Dubioses Immobiliengeschäft: Darum muss das Hochhaus am Heumarkt gebaut werden! | Unzensuriert.at

Dubioses Immobiliengeschäft: Darum muss das Hochhaus am Heumarkt gebaut werden!

Wer die dubiosen Hintergründe des Grundstücksdeals am Wiener Heumarkt kennt, versteht, warum das Hochhaus unbedingt gebaut werden soll. Foto: Mister No / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Wer die dubiosen Hintergründe des Grundstücksdeals am Wiener Heumarkt kennt, versteht, warum das Hochhaus unbedingt gebaut werden soll.
Foto: Mister No / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
8. Mai 2017 - 17:00

Wiens Planungsstadträtin Maria Vassilakou von den Grünen könnte als Schutzpatronin des Hochhausprojektes am Heumarkt bezeichnet werden. Zuerst ignorierte sie die heimische Architektenszene, die schon vor Jahren von einem "Spekulationsobjekt mit Luxuswohnungen" sprach, dann eine Petition gegen das Projekt von tausenden Bürgern sowie Warnungen der UNESCO, dass Wien durch dieses Projekt den Weltkulturerbe-Status verlieren könnte.

Undemokratische Urabstimmung bei den Grünen

Möglicherweise wollte sich Vassilakou dann mit einer Urabstimmung bei den Grünen Rückendeckung für das umstrittene Bauprojekt am Rande der Inneren Stadt holen. Abgesehen davon, dass es eine undemokratische Entscheidung von Vassilakou war, praktisch nur Grüne Funktionäre über die Mehrheit der Wiener entscheiden zu lassen, ging auch dieser Plan schief. Auch die Wiener Grünen ließen ihre Chefin mit dem Hochhausbau neben dem Hotel Intercontinental im Regen stehen.

Reingewinn von sagenhaften 430 Millionen Euro

Was also muss noch alles passieren, damit die rot-grüne Stadtregierung von dem Heumarkt-Projekt abrückt? Sie müsste abgewählt werden, sonst ist der Deal über die Bühne. Denn bei diesem dubiosen Immobiliengeschäft geht es um ein Milliardengeschäft, wie es Andreas Unterberger auf seinem Blog ausdrückte. Dort zitiert er den renommierten Immobiliensachverständigen Christian Lippert, der ausrechnete, dass der Reingewinn sagenhafte 430 Millionen Euro ausmachen könnte. Lippert, so Unterberger weiter, halte es durchaus für möglich, dass der Profit bis über eine Milliarde steigen kann.

Stadt Wien und SPÖ-Nationalratsabgeordneter involviert

Aber wer steckt hinter dem Grundstückdeal beim Wiener Eislaufverein-Areal und wer profitiert davon? Die zentrale Frage ist, warum die beteiligten Personen sich eines schier unüberschaubaren Stiftungs- und Firmen-Konglomerates bedienen müssen und was sie dadurch vielleicht verstecken wollen.

Unzensuriert.at hat schon im August 2012 über die Hintergründe des Heumarkt-Grundstückverkaufs berichtet und herausgefunden, dass die Stadt Wien, eine Tochter einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft, zahlreiche Stiftungen und - gleich doppelt - mit Peter Wittmann auch ein SPÖ-Nationalratsabgeordneter, einmal als Vorstandsvorsitzender einer Privatstiftung und einmal als Aufsichtsrat einer Wohnbaufirma, in die Sache involviert sind.

Experten wunderten sich über günstigen Kaufpreis

Es war im Jahr 2008, als der Wiener Stadterweiterungsfonds das Gelände zwischen Hotel Intercontinental und Konzerthaus an die "Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH" verkaufte. Experten wunderten sich damals, warum die 100-Prozent-Tochter einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft ein Areal erwirbt, auf dem der Wiener Eislaufverein einen Pachtvertrag bis 2058 besitzt. Und noch mehr waren sie über den Preis verwundert. Der Käufer bezahlte für eine Fläche von knapp 10.000 Quadratmetern nur 4,2 Millionen Euro. Laut einem Immobilien-Fachmannes wäre das Grundstück, das sich an der Grenze zur Wiener City befindet, geschätzt das Zehnfache wert gewesen.

Ob der Preis deshalb so gering war, weil die rot-regierte Stadt Wien das Geschäft mit einer Firma abwickelte, in deren Muttergesellschaft ein Genosse, nämlich Peter Wittmann, als Aufsichtsrat saß, kann nur vermutet werden. Jedenfalls wies der damalige Geschäftsführer der "Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH", Saad-El-Din Hadj-Abdou, in einem Standard-Interview vom 26. Februar 2009 Spekulationsabsichten zurück, gab aber zu:

Ein Grundstück in dieser Lage ist sonst nicht um diesen Preis zu bekommen.“ Konkrete Baupläne gebe es derzeit keine. Allerdings sei es möglich, „Einrichtungen in Absprache mit den Anrainern irgendwann zu verbessern.

Umbenennung und ein Konglomerat von Stiftungen

Am 2. Februar 2011 wird die "Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH" laut Firmenbuch plötzlich in "Lothringer Straße 22 Projektentwicklungs GmbH" umbenannt. Neue Eigentümer sind die "T.A.G. Privatstiftung", die "Andreas Adami Privatstiftung", die "GT Privatstiftung" und zu 55 Prozent Bernhard Steindl, ein Rechtsanwalt. Und im Juni 2012 übernimmt Michael Tojner von "Wertinvest" 55 Prozent der Gesellschaftsanteile der "Lothringer Straße 22 Projektentwicklungs GmbH", der andere Teil der Liegenschaft geht laut Auskunft bei "Wertinvest" an die Gruppe "TECTO".

