300 Jahre Kaiserin Maria Theresia: Außergewöhnliche Einblicke in ihr Seelenleben

Ein neues Buch liefert bisher unbekannte Details aus dem Leben Maria Theresias, hier mit Gemahl Franz Stephan (l.) und ihren Kindern. Foto: Martin van Meytens / Wikimedia (gemeinfrei)
Ein neues Buch liefert bisher unbekannte Details aus dem Leben Maria Theresias, hier mit Gemahl Franz Stephan (l.) und ihren Kindern.
Foto: Martin van Meytens / Wikimedia (gemeinfrei)

Am 13. Mai 1717 kam jene Frau zur Welt, die als spätere Kaiserin Maria Theresia nicht nur ein Weltreich beherrschen sollte, sondern auch vielfältige Reformen durchsetzte, die dem Habsburgerreich eine blutige Revolution wie in Frankreich 1789 ersparen sollten. Wie es im Inneren der nach außen hin selbstbewussten und autoritären Herrscherin aussah, wussten nur wenige, nicht einmal ihre in alle Richtungen Europas verheirateten Kinder. Dies verriet sie nur ihrer besten Freundin Sophie Enzenberg in zahlreichen Briefen, von denen 77 erhalten blieben und die Grundlagen für dieses Buch bilden.

Aus einem Besuch am Wiener Hof wird Freundschaft für's Leben

1736 heiratete die blutjunge Habsburgerin Herzog Franz Stephan von Lothringen und Bar. Baronin Sophie Schack, spätere Gräfin Enzenberg, stammte ebenfalls aus Lothringen und war Hofdame der Mutter von Franz Stephan, Elisabeth-Charlotte von Orléans. Bei einem Besuch ihrer Schwägerin 1745 lernte Maria Theresia die um einige Jahre ältere Sophie kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb so gut, dass Sophie in Wien verblieb und fortan Hofdame und enge Vertraute der Thronerbin wurde.

Mit 23 Jahren Herrscherin über ein Weltreich

Maria Theresias Vater Karl VI. hatte nämlich in einer Vorahnung, dass er nach zwei Töchtern keine Söhne mehr zeugen würde, bereits 1713 in der „pragmatischen Sanktion“ eine neue Erbfolge-Richtlinge festgelegt, laut derer auch weibliche Nachkommen den Habsburger-Thron besteigen konnten. Als Karl 1740 an einer Schwammerlvergiftung bei der Jagd starb, musste die junge Maria Theresia mit zarten 23 Jahren völlig unvorbereitet eines der damals mächtigsten Weltreiche regieren.

Die gierigen Nachbarn unterschätzen das "Weiberregiment"

Sofort begannen mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg kriegerische Auseinandersetzungen, denn Länder wie Preußen, Bayern, Sachsen, Spanien, Schweden, Kurpfalz, Kurköln oder Frankreich stellten die Grenzen des mutmaßlich schwachen „Weiberregiments“ in Wien in Frage und erhoben Ansprüche auf Schlesien, Böhmen, Mähren, Tirol, das Innviertel, die habsburgischen Niederlande oder die Lombardei . Linz und Prag etwa waren bald in bayerischer Hand. Doch Maria Theresia leistete unerwartet forschen und gut organisierten Widerstand und vertrieb, kräftig unterstützt von Ungarn, die meisten der Eindringlinge. Lediglich die Kornkammer Schlesien ging an den Preußenkönig Friedrich II. verloren.

Eine Monarchin, die fast ständig "nebenbei" schwanger war

So ganz nebenbei gebar Maria Theresia in all den schwierigen Jahren fast ständig Nachwuchs – insgesamt sollten es 16 Kinder werden, von denen drei allerdings früh starben. Unter ihren Söhnen waren zwei spätere Kaiser, nämlich Joseph II. und sein Bruder Leopold II., sowie der Fürstbischof von Köln, Maximilian Franz. Ihre anderen Kinder verheiratete sie fast ausschließlich nach machstrategischen Prinzipien in die mächtigsten Herrscherhäuser Europas von Neapel bis Paris. Ihre jüngste Tochter Maria Antonia, die spätere Marie Antoinette, wurde so immerhin Gemahlin des französischen Königs Ludwig XVI. Deren grausiges Ende an der Guillotine ist bekannt.

