Marine Le Pen gilt als wahrscheinliche Kandidaten für die Stichwahl nach dem ersten Wahldurchgang in Frankreich.

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Le Pen gegen das Establishment – Runde 1

Am Sonntag findet der erste Durchgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich statt. Elf Kandidaten, vier davon mit ernsthaften Chancen auf die Stichwahl, stehen dabei zur Auswahl, das Ergebnis könnte überraschend knapp ausfallen.

Die patriotische Kandidatin Marine Le Pen hat beste Chancen, in die Entscheidung zwei Wochen später im Mai einzuziehen, eine absolute Mehrheit für einen Kandidaten schon im ersten Durchgang wird nicht erwartet. Umfragen sehen Le Pen und ihren Konkurrenten Emmanuel Macron gegeneinander antreten. Sogar die Aktienmärkte stellen sich auf eine Wahl mit erheblicher Bedeutung für die Zukunft Frankreichs ein – immerhin könnte auch der Euro auf dem Spiel stehen und ein Ausstieg im Falles eines Siegs von Le Pen diskutiert werden.

Favorit Macron: Ehemaliger Investmentbanker in der Politik

Anleger setzten dabei allerdings auf den parteiunabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron, den auch aktuelle Umfragewerte mit 24 Prozent als Gewinner dieses Durchgangs sehen. Der Euro würde mit ihm weitestgehend stabil bleiben, ein Ausstieg wäre nicht diskutabel. Macron machte vor seinem Einstieg in die Politik bei der Investmentbank Rothschild & Cie. Karriere. Dort wickelte er Transaktionen zwischen Weltkonzernen wie Pfizer und Nestle ab. Er präsentiert sich zwar parteiunabhängig, war aber Mitglied der Sozialistischen Partei und zuletzt unter dem sozialistischen Präsidenten Hollande Wirtschaftsminister.

Dicht auf den Fersen ist Macron allerdings Marine Le Pen, dahinter folgen der konservative Ex-Premierminister Francois Fillon und der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Weit abgeschlagen dahinter rangiert Benoit Hamon von den derzeit regierenden Sozialisten, die mit Francois Hollande auch den scheidenden Präsidenten stellen.

Neuerlicher Terror als Mahnung für andere Zuwanderungspolitik

Im Vorfeld der Wahl ereignete sich in Paris ein weiterer blutiger Anschlag, bei dem ein Polizist ums Leben kam. In der Vergangenheit war Frankreich nicht zuletzt aufgrund der liberalen Zuwanderungspolitik und großen Problemen in Migrantenvierteln Ziel von islamischen Terroranschlägen.

Für einen rigorosen Umgang mit kriminellen Zuwanderern und eine völlig neue Einwanderungspolitik setzt sich darum die Kandidatin des Front National, Marine Le Pen, ein und erhält in Umfragen massive Zustimmung. Die Themen Asyl, Flüchtlingspolitik und Sicherheit könnten entscheidend für den Wahlausgang werden.

Stichwahl zwischen Le Pen und Macron wahrscheinlich

Auch wenn ein Einzug in die Stichwahl für Le Pen sehr wahrscheinlich ist, könnte sich den 47 Millionen wahlberechtigten Franzosen im Mai eine schwere Entscheidung bieten. Einer Umfrage zufolge würden in der Stichwahl mehr als die Hälfte aller Wähler für einen Konkurrenten entscheiden. Ein ähnliches Ergebnis prophezeiten Institute allerdings in ganz Europa und unterschätzten damit das Potenzial patriotischer Oppositionsparteien.

Übergeben wird das Amt des Präsidenten spätestens am 14. Mai durch den amtierenden Staatschef Francois Hollande. Ob der gewählte Präsident aber auch eine Regierungsmehrheit auf seine Seite bringen kann, entscheidet sich erst im Juni, wenn eine neue Nationalversammlung gewählt wird. In den vergangenen 15 Jahren waren Premierminister und neu gewählter Präsidenten zwar immer aus einem Lager, die Wähler könnten diesmal aber auch anders entscheiden – vor allem bei der Wahl des parteiunabhängigen Macron, dessen Wähler sich bei der Parlamentswahl aufteilen würden, was den Front National vermutlich weiter stärken würde.

Erste Prognosen um 20 Uhr erwartet

Die meisten Wahllokale öffnen um 8 Uhr morgens und schließen gegen 19 Uhr, die ersten Prognosen werden um 20 Uhr im öffentlich-rechtlichen Sender France-2 veröffentlicht. Ein offizielles Ergebnis wird auch in Frankreich erst einen Tag später, am 24. April, erwartet.

Auslandsfranzosen mit zwei Stimmkarten

Abstimmen dürfen auch tausende Franzosen auf den zu Frankreich gehörenden Inselgruppen wie etwa Französisch-Guyana in Südamerika, den französischen Karibikinseln oder Französisch-Polynesien, die ihre Stimme bereits am Samstag abgeben. Durch die angeblich irrtümliche und durch einen Computerfehler herbeigeführte Ausgabe doppelter Stimmkarten an rund eine Million Auslandsfranzosen könnte das Wahlergebnis verfälscht werden – vermutlich zu Ungunsten von Marine Le Pen.

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