Burkaverbot ab 1. Oktober: Wird arabisches Urlaubsmekka Zell am See wieder heimischer?

Arabische Gäste mit verhülltem Gesicht sollte es in Geschäften von Zell am See ab 1. Oktober nicht mehr geben. Foto: Unzensuriert.at
Arabische Gäste mit verhülltem Gesicht sollte es in Geschäften von Zell am See ab 1. Oktober nicht mehr geben.
Foto: Unzensuriert.at

Gesichtsverschleierung beim Bergwandern, brenzlige Situationen im Verkehr, weil arabische Gäste heimische Verkehrsschilder nicht lesen können und Dreck auf den Straßen, weil die Menschen in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder im Oman anscheinend keine Mistkübel kennen: Dieses Bild präsentierte sich Besuchern in den vergangenen Jahren in Zell am See. Doch ab 1. Oktober könnte sich der Salzburger Ort mit einem Schlag wandeln.

Gesichtsverschleierung im öffentlichen Raum verboten

Der Nationalrat hat nämlich beschlossen, dass mit 1. Oktober eine Gesichtsverschleierung im öffentlichen Raum per Strafe von 150 Euro verboten ist. Burka, Bushiya und Nikab, die das Gesicht zur Gänze oder bis auf die Augen verdecken, dürfen in Österreich dann nicht mehr getragen werden. In Frankreich und Belgien gilt dieses Verbot bereits seit Mitte 2011, im Schweizer Kanton Tessin wurde es ein Jahr später eingeführt.

Bedenken, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) könnte diese Regelung für eine Diskriminierung halten, gibt es nicht mehr. Denn der EGMR wies bereits zwei Mal Klagen von Mosleminnen ab und erklärte das Schleierverbot für rechtens.

Thema politisch sehr heikel

Bei der Zell am See-Kaprun Tourismus GmbH gibt man sich, auf das Burkaverbot angesprochen, noch ziemlich zugeknöpft. Das Thema sei politisch zu heikel, um eine telefonische Anfrage zu beantworten, man solle eine schriftliche Anfrage stellen, wurde dem unzensuriert.at-Redakteur geraten. Gewünscht, getan, doch ob das Aus der Gesichtsverschleierung den Zustrom arabischer Gäste bremsen könnte, wollte man noch nicht bewerten:

Da die Regelung noch nicht in Kraft getreten ist, lässt sich über die Auswirkungen eines Verhüllungsverbots zurzeit noch keine verlässliche Aussage treffen. Für die laufende Sommersaison werden uns die gesammelten Buchungsdaten erst gegen Ende des Jahres vorliegen.

98.000 Gäste aus dem arabischen Raum

Nimmt man das vergangene Tourismusjahr vom November 2015 bis Oktober 2016 her, machten rund 98.000 Gäste aus dem arabischen Raum Ferien in Zell am See. Dies entspreche, so die Tourismussprecherin, einem Anteil von 16 Prozent der Gesamtankünfte, die sich aus mehr als 60 verschiedenen Gästenationen zusammensetzen würden. Und sie stellt klar:

Es war und ist uns ein wichtiges Anliegen, allen Gästen unabhängig ihrer Nationalität, Religion oder Kultur einen angenehmen Aufenthalt in Zell am See-Kaprun zu ermöglichen und den interkulturellen Austausch zwischen Gästen und Einheimischen zu fördern. Zell am See-Kaprun steht für Gastfreundschaft, Internationalität und Weltoffenheit. An diesen Werten ändert das bevorstehende Verhüllungsverbot nichts.

Arabische Familie wollte ein Schaf schächten

So reibungslos, wie Touristiker es uns jetzt glauben machen wollen, dürfte der Umgang mit den arabischen Gästen aber nicht gewesen sein. Gerade in Zell am See krachten Araber und Einheimische regelmäßig zusammen. Das oft arrogante Verhalten im Verkehr führte zu Problemen, das wahllose Wegschmeißen von Abfall auf die Straße machte Ärger, und nicht zuletzt der Versuch, ein Schaf zu schächten, sorgte für Empörung.

"Knigge" für arabische Gäste

Dieses Verhalten und das Ausüben fremder Kulturen passte so gar nicht in das Bild der Salzburger Urlaubsidylle, weshalb man sich 2014 genötigt sah, einen "Knigge" für arabische Gäste herauszubringen. In diesem sechsseitigen Kulturführer  mit dem Titel "Where Cultures Meet" wurde unter anderem vermittelt, dass die Preise in den Geschäften nicht verhandelbar wären oder das Kochen auf den Zimmern nicht erwünscht sei.

Dem nicht genug, stellte der Tourismusverband vor wenigen Jahren auch die Werbung im arabischen Raum ein. Fast 100.000 Araber kommen pro Saison trotzdem noch immer. Man kann gespannt sein, wie viele es nach Einführung des Burkaverbots sein werden.

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