Tiroler und Salzburger Schützen – Vom Wehrverband zum Träger heimatlicher Traditionen

Die unzensuriert.at Sonntag-Serie Foto: unzensuriert.at
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11. Juni 2017 - 12:34

Heutzutage marschieren Schützenkompanien in ihren traditionellen Uniformen nur noch auf, um bei Landesfeierlichkeiten und kirchlichen Festen mit Salutschüssen den Festgästen feierlich ihre Referenz zu erweisen. Hervorgegangen sind diese Formationen allerdings aus bürgerlichen und bäuerlichen Wehrverbänden, die jahrhundertelang mutig ihre Heimat verteidigten.

Schützen stets im Dienst ihrer Heimat

Die Geschichte des heimatlichen Schützenwesens reicht bis ins Mittelalter zurück. Die Tradition der Salzburger Schützenformationen lässt sich nachweislich bis zum Jahr 1278 (Gründungsurkunde des Oberndorfer Schiffer-Schützen-Corps) zurückverfolgen. Ihre Grundprinzipien beruhen auf Heimatbewusstsein, Glaubensbewusstsein, Geschichtsbewusstsein sowie der Gemeinschafts- und Kameradschaftspflege. Aktuell sind in Salzburg in 108 Schützen- und Gardeformationen 5.700 Mitglieder aktiv.

Weithin bekannt sind nicht zuletzt aufgrund der Südtirol-Problematik die Tiroler Schützen. Auch ihre Wurzeln reichen bis ins 14. und 15. Jahrhundert zurück, als die Tiroler Bürger- und Bauernschaft die Aufgabe der Landesverteidigung übernahm. Eingesetzt wurden sie ausschließlich zur Verteidigung des eigenen Landes, der eigenen, engeren Heimat und der eigenen Familie. In der heutigen Zeit verstehen sich die Tiroler Schützenkompanien hauptsächlich als Vereinigung zur Traditionspflege, der Vermittlung von Werten und der geistigen Verteidigung der Gesamttiroler Landesinteressen.

Bis heute wehrhaft und charakterstark

Die Geschichte des Schützenwesens ist eng mit der wechselvollen Geschichte Salzburgs und Tirols verbunden. Gemeinsam leisteten Salzburger und Tiroler Schützenkompanien in den Franzosenkriegen 1809 lange der zahlenmäßigen Übermacht französischer und bayrischer Truppen Widerstand. Getragen war der Widerstand unter anderen von den Volkshelden Andreas Hofer und Anton Wallner.

Ein bis heute schmerzender Stachel im Fleisch der Tiroler Schützen ist die Annexion Südtirols durch Italien und die damit verbundene Teilung des Landes, die man bis heute nicht unwidersprochen hinnimmt.

Südtirol ist nicht Italien

Am 8. November 2008 bot der Südtiroler Schützenbund hunderten faschistischen Gegendemonstranten die Stirn, als man in Bozen anlässlich einer von den Tirolern organisierten Protestkundgebung die Schleifung aller faschistischen Relikte und die Wiedervereinigung Tirols forderte.

Zuletzt setzten die Schützen ein Ausrufezeichen gegen die Italianisierung Südtirols, als man die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der österreichisch-italienischen Streitbeilegung absagte. Das vom Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) verordnete Abspielen der italienischen Staatshymne empfanden die Tiroler Schützen als Beleidigung des österreichischen Vaterlandes, an der sie nicht teilhaben wollten.

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