WhatsApp

Karl Hodina ist nicht mehr. Wie der Kurier berichtete, brach er nach einem Fußballspiel zusammen, konnte nicht mehr reanimiert werden und verstarb am 24. März 2017 im 82. Lebensjahr.

Seine Musik allerdings lebt weiter, jedenfalls für jene, die sich noch ein bißchen an jene Zeiten erinnern, wo es noch nicht die Dominanz eines Smartphones oder Computers gab und man bei einem Viertel Wein den Tag bei einem Heurigen oder in einer Wirtsstube ausklingen lassen konnte, ohne von Viber oder WhatsApp andauernd belästigt zu werden.

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