WIFO-Studie muss zugeben, dass die Chancen am Arbeitsmarkt für Migranten schlecht sind

"Auch die zweite Generation ist nicht dort, wo sie sein sollte": Grund ist vor allem fehlende Bildung. Foto: Herbert Ortner, Vienna, Austria / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
"Auch die zweite Generation ist nicht dort, wo sie sein sollte": Grund ist vor allem fehlende Bildung.
Foto: Herbert Ortner, Vienna, Austria / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
28. März 2017 - 18:36

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) präsentierte am Dienstag eine Studie, die zeigt, wie katastrophal die Arbeitsmarktsituation besonders für Einwanderer von außerhalb Europas und für Personen mit türkischen Wurzeln ist. Ein Grund dafür, dass Migranten schwieriger einen Job finden, wurde darin gesehen, dass ihnen die (vom österreichischen Staat kostenlos zur Verfügung stehende) Schulbildung fehlt.

Auch zweite Migrantengeneration nicht besser

Das zeigt sich etwa daran, dass der Anteil derer, die die Schule vorzeitig abbrechen, unter den Einwanderern um 11,5 Prozent höher ist als unter den in Österreich geborenen Personen. In der WIFO-Studie heißt es, dass „diese Unterschiede in Österreich die höchsten unter den traditionellen Zuwanderungsländern“ sind. Und für Studienautor Peter Huber ist auch die „zweite Generation nicht dort, wo Bürger mit österreichischem Hintergrund sind.“

Als weiteres Problem wurde in der Studie angemerkt, dass besonders bei Immigranten aus den neuen EU-Ländern die Anerkennung von Qualifikationen schlecht sei, wodurch diese Personen oft niederqualifizierter beschäftigt wären. Auch sei auffallend, dass die Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt zwischen Inländerinnen und Ausländerinnen größer seien als zwischen Männern, egal mit oder ohne Migrationshintergrund.

Österreich als Magnet für bildungsferne Migranten

Insgesamt allerdings, so versucht sich die Studie in Beschönigungen, soll Österreich bei der Integration am Arbeitsmarkt relativ gut dastehen. Allerdings wird wenigstens zugegeben, dass Österreich zuletzt besonders viele Menschen mit geringer Bildung angezogen hat. Trotzdem soll die Beschäftigungsquote im Jahr 2012 (also weit vor der gewaltigen Migrationswelle 2015) „nur“ um 7,2 Prozent niedriger als unter den in Österreich Geborenen (wozu allerdings auch die zweite und dritte Migrantengeneration gehört) gelegen haben.

Integrationsprobleme mit Jugendlichen

Was auch festgestellt wurde, ist die Tatsache, dass die Erwerbsbeteiligung bei Personen, die im Alter von 15 bis 24 Jahren eingewandert sind, am geringsten ist. Dieses Ergebnis, so urteilt das WIFO, „steht im Einklang mit einer Reihe von internationalen Studien, die insbesondere bei den im Alter von 14 bis 18 Zuwandernden Integrationsprobleme sehen“.

Zusätzlich kommen die Studienmacher zum Ergebnis, dass die „Erwerbsintegration“ für „Menschen, die aus Asylgründen zugewandert sind, und für Familienmigranten deutlich schlechter als für Arbeitsmigranten“ ausfällt.

Nächste derartige Studie 2022

Dennoch muss das WIFO zugeben, dass selbst die Zahlen von 2012 beweisen, dass Österreich im internationalen Vergleich „bei der Integration von Migranten und Migrantinnen in keiner der analysierten Dimensionen (Arbeitsmarkt, Bildung, Wohnen, Gesundheit, soziale Integration) im Spitzenfeld liegt.“

Interessanter freilich wäre zu wissen, wie es um das Heute, das Jahr 2017, steht. Dass sich die Situation seit 2012 dramatisch verschlechtert haben dürfte, werden wir wohl erst in einer WIFO-Studie im Jahre 2022 erfahren.

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