UNESCO-Weltkulturerbe Wien: Frist läuft in schs Monaten ab

Neben einem Neubau des alten Hotel Intercontinental (Bild) soll auch ein Wohnturm am Wiener Heumarkt errichtet werden.                 Foto: Mister No / Wikimedia (CC BY-SA 3.0) Foto: CC BY-SA 3.0
Neben einem Neubau des alten Hotel Intercontinental (Bild) soll auch ein Wohnturm am Wiener Heumarkt errichtet werden. Foto: Mister No / Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
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17. Juli 2017 - 18:46

Weil sich die rot-grüne Stadtregierung über die UNESCO-Weltkulturerbe-Konvention hinwegsetzte, steht Wien seit 6. Juli 2017 auf der Roten Liste der gefährdeten Weltkulturgüter. Und da es sich bei der UNESCO-Mitgliedschaft um eine Bundesangelegenheit handelt, könnte der 15. Oktober das Ende des geplanten Monsterbaus am Heumarkt bedeuten.

UNESCO setzte Ankündigung um

Die UNESCO spielte immer mit offenen Karten und kündigte den Schritt schon vor Monaten an. Sie kritisierte nicht nur den geplanten 66 Meter hohen Wohnturm neben dem Hotel Intercontinental, sondern auch die „massive städtebauliche Entwicklung der letzten Jahre“ und kritisierte dabei den Verkehrsknotenpunkt bei Wien-Mitte und den neuen Hauptbahnhof unweit des Schlosses Belvedere. Wiens Altstadt verliere dadurch ihren „außergewöhnlichen, universellen Wert“. Die Entscheidung, Wien auf die Rote Liste der gefährdeten Weltkulturgüter zu setzen, erfolgte einstimmig.

Die nun erfolgte Eintragung auf die Rote Liste schadet dem Kulturland Österreich, ist blamabel für die Stadt Wien und Österreich. Es zeigt die fehlende Wertschätzung für das selbst ausgewählte Welterbegebiet und auch das Unverständnis für die Bedeutung des Welterbes", beklagte Gabriele Eschig, Generalsekretärin der österreichischen UNESCO-Kommission.

"Wien legte es darauf an"

FPÖ-Stadträtin Ursula Stenzel war bei der entscheidenden Sitzung des UNESCO-Komitees in Krakau und forderte ein, was die rot-grüne Stadtregierung seit 2012 provozierte: die Aberkennung des Prädikats Weltkulturerbe, das Wien erst 2001 verliehen wurde. Wien hatte sich seit Jahren über die Bedenken der Bürger und auch der UNESCO hinweggesetzt und alle Argumente arrogant zur Seite gewischt. In einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt zeigte der von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou geförderte Investor Michael Trojner 2014 die ganze Arroganz der Macht: „Die Unesco wird sich aufregen, ja. Aber die Stadt Wien hat das Commitment gegeben, das umzusetzen.“

In einem oe24.TV-Interview sagte Stenzel: „Das war politisch unausweichlich, dass Wien auf die Rote Liste kommt. Wien hat es darauf angelegt und jetzt hat es den Salat.“

Zeit bis 1. Februar 2018

Nun hat Wien bis 1. Februar 2018 Zeit, das umstrittene Immobilienprojekt zu modifizieren. Die UNESCO verlangt unter anderem die Verringerung der geplanten Turmhöhe auf höchstens 43 Meter. Sollte an den Plänen festgehalten werden, droht als nächster Schritt die Aberkennung des Welterbestatus.

UNESCO-Mitgliedschaft Bundesangelegenheit

Nachdem die UNESCO-Mitgliedschaft eine Bundesangelegenheit ist, könnte eine neue Bundesregierung im Herbst die Angelegenheit neu aufrollen. Eine Hoffnung für all jene Wiener (und Grünen), die Vassilakous Immobilienspekulationsprojekt ablehnen.

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