Bio-Landwirtschaft: Kronen Zeitung präsentiert Minister Rupprechter als Retter der Bauern

Österreichs Bio-Ware wäre international sehr gefragt, doch nicht einmal die Inlandsnachfrage kann gedeckt werden. Foto: Ikiwaner / wikipedia.org (CC BY-SA 3.0)
Österreichs Bio-Ware wäre international sehr gefragt, doch nicht einmal die Inlandsnachfrage kann gedeckt werden.
Foto: Ikiwaner / wikipedia.org (CC BY-SA 3.0)

Am Wochenende berichtete die Krone über einen angeblich berichtenswert innovativen Besuch des österreichischen Landwirtschaftsministers in Kanada. Die „heikle Freihandels-Mission“ solle die Chancen der heimischen Bauern auf dem Überseemarkt stärken. So weit, so ambitioniert. Der stets adrett gescheitelte Minister, medial sonst mehr für gesellschaftspolitische Fettnäpfchen denn für Kommentare aus der eigenen ministerialen Zuständigkeit zu haben, soll vorösterlich wacker festgestellt haben, Österreich sei „Bio-Land Nummer 1“. Das geht hinunter wie ein weiches Bio-Frühstücksei!

Kommentar von Unzensurix

Und damit nicht genug: Österreich habe dank seiner international hoch angesehenen Lebensmittel und im Umwelttechnologiebereich gute Exportchancen. Und das auch in Kanada. Sapperlot aber auch! Bleibt die Frage: Wissen wir das alles erst seit dem Redaktionsschluss der letzten Sonntagskrone? Und: Können wir eine hohe internationale Nachfrage überhaupt abdecken?

FPÖ predigte die Bio-Förderung schon 2010

Es ist etliche Jahre und einige wenig erinnerungswürdige ÖVP-Umwelt- und Landwirtschaftsminister her, dass die FPÖ genau diese Exportchancen zu nützen forderte. In einem Pressetext des FPÖ-Agrarsprechers Harald Jannach vom Jänner 2010 heißt es dazu:

Umstieg auf Biolandwirtschaft weiter fördern! Rückläufige Agrarexporte sind hausgemacht! …Nicht nur anlässlich internationaler Agrarmessen erweist sich regelmäßig die gigantische Nachfrage nach agrarischen Qualitätserzeugnissen aus Österreich… Besonders in Deutschland und Großbritannien ist die Nachfrage nach rotweißroten Bio-Erzeugnissen sehr viel größer als das Angebot angesichts der vorhandenen Produktionskapazitäten sein kann.

Umstiegs-Förderungen ließ man 2009 auslaufen

Es liege also nahe, den Umstieg konventionell wirtschaftender Landwirte auf die biologische Landwirtschaft massiv zu fördern… Was aber tue die österreichische Bundesregierung? Das genaue Gegenteil! Trotz des eigenen Bioaktionsplans, der jetzt nur noch auf Flächenzuwachs ausgerichtet sei, habe man Förderungen für den Umstieg auf Öko-Landwirtschaft mit Dezember 2009 einfach auslaufen lassen. Die rückläufigen Einnahmen (minus 10,4 Prozent) bei in Rekordhöhen gesteigerten Agrarausfuhrmengen seien offenbar ein erstes Indiz für den falschen Fokus: Masse statt Klasse…

Trotz großer Nachfrage sperren immer mehr Bauern zu

Der damalige FPÖ-Umweltsprecher Norbert Hofer ergänzte in einem Pressetext vom März 2011:

Hier ist durch eine Förderoffensive für den Umstieg auf Biolandbau Abhilfe zu schaffen… Es ist ja geradezu grotesk, daß immer mehr bäuerliche Betriebe in Österreich zusperren müssen, während die österreichische Landwirtschaft im internationalen Wettbewerb mehr als konkurrenzfähig ist. Der globale Umsatz im Bereich Bioprodukte liegt bei über 55 Milliarden Dollar. Hier hat Österreich seine Partizipationsmöglichkeiten noch nicht annähernd ausgeschöpft… Unser Selbstversorgungsgrad muß auch bei Obst und Gemüse wieder an die 100-Prozent-Marke geführt werden.

Österreich kann sich nicht einmal selbst versorgen

Der Selbstversorgungsgrad Österreichs hat sich in wesentlichen Bereichen bis heute nicht verbessert. Auch nicht im Bio-Bereich. Das Bauernsterben geht unvermindert weiter. Der „Feinkostladen Österreich“ wird zumeist von engagierten lokalen Initiativen am Leben gehalten, nicht aber kraft verantwortungsvoller Regierungspolitik. Wo waren also die ÖVP-Bauernversteher all die Jahre, als es galt, das zu ermöglichen, wovon Herr Rupprechter dieser Tage wieder transatlantisch schwadroniert: Export-Offensive!

Vorwahlkampf mit Kronen Zeitungs-Hilfe

Dass sich ausgerechnet der als objektiv kritisch bekannte Krone-Umweltredakteur Mark Perry jüngst mehrfach als quasi Rupprechter-Pressesprecher zu gerieren hat, wirft die Frage auf, für welches Amt der unter Insidern als „selbst für einen ÖVP-Minister besonders eitel“ bekannte Minister kurz vor den prognostizierten Herbstneuwahlen so halbdiskret Vorwahlkampf-präpariert werden soll. Mit der gerade auf Schiene gebrachten Verdoppelung der staatlichen Presseförderung hat all das natürlich nichts zu tun. Trotzdem dürfen wir gespannt sein welches schwarze Regierungsmitglied die nächste ÖVP-Blendgranate sein wird, die mit FPÖ-Inhalten Medien- und Vorwahlkampfpolitik machen wird.

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