In einer Pressemitteilung vom 18. Juni 2012 schreibt Michael Tojner: „Das traditionelle Areal im Herzen Wiens kann nun ganzheitlich gestaltet werden.“ Man stehe noch am Beginn der Planungen, allerdings soll die Freiluft-Eislauffläche beibehalten werden. Auf Nachfrage von unzensuriert.at, wie viel Wertinvest für das Areal bezahlt hat, teilte diese Firma mit: „Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.“

Zusammengefasst: 2008 kauft die Tochter einer gemeinnützigen Wohnbaugesellschaft ein Areal zu einem „günstigen Preis“, um dieses Grundstück dann vier Jahre später, nachdem sich die Eigentümerverhältnisse ständig ändern und sich in zahllosen Stiftungen verlieren, um eine nicht bekannte Summe weiter zu verkaufen.

Dubiose Wohnbaufirma wird genau geprüft

Mit der Umbenennung in "Lothringer Straße 22 Projektentwicklungsgesellschaft" hat sich die "Buntes Wohnen Immobilienverwaltungs GmbH" quasi in Luft aufgelöst. Hochinteressant ist aber auch die Weiterentwicklung der Muttergesellschaft, der "Buntes Wohnen – Gemeinnützige Wohnbaugesellschaft GmbH".

Die Oberösterreichischen Nachrichten schreiben am 12. März 2011:

Der Fall der gemeinnützigen Wohnbaufirma Buntes Wohnen wird immer skurriler. Nachdem der Sitz, wie berichtet, von Wien nach Linz und dann nach Eisenstadt verlegt wurde, hat sich die Gesellschaft in Pannonia umbenannt.

Laut dieser Zeitung führe der Revisionsverband eine Sonderprüfung durch, weil der Verdacht bestünde, dass Wohnungen zu billig verkauft worden wären. Es stelle sich die Frage, ob es einen Abfluss gemeinwirtschaftlichen Vermögens gegeben und wer die Liegenschaften erworben habe. Immerhin gehe es dabei um geförderte Wohnungen.

Unzensuriert stieß auf Mauer des Schweigens

Unzensuriert.at recherchierte und stieß auf eine Mauer des Schweigens. Beim Revisionsverband, in dem Vertreter von Genossenschaften sitzen, die sich quasi selbst prüfen, wurde zwar ein Rückruf versprochen, mehr aber nicht. Die Dame am Telefon verriet zumindest, dass die "Pannonia" nicht mehr gemeinnützig sei.

Als der Sitz von "Buntes Wohnen" in Linz war, hat der zuständige Wohnbau-Landesrat Manfred Heimbuchner (FPÖ) ein Verfahren auf Prüfung auf Gemeinnützigkeit eingeleitet. Dieses wurde laut Auskunft im Büro des Landesrates eingestellt, nachdem "Buntes Wohnen" nach nicht einmal fünf Monaten den Firmensitz nach Eisenstadt verlegte. Laut Firmenbuch war das im Februar 2011. Hintergrund des Wechsels könnte sein, dass im roten Burgenland der Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) für Wohnbau zuständig ist. Nur dieser kann ein Verfahren einleiten, der den Entzug der Gemeinnützigkeit einer Genossenschaft zur Folge haben könnte.

Landeshauptmann-Büro und "Pannonia" erteilen keine Auskünfte

Ein Anruf von unzensuriert.at im Büro des Landeshauptmannes brachte wenig. Mit dem Verweis auf die Pressestelle und der dortigen Bitte, sich doch per Mail an sie zu wenden, war es auch schon getan. Antworten gab es bis dato keine. Auch bei der Wohnbaufirma selbst gibt es keine Auskünfte für die Presse, nachdem unzensuriert.at zwei Mal telefonisch und per Mail angefragt hat.

Bei der "Pannonia" schließt sich aber der Kreis. Denn im März 2011, als "Buntes Wohnen" nach Eisenstadt übersiedelte, war SPÖ-Nationalratsabgeordneter Peter Wittmann Aufsichtsrat. Als Vorsitzende fungieren Hans Peter Sauerzopf und sein Bruder Michael Franz Sauerzopf, die Söhne des früheren ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreters Franz Sauerzopf, der seinerzeit in den WBO-Skandal verwickelt war.

Erst im April 2011 schied Peter Wittmann laut Firmenbuch als Aufsichtsrat aus der "Pannonia" aus. Dass jetzt Strohmänner des SPÖ-Mandatars die Geschäfte weiterführen, kann nicht ausgeschlossen werden. Noch viel interessanter sind jedoch die Fragen: Wo sind die neun Zehntel des Werts des Wiener Eislaufverein-Areals, die damals nicht gezahlt wurden? Flossen sie später in die Pannonia-Kassen oder in private Taschen? Oder flossen sie gar nicht und der jetzige Eigentümer freut sich darüber, mit einer Firma aus dem verpolitisierten Genossenschaftsbetrieb gute Geschäfte gemacht zu haben?

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