Umzug der Vertrauten startet eine außergewöhnliche Brieffreundschaft

Ihre enge Vertraute Sophie, die mit 39 Jahren am Heiratsmarkt als kaum noch vermittelbar galt, lernte 1746 schließlich den Bozener Beamten Kassian von Enzenberg kennen, und die beiden verliebten sich. Sie heirateten schon bald bei Maria Theresia in Schönbrunn, und der in den Grafenstand erhobene Kassian führte seine Braut heim nach Südtirol, wo er später als Verwalter Tirols in Innsbruck einer der wichtigsten Statthalter, Reformer und Vertrauten der Kaiserin werden soll. Nun erst begann die Zeit der Briefe, in denen sich die beiden Freundinnen intimste Vertraulichkeiten und Staatsgeheimnisse mitteilten.

Tod ihres Gemahls stürzt die Kaiserin in tiefe Depressionen

Ausgerechnet bei der Hochzeit von Maria Theresias Sohn Leopold mit Maria-Luisa von Spanien bei den Enzenbergs in Innsbruck starb im August 1765 völlig unerwartet Kaiser Franz I. Stephan (er hatte diesen Titel nur am Papier, denn das Herrschen überließ er nur allzu gerne seiner Gemahlin) an einem Schlaganfall. Es war auch das letzte Mal, dass sich die beiden Freundinnen persönlich sahen, denn die beschwerliche, gut eine Woche dauernde Reise zwischen Innsbruck und Wien in holprigen, zugigen Kutschen war für beide Damen nicht mehr zu schaffen.

Nach außen hin stark, überlebt Maria Theresia sogar die Pocken

Umso mehr schrieben sie sich, denn Maria Theresia stürzte nach dem Tod ihres geliebten Franz Stephans in eine lang andauernde, schwere Depression. Während das Habsburgerreich durch die mannigfaltigen Reformen der Kaiserin und ihres nunmehrigen „Co-Kaisers“ und Sohnes Josef I. aufblühte, saß an den Schalthebeln der Macht eine verzweifelte Manisch-Depressive. Doch davon erfuhren nur ihr sehr geschätzter Leibarzt Gerard von Swieten, der sie sogar von den gefürchteten Pocken heilte – und eben Sophie Enzenberg auf dem Postwege.

Briefe entgingen nur knapp der Vernichtung

Von Sophie ist nur ein solches Schreiben erhalten geblieben, weil es damals üblich war, Briefe mit vertraulichem Inhalt nach Kenntnisnahme sofort zu verbrennen. Umgekehrt haben sich aber zahlreiche von Maria Theresias Briefen in Tirol erhalten, wurden von weisen Verwandten Sophies sogar zu einer Art Buch in rotem Leder gebunden und von einem Nachfahren der Gräfin, Ulrich Goess-Enzenberg, nun den Verfassern des Buches zur Verfügung gestellt.

Die beiden Autoren zeichnen den Lebensweg Maria Theresias mit großer Detailkenntnis nach, die jeweilige Brief-Korrespondenz ist anlassbezogen auszugsweise eingefügt. Für die Übersetzung aus der damaligen Hofsprache Französisch zeichnet der Autor und Historiker Jean-Pierre Lavander verantwortlich.

Monika Czernin, Jean-Pierre Lavander. Liebet mich immer - Maria Theresia - Briefe an ihre engste Freundin. Das Buch kann zum Preis von 21,95 Euro bei der Buchhandlung Stöhr bezogen werden.

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