Engelbert Dollfuß: Durch Nationalsozialisten ermordet, durch Christlich-Soziale verraten.

Foto: Bild: Fenichel, Max / Wikimedia (PD)
Engelbert Dollfuß: Auch Opfer der eigenen christlich-sozialen Parteifreunde

Am 24.Juli 2017 jährt sich zum 83. Mal die Ermordung des christlich-sozialen Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß. Getötet wurde er durch Nationalsozialisten, den Putsch mitangezettelt oder zumindest geduldet hatten Parteifreunde des ermordeten Bundeskanzlers. Angesichts des zweifelhaften Vorgehens der neuen, türkisen Kurz-ÖVP, das Portrait des Kanzlers aus den Klubräumlichkeiten zu verbannen – unzensuriert berichtete – lohnt sich ein Blick in die Geschichte.

Parteiinterne Intrigen gegen Dollfuß totgeschwiegen

Dass Dollfuß durch zwei Schüsse, abgegeben durch die illegalen SS-Männer Otto Planetta und Rudolf Prochaska, den tragischen Tod während des nationalsozialistischen Putschversuchs gefunden hatte, ist Stand der Geschichtsforschung, und über alle politischen Lager hinweg unbestritten.

Viel schwerer mühen sich die Zunft der Historiker und auch die Nachfolgepartei der Christlich-Sozialen, der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), mit den wissenschaftlich belegten Umständen und Vorgängen rund um den NS-Juliputsch 1934. Dass nämlich jahrelange Parteifreunde und sogar Ministerkollegen von Dollfuß, wie Anton Rintelen oder Emil Fey kausal an der Vorbereitung des Putsches mitgemacht hatten oder zumindest Mitwisser waren, wird in den politisch-historischen Salons der ÖVP gerne kleingeredet.

 Ex-Landeshauptmann Rintelen als Dollfuß-Nachfolger geplant

Der Christlich-Soziale Anton Rintelen, ehemaliger Steirischer Landeshauptmann (1919-26 und 1928-33) und ehemaliger Unterrichtsminister (1926 bzw.1932-33), daneben auch Nationalrat und Bundesrat seiner Fraktion, hatte bereits 1931 an Putschvorbereitungen des steirischen Heimwehrführers Walter Pfrimer als Mitwisser und Gönner mitgewirkt.

Im Jahre 1933 von Dollfuß als Gesandter nach Rom abgeschoben, konspirierte er mit den nationalsozialistischen Putschisten und wurde von ihnen sogar als Nachfolger von Dollfuß über die RAVAG-Radiostation ausgerufen. Im Jahre 1935 wurde er deshalb nach einem missglückten Selbstmordversuch sogar zu lebenslanger Haft wegen Hochverrat verurteilt.

Sicherheitsminister Fey wusste um Putschvorbereitungen

Ein weiterer Mitwisser, wenn auch nach dem bisherigen Stand der Wissenschaft und Forschung kein Mittäter, war der christlich-soziale Sicherheitsminister Emil Fey. Fey, Führer des Wiener Heimatschutzes und Minister unter Dollfuß, soll von den Putschvorbereitungen gewusst, diese aber nicht verhindert oder vorzeitig aufgedeckt haben. Wie beim Februar-Aufstand 1934 soll er mit dem Gedanken gespielt haben, mit seiner Heimwehr neuerlich eine wesentliche Rolle bei der Putschniederschlagung zu spielen.

Schuschnigg entfernte Fey

Gleichzeitig soll er aber auch Kontakte zu Teilen der Putschisten unterhalten und dort für seine Person geworben haben. Während des Putsches war er im Bundeskanzleramt anwesend und erlebte auch aus unmittelbarer Nähe die Ermordung von Dollfuß mit. Bis zur endgültigen Klärung der Lage ob der Putsch erfolgreich ist oder nicht, soll er sich dort auch als Mittelsmann angeboten haben. Kurt Schuschnigg, Nachfolger von Dollfuß als Bundeskanzler, entfernte Fey dann Schritt für Schritt aus den Schalthebeln der Macht und schob ihn auf den Versorgungsposten des Präsidenten der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft ab. Beim Einmarsch der deutschen Truppen 1938 beging Fey mit seiner Frau und seinem Sohn Selbstmord, um einer politischen Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. 

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