Während “Krone”-Kolumnist Jeannée Fellner einen “Schuft” nennt, wirft die Österreich-Redaktion Jeannée vor, seine Kolumnen “stockbesoffen” zu verfassen.

Foto: Bild: Faksimile Kronen Zeitung vom 3. Juni 2017
“Schuft” gegen “alkoholisierter Kolumnist”: Niveau des staatlich geförderten Medien-Boulevards erreicht neuen Tiefpunkt

Auf die Frage, was Brutalität sei, antwortete der legendäre Kabarettist Helmut Qualtinger: ein Fußballspiel Simmering gegen Kapfenberg. Würde er noch leben, hätte er nun ein anderes Beispiel dafür: die Wortwahl zweier Mediengiganten dieses Landes. Was sich Krone-Kolumnist Michael Jeannée und Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner derzeit via Zeitung ausrichten, markiert einen neuen Tiefpunkt des ohnehin ramponierten österreichischen Journalismus.

Bericht über Tod von Mock als Auslöser

Anlass des schmutzigen, öffentlichen Streits war der Aufmacher in der Zeitung Österreich am 2. Juni. Fellners Blatt formulierte zum Tod von Ex-ÖVP-Chef Alois Mock den Titel: "Mock: Bewegender Parkinson-Tod".

Der missfiel dem Krone-Kolumnisten Jeannée offensichtlich deshalb, weil er im Titel ein fieses Wortspiel vermutete. "Bewegend" im Zusammenhang mit dem "Parkinson-Tod" zu verwenden, war angesichts der allgemein bekannten Parkinson-Symptome wirklich nicht besonders geistreich. Wolfgang Fellner bekam daher "Post von Jeannée" – und die hatte es in sich:

Herr Wolfgang Fellner,
in unserer Branche weiß man, dass kein Komma in Ihrem Krawallblatt, das leider so heißt wie unser schönes Land, gedruckt werden darf, ohne dass Sie Ihre Zustimmung geben…
… und über die Gestaltung der Seite 1, dem "Gesicht" der Zeitung, heißt es: Fellner befiehlt, die Redaktion kuscht und folgt.
Nicht anders ist Ihr Aufmacher zum Tod von Alois Mock zu erklären (Auszug rechts), der mit zum Widerwärtigsten gehört, was Sie als Herausgeber und Chefredakteur zu verantworten haben.
Schlugen Sie sich bei der Formulierung "Bewegender Parkonson-Tod" fett lachend auf die Schenkel? Und hat gegen diesen abartigen "Gag" niemand aus der Redaktion protestiert??…

"Hinaus mit dem Schuft aus Wien!"

Zum Schluss seiner Kolumne zitiert Jeannée dann noch einen überlieferten Satz von Karl Kraus, den dieser in den 1920er Jahren seinem schärfsten Journalisten-Gegner Imre Békessy, der in den Kraus ' Augen ebenfalls ein "Krawallblatt" produzierte, entgegen warf: "Hinaus mit dem Schuft aus Wien!"

Dass sich Wolfgang Fellner nicht widerspruchslos "Schuft" schimpfen und sich aus Wien vertreiben lässt, war wohl klar. Die Antwort auf diese Beleidigungen konnte man dann in Österreich unter dem Titel "Die dreckigen Fantasien des Michael Jeannée" lesen. Und zwar geschmückt mit einem nicht gerade schmeichelhaften Foto von Jeannée und der Vorzeile "Sudel-Kolumnist".

Promille-Pegel dürfte ziemlich hoch gewesen sein

Wer nach der "Post von Jeannée" geglaubt hat, tiefer könne das Niveau nicht sinken und hasserfüllter könnte die Abneigung der beiden zueinander gar nicht sein, der hat sich getäuscht. Hier ein paar Ausschnitte, was der Redaktion des Fellner-Blattes als Reaktion auf Jeannées Anschüttung ihres Chefs einfiel:

Als einzige Entschuldigung für die Sudelfeder gilt, dass Jeannée seine ­Kolumnen bevorzugt unter starkem Alkoholeinfluss verfasst, worauf er im Small Talk sogar stolz ist.

Der Promille-Pegel dürfte ziemlich hoch gewesen sein, als Jeannée gestern seine Kolumne für die heutige Sonntags-Krone tippte.

Man muss schon viele Achterl intus haben – sprich, stockbesoffen sein – um in der sensiblen ÖSTERREICH-Berichterstattung über jenen Todesfall, der tatsächlich das ganze Land tief bewegt hat, einen „Gag“ zu finden.

Die Branche weiß, dass Herr Jeannée ein Spezialist für dreckige Witze ist – über Frauen, offenbar auch über Behinderte und Kranke. Den eigenen dreckigen Humor aber ­einer Konkurrenz-Zeitung anzudichten, die mit ihrer Berichterstattung über Alois Mock viel Mitgefühl gezeigt hat, ist eine Frechheit. Das ist auch mit übermäßigem Alkohol-Konsum nicht zu entschuldigen. Besoffene sollen keine Kolumnen schreiben. Auch nicht in der Kronen Zeitung.

Wir verwehren uns gegen dreckige Fantasien und Unterstellungen von alkoholisierten Kolumnisten. Sie sollten endlich in Pension gehen.

Jeder "nüchterne" Mensch weiß, was gemeint war

Zur Sache selbst äußerte sich die Redaktion, dass jeder "nüchterne" Mensch wisse, dass mit "bewegend" natürlich das Mitgefühl gemeint gewesen sei, das dieser Tod und Mocks Leiden bei allen ausgelöst hätten.

Man darf gespannt sein, wie diese Auseinandersetzung zwischen Michael Jeannée und Wolfgang Fellner weitergeht. Kann gut sein, dass die beiden einander vor Gericht weiter beschimpfen.

Bald noch mehr Steuergeld für derlei Niveaulosigkeiten?

Bedenklich ist freilich, dass derlei Machwerke von der rot-schwarzen Bundesregierung, vom rot-grünen Wien und von diesen abhängigen Staatsbetrieben mit zig Millionen Euro aus sogenannten Regierungsinseraten gefördert werden. Zusätzlich überlegt Medienminister Thomas Drozda (SPÖ), die offizielle Presseförderung auszuweiten und damit auch Gratiszeitungen wie Fellners Österreich zu bedienen.

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