Komische Moral der SPÖ: Sexismus-"Täter" darf Frauenprojekt begleiten

Bei der SPÖ-Wien-Neubau tragen die Frauen die Parteifahne hoch. Gegen Sexismus können sie sich aber nicht durchsetzen.  Foto: Von SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia CC BY-SA 2.0
Bei der SPÖ-Wien-Neubau tragen die Frauen die Parteifahne hoch. Gegen Sexismus können sie sich aber nicht durchsetzen.
Foto: Von SPÖ Presse und Kommunikation / Wikimedia CC BY-SA 2.0
31. Mai 2017 - 10:56

Ein kleiner Wiener Bezirksrat in Wien-Neubau hat die SPÖ in ein fürchterliches Dilemma gebracht. Höchste Funktionäre - und da vor allem Frauen - der Roten hatten nach dem geschmacklosen Posting von Götz Schrage in Richtung ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger den Rücktritt des "Sexismus-Täters" gefordert.

Der Macho bleibt - SPÖ-Frauen machen Rückzieher

Jetzt der Rückzieher: Der selbsternannte "Frauenheld" darf nicht nur SPÖ-Bezirksrat bleiben, sondern soll nach einem Bericht von "Wien heute" als "Wiedergutmachung" ein Frauenprojekt begleiten. "Das kann man nicht gerade als konsequent bezeichnen," urteilt Politikexperte Thomas Hofer.

Der Macho bleibt also, obwohl er auf Facebook sexistische Äußerungen von sich gab, die man bis dato von einem Sozialdemokraten zumindest öffentlich noch nie gehört hat:

Elisabeth Köstinger als neues Gesicht und neue Generalsekretärin einer neuen Bewegung? Aus autobiographischen und stadthistorischen Motiven möchte ich da schon anmerken, dass die jungen Damen der ÖVP Inneren Stadt aus den frühen 80er Jahren, die mit mir schliefen, weil sie mich wohl für einen talentierten Revolutionär hielten, genauso aussahen, genauso gekleidet waren und genauso sprachen. Da hängt sicher noch ein Burberry Schal im Vorzimmer bei Elisabeth Köstinger. Ich muss das wissen als Experte.

SPÖ-Chefin in Wien-Neubau stellte Schrage Ultimatum

Dafür hat sich Schrage zwar entschuldigt. Doch auf diese Zeilen mussten gezwungenermaßen Rücktrittsforderungen folgen. Sie kamen dann auch: Von Nationalratsabgeordneter Andrea Kuntzl, Schrages Parteichefin in Wien-Neubau, zum Beispiel. Sie stellte Götz Schrage bis Montag sogar ein Ultimatum und forderte ihn auf, bis zu diesem Termin selbst den Hut zu nehmen. Schrage selbst hoffte in der Presse auf ein Wunder:

Ich will und werde die Tür zu meiner SPÖ nicht zuschlagen. Ich habe am Montag ein Gespräch mit der SPÖ Neubau und auf ein Wunder wird man doch noch hoffen dürfen.

Genossinnen stehen auf Willkommenskultur-Fan

Und tatsächlich: Das Wunder ist geschehen - und alle wundern sich nun, wie sich ein kleiner Bezirksrat gegen die SPÖ-Oberen durchsetzen kann, auch wenn er - was in SPÖ-Frauenkreisen angeblich so verpönt ist - schlimme sexistische Äußerungen von sich gibt.

Kann gut sein, dass die Genossinnen und Genossen zu Schrage stehen, weil dieser als unbedingter und kompromissloser Verfechter der Willkommenskultur gilt. So hat er sich über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen als "Flüchtlingsfotograf" gemacht, wie ein Bericht im deutschen Fernsehen zeigt.

Nicht nur das: Bei seiner Buße zur Wiedergutmachung seines angerichteten Imageschadens für die Partei lässt die SPÖ den nun als Sexist Gebrandmarkten als "Belohnung" auch noch bei einem Frauenprojekt mitarbeiten. Immerhin ist zu hoffen, dass er uns diesmal nicht via Facebook informiert, wenn er dort Frauen, "die mit mir schliefen", fotografieren darf.

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