Schallaburg huldigt in Sommerausstellung dem "Islam in Österreich"

Die Schallaburg widmet ihre Sommerausstellung ganz dem Thema "Islam in Österreich" Foto: Screenshot / Hauptfolder zur Ausstellung "ISLAM"
Die Schallaburg widmet ihre Sommerausstellung ganz dem Thema "Islam in Österreich"
Foto: Screenshot / Hauptfolder zur Ausstellung "ISLAM"
14. April 2017 - 15:00

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Die Schallaburg in Niederösterreich ist gemeinhin bekannt für ihre historisch und kulturell wertvollen Ausstellungen zu verschiedensten Themenbereichen. Just die Sommerausstellung 2017 (von 18. März bis 5. Oktober) sorgt momentan aber bei vielen Interessierten für Irritation, den sie steht ganz im Zeichen des Islam. Vor allem in Hinblick auf den nahezu wöchentlich stattfindenden Islam-Terror in Europa mutet das Thema der Ausstellung - die sich spezifisch mit dem "Islam in Österreich" beschäftigt - wie eine befremdliche Huldigung an.

Unzensuriert fragte daher bei den Verantwortlichen nach.

Erzählen vom "Islam in Österreich"

Laut dem Pressesprecher der Schallaburg soll das Thema "Islam in Österreich" vor allem die Begegnung und den Dialog fördern. Eine Frage in der Ausstellungsbeschreibung lautet daher etwa "Wie können wir trotz kultureller Gegensätze die Vielfalt einer lebendigen Nachbarschaft nützen?" Intention ist es anscheinend, den Islam als etwas fest Verankertes in der österreichischen Kultur(-historie) darzustellen. Beispielsweise wird auf das "muslimische Dirndl" oder "Chancengleichheit" für Muslime am Arbeitsplatz hingewiesen, etwa wenn diese Kopftuch tragen oder einen langen Bart haben. 

Warum gerade der Islam als Thema ausgewählt wurde, habe mit der Schallaburg als "Begegnungsraum" zu tun. Es sollen Themen gezeigt werden, die Menschen "betreffen und bewegen". Die Planung solcher Ausstellungen erfolge über Jahre, die Kriterien sind das Besucherinteresse, ein aktueller Bezug und die Umsetzbarkeit.

Verein für "Migrationsgesellschaft" unter Experten

Laut Presseinformation der Schallaburg beruhen die Inhalte der Ausstellung auf einer "Zusammenarbeit mit Experten aus der Wissenschaft und aus muslimischen Communities". Auf Nachfrage von unzensuriert wurden Vertreter muslimischer Glaubensgemeinschaften, die Österreichische Akademie der Wissenschaften, sowie "Initiativen, Vereine und Begegnungsstätten" genannt. Unter den kooperierenden Vereinen wird beispielsweise das Wiener „Archiv der Migration" erwähnt. Dieser Verein schreibt auf seiner Homepage unter anderem:

Österreich ist eine Migrationsgesellschaft – auch wenn dies immer noch gerne verdrängt und geleugnet wird. Mit dieser gegenwärtigen Realität sollte sich auch der Blick auf die Geschichte verändern: Migration sollte in ihr ebenso sichtbar werden wie MigrantInnen als Subjekte und AkteurInnen. 

Auch "Psychologen, Imbissverkäufer, Fotografinnen, Schulinspektorinnen, Gedenkstättenleiter, eine Modedesignerin, Menschenrechtsaktivistinnen und Experten für Deradikalisierung" beteiligten sich an den Inhalten der Ausstellung. Menschen für die laut Pressesprecher der "Dialog zwischen Kulturen und Religionen Alltag ist".

Verhaltene Kritik am Islam?

Unzensuriert wollte natürlich auch wissen, ob die Ausstellung Raum für Kritik am Islam zulässt. Kritik, so die Antwort, würde es durchaus geben, jedoch basiere diese nicht nur auf einer Meinung sondern auf "unterschiedlichsten Facetten und Meinungen", die "selbstverständlich aber auf Basis der in Österreich geltenden demokratischen Regeln" fußen. "Die Kritik entsteht im Auge des Betrachters, je nachdem wie seine Position zu den unterschiedlichen Facetten ist", so die wortreiche Antwort. 

Negative Entwicklungen, Tendenzen und Auswirkungen des Islam in Europa (Stichwort Terrorismus, Radikalisierung, Parallelgesellschaften, Rassismus etc.) würden im Themenbereich "Bedroht" behandelt. Es sei jedoch "symptomatisch, dass ausschließlich diese Stichworte im Zusammenhang mit Entwicklungen, Tendenzen und Auswirkungen des Islam erwähnt werden". Immerhin würden auch andere "Tendenzen" des Islams behandelt, wie etwa Säkularisierung oder eine Entwicklung zu einem Islam "europäischer Prägung".

Christenverfolgung wird nicht explizit angesprochen

Das in der islamischen Welt derzeit omnipräsente Thema der Christenverfolgung wird übrigens in der Ausstellung nicht explizit angesprochen. Der Fokus liege auf muslimischen Kulturen in Österreich. Es werden jedoch "Stimmen aus anderen Ländern mehr oder weniger muslimischer Prägung beispielhaft gegenübergestellt", zum Beispiel anhand der verfolgten iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi.

"Spannungsverhältnis" Scharia und Demokratie

Da sich die Ausstellung auch mit dem Propheten Mohammed und dem Koran beschäftigt, wollten wir wissen, ob die Rechtssprechung der Scharia ebenfalls Eingang in die Ausstellung fand. Laut Pressesprecher ja, es werde zunächst erklärt. worum es sich bei der Scharia handelt, und folglich an mehreren Stellen der Ausstellung auf das Spannungsverhältnis zwischen "unserem demokratischen System in Österreich und Religion" eingegangen. Ob tatsächlich, bleibt unklar.

An mehreren Stellen der Ausstellung werden auch Frauenrechte im Islam thematisiert. 

Wie soll der Besucher seine Meinung äußern?

Der Ausstellung ist es wichtig, den "Dialog" zu fördern. Daher wollte unzensuriert wissen, wie genau die "Stimmen der Besucher" zum Thema Islam gehört werden und wie Auseinandersetzung ermöglicht werden soll. Die Antwort:

Dialogisches Vermittlungsprinzip in der Besuchervermittlung; die Struktur und die Themengebung in der Ausstellung; die Objektauswahl und Fragen für IndividualbesucherInnen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Keine Sponsoren für Islam-Ausstellung

Projektspezifische Sponsoren gibt es laut Pressesprecher nicht. Die Schallaburg wird als GmbH betrieben und ist in der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft, einer Beteiligungs- und Finanzholding, eingegliedert. Als Förderer dieser Holding treten unter anderem die Raiffeisen Bank, die Hypo Niederösterreich, die EVN und der Flughafen Wien-Schwechat auf. 

Im Aufsichtsrat der Holding sitzen neben dem emeritierten Universitätsprofessor Manfred Wagner mit Peter Harold der Vorstandsvorsitzende der Hypo NÖ, mit Hermann Dikowitsch der Leiter der Abteilung für Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich sowie mit Bettina Glatz-Kremsner die Finanzvorständin der Casinos Austria AG. Von politischer Seite befinden sich der SPÖ-Nationalratsabgeordnete Ewald Sacher sowie die ÖVP-Bundesrätin Sonja Zwazl im Aufsichtsrat der Holding. 

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