Nun treten auch die „Heckenschützen“ an die Öffentlichkeit: Michael Ludwig ist für Sandra Frauenberger „kein einender Kandidat“.

Bild: Von GuentherZ / Wikimedia CC BY 3.0
Gemetzel in der SPÖ Wien geht weiter: Häupl schickt seine Verbündeten gegen Ludwig aus

Die SPÖ befindet sich derzeit im Tiefflug. Dem "Plan A" von Bundeskanzler Christian Kern entzog die ÖVP durch die Auflösung der Koalition jeder Grundlage. Dem nicht genug, geht das Gemetzel in der wichtigen Wiener Landesgruppe trotz Beteuerungen zum Frieden offenbar munter weiter.

Im Nachfolgepoker um den Sessel des Wiener Bürgermeisters ist nun die als extrem links geltende Gesundheits- und Sozialstadträtin Sandra Frauenberger ausgerückt, um den chancenreichsten Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, madig zu machen.

Frauenberger: "Ludwig derzeit kein einender Kandidat"

Noch ist nicht ganz klar, ob ihre Aktion eine einsame ist oder ob sie als Verbündete von Noch-Bürgermeister Michael Häupl in den Medien für Unruhe und Unmut sorgt. Und zwar mit der Aussage, Ludwig sei derzeit kein einender Kandidat für die Nachfolge von Langzeit-Parteichef und Bürgermeister Michael Häupl. Im Standard sprach Frauenberger damit auch die Wahl Ludwigs als stellvertretender Vorsitzender der Wiener SPÖ an, der Ende April nur 67,8 Prozent Zustimmung unter den SPÖ-Delegierten erreicht hatte.

Dass dieses schlechte Ergebnis von Michael Ludwig zustande kam, daran hat vielleicht auch die dem linken Parteiflügel in der Wiener SPÖ zugerechnete Frauenberger ihren Anteil. Ludwig – er gilt zumindest in Medienberichten als Vertreter des moderaten und vernünftigen Parteilagers – und seine Anhänger könnten wiederum dafür gesorgt haben, dass Häupl mit nur 77,4 Prozent der Delegiertenstimmen sein schlechtestes Ergebnis bei einem Parteitag erzielte.

Häupl muss ein Jahr früher den Hut nehmen

Häupl hat ja angekündigt, nach den geschlagenen Nationalratswahlen seinen Hut zu nehmen. Das ist nun früher als gedacht, denn nach den Turbulenzen in der Innenpolitik finden diese ja schon am 15. Oktober dieses Jahres statt. Ein Jahr früher als geplant. Und das heizt die Nachfolgedebatte in Wien neuerlich an. Geht es nach Frauenberger, soll es nicht Michael Ludwig sein. Im Standard ließ sie verlauten:

Dass er derzeit kein einender Kandidat ist, hat der Parteitag gezeigt. Ludwig hat sich im Vorfeld exponiert und gesagt, dass er sich vorstellen kann, Bürgermeister zu werden. Das ist okay. Er ist ein Kandidat, aber es gibt viele Kandidaten. Wenn wir uns überlegen, wer in Wien in Zukunft an Position eins stehen soll, gibt es viele tolle Leute in der Stadt. Auch viele tolle Frauen.

Häupl: "Nicht der größte Intrigant wird mein Nachfolger"

Sie selbst, so Frauenberger im Standard weiter, habe kein Interesse, Bürgermeisterin in Wien zu werden.

Dass es in der Wiener SPÖ auch nach dem desaströsen Parteitag weiter rumort, daran hat auch Noch-Bürgermeister Häupl schuld. Wenige Tage nach seiner Schlappe bei den Delegierten legte er im "Wien heute"-Gespräch nach:

Nicht der größte Intrigant wird mein Nachfolger werden, sondern derjenige, der die Partei zusammenhalten kann, und die Partei in sehr schwierigen Zeiten auch führen kann.

Bei Kampfabstimmung zerbröselt die SPÖ in Wien

Wen Häupl als "Intriganten" ausgemacht hat, verriet er nicht. Daher kann man nur vermuten, dass damit möglicherweise Ludwig gemeint war. Häupl-Kritiker wiederum orten eine Intrige gegen den Wohnbaustadtrat beim Parteitag. Das alles eignet sich nicht dazu, in Ruhe einen Nachfolgekandidaten zu finden. Einen, der nicht in eine Kampfabstimmung gehen muss. Denn die würde die SPÖ in Wien endgültig zerbröseln.

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