Die grüne Vizebürgermeisterin steht mit dem Rücken zur Wand.

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Umstrittenes Hochhausprojekt spaltet Wiener Grüne – Vassilakou vor Rücktritt?

Mit Zähnen und Klauen hat Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) das umstrittene Hochhausprojekt am Heumarkt im 3.Wiener Gemeindebezirk, verteidigt. Nun erhielt sie von ihren Parteimitgliedern eine Abfuhr.

Grüne Basis bringt Vassilakou in Bedrängnis

In ihrer Amtszeit hat sich die grüne Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin bisher als zuverlässige Erfüllungsgehilfin der Baulobby erwiesen. Geht es um millionenschwere Großbauvorhaben, stellen umfangreiche Baumfällungen wie am Steinhof oder die Verbauung von Grünflächen für die Wiener Chefin der angeblichen Ökopartei kein Problem dar. Mit dem von ihr befürworteten umstrittenen Hochhausprojekt am Heumarkt, das für Wien den Verlust des UNESCO-Weltkulturerbes zur Folge hätte, scheint sie aber nun den Bogen überspannt zu haben, denn selbst ihre eigenen Parteimitglieder verweigern ihr diesmal die Gefolgschaft.

52 Prozent gegen das Projekt sind bindend

Bei einer Urabstimmung unter den Wiener Grünen lehnte die Parteibasis mit einer Mehrheit von 52,17 Prozent das Projekt ab. Da sich über die Hälfte der Wahlberechtigten an der Abstimmung beteiligt hat, ist das Ergebnis laut Parteistatut für Vassilakou auch bindend. Am nächsten Montag will die Parteiführung darüber beraten, wie sie aus dieser Zwickmühle wieder herauskommt.

Besonders peinlich: Noch am 6. April haben sich die Grünen Mandatare im Bezirksparlament des 3. Bezirks gemeinsam mit der SPÖ und den NEOS in einer Stellungnahme des Bezirks für das Projekt ausgesprochen.

Wien ist Eldorado für Bauspekulanten

Das Hochhausprojekt ist ein Paradebeispiel für eine jahrelange Grundstücksspekulation, bei der öffentliches Eigentum zu Dumpingpreisen verscherbelt wurde.

Im Jahr 2008 verkaufte der Wiener Stadterweiterungsfonds das Gelände zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus weit unter seinem Wert an die "Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH". Experten wunderten sich damals, warum die 100-Prozent-Tochter einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft ein Areal erwirbt, auf dem der Wiener Eislaufverein einen Pachtvertrag bis 2058 besitzt. Und noch mehr waren sie über den Preis verwundert. Der Käufer bezahlte für eine Fläche von knapp 10.000 Quadratmetern nur 4,2 Millionen Euro. Laut einem Immobilien-Fachmann wäre das Grundstück, das sich an der Grenze zur Wiener City befindet, geschätzt das Zehnfache wert gewesen. Zuletzt landete das Areal beim nunmehrigen Projektbetreiber, der Firma WertInvest GmbH des Investors Michael Tojner, dem offensichtlich eine wunschgerechte Flächenwidmung versprochen wurde. Tojner wird ein Naheverhältnis zur SPÖ nachgesagt.

FPÖ tritt für Kompromisslösung ein

In einer ersten Reaktion zum Ergebnis der Grünen-Urabstimmung verlangt der freiheitliche Planungssprecher Toni Mahdalik den sofortigen Rücktritt Vassilakous. Die Ablehnung des Heumarkt-Projekts müsse Basis zur Findung eines Kompromisses sein, der sowohl den Erhalt des UNESCO-geschützten Stadtbildes gewährleistet als auch die Interessen der Investoren berücksichtigt, so der Stadtrat.

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