"Paradies Türkei": Werbeoffensive in deutschem Fernsehen trotz diplomatischer Spannungen

Als Schützenhilfe für Erdogan werden nun offensive Werbefilme im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Foto: AK Rockefeller / flickr (CC BY-SA 2.0)
Als Schützenhilfe für Erdogan werden nun offensive Werbefilme im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.
Foto: AK Rockefeller / flickr (CC BY-SA 2.0)

Seit nunmehr gut einem Monat wird in dem zur RTL-Gruppe gehörenden deutschen Nachrichtensender NTV offensiv für die Türkei geworben. Dies ist nicht alleine ob der seit Monaten äußerst angespannten politischen und diplomatischen Situation zwischen Berlin und Ankara höchst verwunderlich. Auch deutsche "Promis" lassen sich dabei bereitwillig vor den türkischen Werbekarren spannen.

Putschversuch schuld an schwächelnder türkischen Wirtschaft

Offizieller Initiator dieser offensiven Werbekampagne ist die "Turkish Exporters Assembly (TIM)". Augenscheinlich ist es also doch nicht so prächtig um die wirtschaftliche Autarkie der Türkei bestellt. Da muss Präsident Recep Tayyip Erdogan wohl kräftig Schützenhilfe geleistet werden.

Im Internetauftritt der TIM werden postwendend auch die Erklärungen für wirtschaftliche „Durststrecken“ der Türkei geliefert. Ist da doch ganz und gar regimetreu zu lesen, dass ohne Zweifel der gescheiterte Putschversuch vom Juli letzten Jahres und dessen üble Drahtzieher dafür verantwortlich gemacht werden.

Entdecke das "Paradies Türkei"

Erst diese Woche wurde von der türkischen Regierung neuerlich eine Liste mit einem Auslieferungsantrag für Anhänger der in Deutschland nicht verbotenen „Gülen-Bewegung“ an die deutsche Bundesregierung übermittelt.

Die Ereignisse des letzten Jahres im Hinterkopf, könnte man sich beim Betrachten dieser Werbeeinschaltungen beinahe in eine Parallelwelt versetzt fühlen. Dabei strahlen diverse Chefs von Großkonzernen, unter anderem Colman Deegan von Vodafone, CEO`s von Toyota, Novartis oder Unilever, vor Freude über die Vorzüge vom Staat am Bosporus in die Kamera.

Dabei werden Gastfreundschaft, Vielseitigkeit und Harmonie als besondere Vorzüge des Wirtschaftsstandortes Türkei überschwänglich besungen. Journalisten, überzeugte Demokraten und neuerdings auch westlich gekleidete Frauen sind offensichtlich in dieser Kampagne, bezugnehmend auf die oben genannten "Attribute" des Landes, nicht um Stellungnahmen gebeten worden.

Fussballer Podolsky krönt die Farce

Der deutsche Ex-Fussballer Lukas Podolski, derzeit beim türkischen Erstlegisten Galatasaray Istanbul unter Vertrag, setzt dem „Erdogan-Werbespektakel“ allerdings noch die Krone auf. Als Spaßvogel der deutschen Fußballnation bekannt, könnte er damit den Bogen allerdings überspannt haben. Freudestrahlend erklärt er die Türkei zum Paradies und empfiehlt kurzer Hand „discover your own potential“ ebendort.

Diverse international renommierte Fußballer haben bereits hoch dotierte Verträge bei türkischen Klubs mit der Begründung einer unsicheren Sicherheitslage in „Podolskis Paradies“ abgelehnt. Da mutet es doch ein wenig befremdlich an, dass gerade ein Deutscher das von Erdogan gegängelte Land am Bosporus als Paradies bewirbt.

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