Intrige hat in der ÖVP eine lange Tradition: Kurzzeit-Hofburgkandidat Withalm wurde von der eigenen Partei gemeuchelt.

Foto: Bild: C Nationalbibliothek
ÖVP-Intrige 1974: Hofburg-Kandidat Withalm abgesetzt, Plakate eingestampft

Die Österreichische Volkspartei hatte immer schon ein bewährtes innerparteiliches Schmiermittel: Die Intrige gegen die eigenen Parteifreunde. Was sich derzeit rund um Sebastian Kurz und den von ihm in den Rücktritt getriebenen Reinhold Mitterlehner abspielt, ist also keineswegs neu, wie unzensuriert anhand einiger historischer Beispiele zeigt.

Withalm hätte es besser wissen müssen

Im Jahr 1974 musste dies der designierte und dann wieder abgesetzte Präsidentschaftskandidat der ÖVP, Hermann Withalm, am eigenen Leib erfahren. Als ehemaliger ÖVP-Generalsekretär, Klubchef, Vizekanzler und Parteiobmann hätte er eigentlich seine eigene Gesinnungsgemeinschaft besser kennen müssen. Dieses hatte ihn bereits länger intern als einen Kandidaten für die Bundespräsidentschaftswahl 1974 in der Nachfolge für den schwerkranken Sozialdemokraten Franz Jonas gehandelt. Und Withalm vertraute auf die Unterstützung, obwohl er etwa selbst federführend als ÖVP-Generalsektretär an der ebenfalls ausgesprochen feindseligen Ablösung von Bundeskanzler Alfons Gorbach im Jahre 1964  beteiligt gewesen war.

Ab 8. Jänner 1974 war die Kandidatur quasi fix und Withalm tourte mit seinem Wahlkampfleiter Heribert Steinbauer durch die Bundesländer und Landesorganisationen und machte guten Wind. Und als Jonas am 24. Jänner starb, fing die Parteimaschine zu Gunsten des Niederösterreichers Withalm erst so richtig zu dampfen an.

Hofburg-Kandidat am 27. April, gestürzt am 29. April

Noch am 27. April 1974 versicherte Withalm dem damaligen ÖVP-Bundesobmann Karl Schleinzer seine Bereitschaft zur Kandidatur und Schleinzer Withalm im Gegenzug die volle Unterstützung der ÖVP. Es wurden bereits Werbefotos geschossen, ein erstes Wahlplakat mit dem Ehepaar Withalm lief bereits durch die Druckmaschinen. Man hatte aber die Rechnung ohne die ÖVP selbst gemacht.

Bei einer Abstimmung nur zwei Tage später, am 29. April 1974, brachte der Tiroler ÖVP-Obmann und Landeshauptmann Eduard Wallnöfer überraschend den Innsbrucker Bürgermeister Alois Lugger als Kandidaten ins Spiel. Inzwischen waren die Intrigen gegen den vermeintlichen Fixkandidaten Withalm in der Bundesländer- und Bündestruktur gesponnen worden.  Die Abstimmung ging mit 13 zu 8 Stimmen gegen Withalm und damit auch Parteiobmann gegen Schleinzer aus.

Der Parteiobmann musste die Druckmaschinen stoppen und Lugger verlor gegen den SPÖ-Kandidaten Rudolf Kirchschläger die Bundespräsidentschaftswahl. 

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