Standard lässt Mord-Phantasien eines Lesers gegenüber Trump studenlang im Forum stehen

Linke Mord-Phantasien gegen Trump werden im Standard erst geduldet, dann zögerlich gelöscht. Kritik an dieser "Zensur" durch den Hassposter selbst toleriert die Zeitung. Foto: Screenshots Kommentare auf derstandard.at / Hervorhebungen durch unzensuriert
Linke Mord-Phantasien gegen Trump werden im Standard erst geduldet, dann zögerlich gelöscht. Kritik an dieser "Zensur" durch den Hassposter selbst toleriert die Zeitung.
Foto: Screenshots Kommentare auf derstandard.at / Hervorhebungen durch unzensuriert
15. Juni 2017 - 19:10

So genau nimmt man den Kampf gegen "Hass im Internet" beim rosa Standard dann doch nicht. Möchte man jedenfalls meinen, nachdem zumindest ein Leser auf dem Onlineauftritt der linken Zeitung seine Mord-Phantasien gegen US-Präsident Donald Trump unbehelligt und scheinbar abgesegnet von der Zensur posten konnte.

Mordaufrufe zumindest acht Stunden online, trotz Vorab-Zensur

Konkret geschah dies unter einem Artikel über das Schussattentat eines linksextremen Täters in der US-Hauptstadt Washington D.C. auf einen republikanischen Kongressabgeordneten. Der Politiker schwebt seither in Lebensgefahr, der Täter wurde von der Polizei erschossen. Im Kommentarbereich des Artikels ließen zahlreiche linke Leser ihrer Geschmacklosigkeit freien Lauf.

Unter die Kommentare mischte sich auch ein kaum verhohlener Mordaufruf gegen den US-Präsidenten, gepostet vom User "quickstop". Zu lesen war:

Ein ganz falsches Zeichen! Warum ballert man auf ohnehin notorisch überforderte und im Stich gelassene Polizisten, wenn man doch auch das Werkzeug besitzt, um den Präsidenten aus dem Amt zu befördern? Machen wir uns da nichts vor. Viele große Denker haben sich darüber den Kopf zerbrochen, wann es vertretbar ist, einen Machthaber zu töten. So weit ich weiß ging es dabei nie um die Frage, ob das vertretbar ist, sondern nur um das wann. Der Zeitpunkt ist längst gekommen, Trump macht die Welt mit jedem weiteren Tag im Amt ein Stück weit schlechter. Und nachdem die Amtsenthebung auf juristischem Weg ein schwieriger zu sein scheint, hat der Pussygrabber auf undiplomatischen Weg aus dem Amt zu verschwinden.

Der Kommentar war mindestens acht Stunden unter dem Artikel zu lesen und das, obwohl beim Standard Kommentare prä-moderiert werden. Also dürfte  den Kommentar ein Mitarbeiter vorab gelesen und genehmigt haben.

Leser meinte Kommentar ernst

Wie ernst es der schreibende Leser mit seinen strafrechtlich relevanten Aussagen meinte, schrieb er in weiteren Kommentaren. Als ihm ein anderer Leser Satire unterstellte, schrieb er "Nein, nein, das war schon ernst gemeint". - "Wenn es irgendwann ein Amerikaner schafft, es zu erledigen, werde ich ihn verehren", lässt der Hetzer außerdem wissen und hält es nicht für verächtlich, "zum Mord an Trump zu motivieren".

Inzwischen sind die ärgsten Texte des Nutzers - auch nach deutlichen Aufrufen anderer Leser - gelöscht, allerdings finden sich mittlerweile (Stand 15. Juni, 19.00 Uhr) schon sieben neue Kommentare des Lesers "quickstop" unter dem Artikel. Darin wundert er sich, dass die Standard-Moderation seine ursprünglichen Ergüsse doch gelöscht hat und findet es "unglaublich heuchlerisch, laut vor Entsetzen aufzuschreien, wenn ich ein Attentat an einen Irren als vertretbar bezeichne" (sic!).

Linker Terrorist für Standard "Aktivist"

Der Standard denkt hier also keinesfalls an eine Sperre von Lesern, die "rechten" Politikern den Tod wünschen. Es verwundert daher auch nicht, dass in dem so hasserfüllt kommentierten Artikel der linksextreme Schütze und Bernie-Sanders-Anhänger lapidar als "linker Aktivist" bezeichnet wird.

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