Steirischem ÖVP-Landesrat wird Doktortitel aberkannt - er denkt aber nicht an Rücktritt

Da lacht er noch: Buchmann (li.) beim "EU-Townhall-Meeting Graz" 2012, rechts Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger. Foto: Österreichische Außenministerium / wikipedia.org (CC-BY-2.0)
Da lacht er noch: Buchmann (li.) beim "EU-Townhall-Meeting Graz" 2012, rechts Ex-Vizekanzler Michael Spindelegger.
Foto: Österreichische Außenministerium / wikipedia.org (CC-BY-2.0)
5. April 2017 - 22:10

Peinlich: Nach genauer Prüfung von im Vorjahr laut gewordenen Plagiatsvorwürfen entzog nun die Karl-Franzens-Universität Graz dem steirischen Wirtschaftslandesrat Christian Buchmann seinen Doktortitel. Der ÖVP-Politiker sieht aber keinen Grund, deshalb zurückzutreten, wie er dem ORF Steiermark verriet.

"Plagiatsjäger" Stefan Weber hat wieder zugeschlagen

Ins Rollen brachte den Stein der berüchtigte Salzburger "Plagiatsjäger" Stefan Weber (nicht verwandt mit dem legendären, gleichnamigen Drahdiwaberl-Frontmann) bereits im Mai 2016. Er belegte in einem Gutachten, dass Buchmann in seiner Arbeit mit dem Titel „Die Wirtschaft im Spannungsfeld von Zentrum und Peripherie: Ansätze zur Rückholung der Kundenkaufkraft in die City am Beispiel der Landeshauptstadt Graz“ auf gleich 53 Seiten - das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Arbeit - deutsche Fachliteratur abgeschrieben hatte, ohne das zu deklarieren. Weber übermittelte sein Gutachten an die Grazer Uni.

Buchmann dementierte anfangs noch

Damals dementierte Buchmanns Büro noch empört und stellte fest, dass der Landesrat die Dissertation aus dem Jahre 2000 selbständig verfasst und wörtlich übernommene Stellen auch als solche gekennzeichnet habe. Buchmann trat die Flucht nach vorne an und ersuchte das Uni-Rektorat seinerseits um Prüfung seiner Arbeit.

"Gravierende Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis"

Das geschah auch mit insgesamt drei Gutachten und zwei Stellungnahmen Buchmanns und führte nun zur Aberkennung des Doktortitels. Begründung des Uni-Rektorates: "Gravierende Verstöße gegen die gute wissenschaftliche Praxis". Das bedeutet, die Arbeit wird mittels Bescheid für nichtig erklärt, Buchmann muss seinen Promotionsbescheid nun an die Uni zurückschicken.

"Nicht getrickst, nur unsauber gearbeitet"

Er selbst sieht das alles nicht so schlimm: Er habe nicht getrickst, sondern nur "unsauber gearbeitet", was ihm "sehr leid" tue. Grund für einen Rücktritt sieht er demnach keinen, zumal ihm auch ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und andere Parteikollegen den Rücken stärken.

Weber ertappte auch Peter Pilz, Johannes Hahn und Bogdan Roščić

Buchmann ist nicht der einzige, der es bei der Erlangung akademischer Würden nicht so genau mit den Regeln nahm. Auch gegen den designierten Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić liegen seit einigen Wochen massive Plagiatsvorwürfe vor - wiederum vorgebracht von Stefan Weber, unzensuriert.at berichtete ausführlich.

Auch der Grüne Gemeindebau-Bewohner Peter Pilz sowie der ÖVP-EU-Kommissar Johannes Hahn mussten sich bereits mit Plagiatsvorwürfen ihrer akademischen Arbeiten durch Weber auseinandersetzen. Beide wiesen die Vorwürfe empört zurück; Weber hingegen blieb bei seinen Erkenntnissen.

Deutscher Verteidigungsminister trat nach Aberkennung zurück

Auch in Deutschland stolperten schon einige prominente Politiker über erschummelte Doktorarbeiten, etwa 2011 Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der daraufhin zurücktrat, 2012 Bildungsministerin (!) Annette Schavan (CDU), die bald danach ebenfalls ihr Amt räumte oder die Europa-Politiker Jorgo Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin (beide FDP).

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