Skurriler Millionenstreit um "Biber" entlarvt Subventionspraktiken der rot-grünen Stadt Wien

Justin Bieber ist nicht heiß auf die MTV Music Awards. Die Wiener ÖVP hingegen will die Show unbedingt haben. Foto: Lou Stejskal / flickr (CC BY 2.0)
Justin Bieber ist nicht heiß auf die MTV Music Awards. Die Wiener ÖVP hingegen will die Show unbedingt haben.
Foto: Lou Stejskal / flickr (CC BY 2.0)

Während die Biber in Niederösterreich zur Landschaftsplage wurden und daher sogar überlegt wird, einige Tiere zu töten, überraschte ausgerechnet der ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer bei einer Pressekonferenz mit dem Satz:

Wir brauchen in Wien eindeutig mehr Biber...

Die Aufklärung folgte im Nebensatz:

 ...aber nicht in der Lobau, sondern Justin Bieber auf der Bühne.

Mahrer blamierte sich mit "Biber"-Sager

Dass sich der ÖVP-Mann auf so ungewöhnliche Weise von den Nagetieren zum Popsänger hantelte, hat folgenden Hintergrund: In Wien ist gerade ein Streit über die Durchführung der MTV Europe Music Awards 2018 eskaliert. Die Vergabe dieser Musikpreise will Mahrers Parteikollege und ÖVP-Stadtparteichef Gernot Blümel unbedingt - und scheinbar koste es, was es wolle - in die Bundeshauptstadt bringen. Doch mit dem Biber-Sager handelte sich der Staatssekretär gleich die erste Blamage ein. Denn der kanadische Sänger Justin Bieber, den Mahrer gern in Wien gesehen hätte, hat seinen Preis bei den bislang letzten MTV Awards in Rotterdam gar nicht abgeholt.

"MTV Awards so uninteressant wie Fahrt mit Geilomobil"

Im Wiener Gemeinderat kam es vorigen Freitag dann zum politischen Krach um die von der ÖVP geforderte Subvention für diese Veranstaltung. MTV Europe würde kein Jugendlicher mehr aufdrehen, es sei so uninteressant geworden wie eine Fahrt mit dem Geilomobil, konterte SPÖ-Gemeinderätin Susanne Bluma dem Ansinnen Blümels. Beim Geilomobil bezog sich Bluma auf einen früheren Wahlkampfgag von Sebastian Kurz. Die SPÖ wolle kein Steuergeld für "Schall und Rauch" hergeben.

Drei Millionen Euro Fixum und 1.200 Fünfstern-Hotelbetten

Bluma sprang der zuständige Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit einer Kostenrechnung zur Seite: Neben drei Millionen Euro Fixum verlange MTV 1.200 Fünfstern-Hotelbetten, ein Veranstaltungslokal mit 8.000 Plätzen, eine After-Show-Veranstaltungshalle für 2.000 Personen und tausende Flugtickets gratis. So gesehen kämen die MTV Awards um ein Drittel teurer als die Beach-Volleyball-WM und der Life Ball zusammen, so Mailath-Pokorny im Wiener Gemeinderat.

Geldregen für Donauinselfest und Okto TV

Dieses Finanz-Outing des Kulturstadtrates zeigt einmal mehr, wie viel Geld die Stadt Wien für Veranstaltungen á la Life Ball oder Beach-Volleyball-WM ausgibt - trotz Rekordschulden. Nicht erwähnt hat Mailath-Pokorny den jährlichen Geldregen für das Donauinselfest der SPÖ, der knapp eine Million Euro ausmacht, und die Millionensubvention für das "Bereicherungsmedium" Okto TV mit durchschnittlich nur 450 Zusehern täglich. Es wird seit zehn Jahren mit 1,08 Millionen Euro gefördert.

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