Wahnsinn Wiener Wohnen: Geschröpfte Gemeindemieter warten seit drei Jahren auf versprochene Sanierungen

Das einzige, was hier noch erblüht, sind die Bäume: Der desolate Franz-Novy-Hof an der Ottakringer Gablenzgasse. Foto: unzensuriert.at
Das einzige, was hier noch erblüht, sind die Bäume: Der desolate Franz-Novy-Hof an der Ottakringer Gablenzgasse.
Foto: unzensuriert.at

Es ist jetzt mehr als zwei Jahre her, als sich verzweifelte Mieter des Ottakringer Franz-Novy-Hofs an die FPÖ-TV –Redaktion wandten und um Hilfe baten. Wiener Wohnen hatte den rund 180 Parteien in dem vergammelten, mehr als 60 Jahre alten Gemeindebau im Herbst 2014 die Miete verdoppelt, da angeblich Sanierungsarbeiten bevorstünden. Das war für viele der dort meist in kleinen Wohnungen lebenden Mindestpensionisten oder Invaliden kaum leistbar.

Gemeinde ging gerichtlich gegen ganzen Gemeindebau vor

Die Mieter riefen daraufhin die Schlichtungsstelle an und bekamen auch Recht. Die Mieterhöhung wurde als zu hoch befunden, noch dazu, wo weit und breit kein Baugerüst zu sehen war. Doch Wiener Wohnen reagierte in bester Hausherren-Manier. Man klagte die eigenen Mieter vor dem Bezirksgericht Hernals und ließ sich die üppige Mieterhöhung gerichtlich absichern.

Der Beitrag in FPÖ-TV, der Neuen Freien Zeitung (NFZ) und auf unzensuriert.at (siehe unten "ähnliche Artikel") wirbelte damals viel Staub auf, Vizebürgermeister Johann Gudenus schaltete sich ein, und alle hofften auf ein Einlenken von Wiener Wohnen.

Zwei Jahre nach FPÖ-TV-Bericht: Keine Sanierung weit und breit

Doch weit gefehlt. Nun, mehr als zwei Jahre später, ist noch immer nichts geschehen, keine Sanierung weit und breit. Die im TV-Beitrag im Frühjahr 2015 gezeigten Schäden, etwa undichte Dächer, bei denen es im Winter in den Dachboden hineinschneit (!), zugige, 25 Jahre alte Fenster, fehlende Wärmedämmung, am Gang offen liegende Elektrokabel, bröckelnder Putz und vieles mehr plagen nach wie vor die Mieter. Die ohnehin schon verdoppelte Miete wurde im Vorjahr neuerlich erhöht.

Mieten mehr als verdoppelt

„Bis 2014 zahlte ich knapp 250 Euro für meine 56 Quadratmeter, dann wurden es mit einem Schlag 460, seit dem Vorjahr sind es stolze 481,71 Euro Mietvorschreibung von Wiener Wohnen“, ärgert sich der Pensionist Franz Hiesberger, der schon seit Jahrzehnten im Novy-Hof wohnt.

Das einzige, was in den letzten beiden Jahren an Sanierungen erledigt wurde, waren laut Hiesberger das Ausschleifen jener Kamine, in denen noch geheizt wird (die meisten Mieter haben Fernwärme) und „an den Dachbodentüren haben sie plötzlich Schlösser eingebaut, sodaß ich dort keine Wäsche mehr aufhängen und im Winter den einfallenden Schnee nicht mehr wegräumen kann. Das Schmelzwasser wird mir dann direkt in die Wohnung rinnen“, so der Mieter, der direkt unter dem Dachboden wohnt.

Drei Wochen im Dezember kein Warmwasser

Als er seinen 48 Jahre alten Durchlauferhitzer („den haben noch meine Eltern angeschafft“) im Dezember auswechseln lassen musste, „hatte ich drei Wochen kein Warmwasser, weil der Rauchfangkehrer sich so lange Zeit ließ, ohne dessen Befund das Gerät nicht in Betrieb genommen werden durfte. Dabei waren die Kamine erst kurz vorher ausgeschliffen worden“, schildert der Mieter die Arbeitsweise der von Wiener Wohnen beauftragten Unternehmen.

Türaustausch mit fatalen Folgen

Als er seine durch einen Einbruchsversuch beschädigte Tür auswechseln ließ, was erst nach Jahren genehmigt wurde, „haben die türkischen Arbeiter, die geschickt worden waren, so ungenau gearbeitet, dass ich bei Dunkelheit sogar einen Lichteinfall durch die breiten Ritzen hatte“, so Hiesberger. Nach Urgenzen kamen schließlich polnische Arbeiter, die den Schaden auch nicht beheben konnten, „dafür zog es jetzt so stark herein, dass bei Wind ständig ein Pfeifen in der Wohnung zu hören war“.

Letztlich nahm er die Sache selbst in die Hand und dichtete die Tür behelfsmäßig selbst ab. „Wiener Wohnen beauftragt Firmen, die wiederum Sub-Firmen, und die machen, was sie wollen, weil nicht kontrolliert wird, ob die Arbeiten ordentlich gemacht wurden“, ärgert sich der geplagte Mieter.

Wann wird bei Wiener Wohnen ausgemistet?

Der Korruptions-Skandal bei Wiener Wohnen, der im Vorjahr aufgedeckt wurde und noch immer nicht aufgeklärt ist, drehte sich genau um solch dubiose Vergabe- und Arbeitsmethoden. Der Novy-Hof dürfte also kein Einzelfall sein. Die Dummen sind die Mieter – und die Steuerzahler.

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