Parallelwelten prallen aufeinander: Moslemische Eltern protestieren gegen homosexuellen Lehrer

Ein homosexueller Kindergartenlehrer war für moslemsiche Eltern in Berlin zu viel des Guten. Foto: NFZ
Ein homosexueller Kindergartenlehrer war für moslemsiche Eltern in Berlin zu viel des Guten.
Foto: NFZ
27. März 2017 - 17:25

Im Berliner Bezirk Reinickendorf kommt es derzeit zu einem Zusammenprall der Kulturen. Auf der einen Seite stehen empörte moslemische Eltern, auf der anderen ein homosexueller Lehrer einer Kindertagesstätte (Kita). Streitpunkt: Die mehrheitlich moslemischen Eltern möchten keinen homosexuellen Pädagogen für ihre Kinder. Die Geschäftsführung der Kita sieht sich seither massiven Protesten ausgesetzt.

Für Moslems sind Homosexuelle Kinderschänder

Der 36-jährige Lehrer wurde vom bewusst "weltoffenen" Kindergarten aufgrund seiner Fähigkeit und nicht seiner sexuellen Einstellung eingestellt, so die Leitung. Dennoch waren es mehrheitlich Eltern aus dem arabischen Raum, der Türkei, aus moslemischen Teilen Russlands und des Balkans, die gegen den Homosexuellen mobil machten. Für sie stellte er eine Gefahr für ihre Kinder dar, sei in ihren Augen ein "Kinderschänder", so die ratlose Kita-Leitung. Sogar Unterschriften wurden gegen den Mann gesammelt.

„Wir sind doch in Berlin, wir sind doch im 21. Jahrhundert, da geht doch so etwas nicht“, sagt die Geschäftsführerin, die ihren Namen lieber verschweigt gegenüber dem Tagesspiegel.

Kindergarten trennte sich von moslemischen Kindern

Der Protest gegen den homosexuellen Lehrer begann, als man verkündete, ein Mann würde als neuer Erzieher eingestellt. Schon damit hatten einige Eltern ein Problem. „Wir wollen nicht, dass ein Mann unsere Kinder wickelt oder zur Toilette begleitet“, so der O-Ton der Moslems. Erst Recht gab es Probleme, als herauskam, dass der Erzieher schwul sei. Für viele Mohammedaner war dies ein rotes Tuch.

Mittlerweile haben alle streng moslemischen Eltern ihre Kinder aus besagtem Kindergarten genommen. Angeblich auch auf Druck der Leitung hin. Sie steht hinter dem Pädagogen. Der Lehrer fühlt sich seinerseits immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert, nicht primär weil er homosexuell, sondern ein Mann ist. Viele Eltern hätten damit ein Problem.

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