Prognosen werden ignoriert oder geschönt: Moslems stellen bei Jugend bald die Merhheit

Brunnenmarkt in Wien-Ottakring: Eine hohe Ausländer-Dichte wie hier wird es in wenigen Jahren in ganz Österreich geben. Foto: Peter Gugerell / wikimedia.org (PD-self)
Brunnenmarkt in Wien-Ottakring: Eine hohe Ausländer-Dichte wie hier wird es in wenigen Jahren in ganz Österreich geben.
Foto: Peter Gugerell / wikimedia.org (PD-self)
8. August 2017 - 7:49

Ob in Ottakring, Favoriten oder Simmering, drei ehemals klassischen Arbeiterbezirken an den Stadträndern Wiens - die demographische Veränderung ist in einigen Bezirken besonders deutlich zu spüren. Bei der morgendlichen Fahrt zur Arbeit an einigen Volksschulen vorbei wird dies noch um einiges klarer. Wien, Österreich und letztlich in weiterer Folge auch ganz Westeuropa sind im Wandel.

Gastbeitrag von Ján Benedek Visegrád

Gerade vor kurzem ist eine neue Studie vom Vienna Institute of Demography als Teil der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur konfessionellen Zusammensetzung Österreichs und Wiens und möglichen Szenarien für 2046 veröffentlicht worden. Dabei sind die Ergebnisse keine große Überraschung. Ähnliche Prognosen und Studien wurden bereits 2006, 2014 sowie nun am 4. August 2017 veröffentlicht, die kurz schockieren und sich dann anscheinend schnell aus dem Langzeitgedächtnis der österreichischen Politiker und großen Teilen der Bevölkerung verabschieden.

Die Journalisten der Mainstream-Medien beschönigen dabei gerne, klammern unliebsame Szenarien aus und sind vor allem offensichtlich nicht im Stande oder gewillt, sich auch die Detailzahlen einer Studie anzusehen - und zwar, wenn überhaupt vorhanden, zu den für die weitere Zukunft deutlich aussagekräftigeren Zahlen der jüngeren Alterskohorten.

Die Berichterstattung der Lückenpresse

Selbst bei harten Fakten ist es immer wieder erstaunlich, wie gekonnt die auch besonders stark in Österreich ansässige "Lückenpresse" berichtet. Nun kommt die Veröffentlichung dieser Studie gerade zwei Monate vor den nächsten Nationalratswahlen für einige Parteien eher ungelegen. Aber gelenkte Berichterstattung bewirkt Wunder. Der stark linkslastige, mit Steuern alimentierte, österreichische Staatssender ORF entschied sich für die etwas beruhigend anmutende Schlagzeile "Knapp drei Viertel sind Christen".

In den Hauptabend-Nachrichten der "Zeit im Bild (ZIB)" wurde der Fokus auf eine weniger schockierende und zugleich wenig wahrscheinliche Prognose gelenkt. Information sieht anders aus - Staatssenderpropaganda in etwa so. Auch der linksliberale Standard legt lieber einen Fokus auf den Ist-Zustand und spricht davon, dass "Acht Prozent der Bevölkerung Muslime [sind]". Einzig die Kronen Zeitung sowie die Gratiszeitung Österreich gehen auf eines der möglichen Zukunftsszenarien ein - und zwar, dass bis 2046 jeder dritte Bewohner Wiens Moslem sein könnte.

Was ist der Ist-Zustand und was die Prognosen für die Zukunft?

Auf Grundlage der Daten der letzten österreichischen Volkszählung von 2001 haben die Studienautoren die derzeitige konfessionelle Zusammensetzung Österreichs sowie Wiens berechnet. Sie ist "bunt".

Im Jahr 2016 ergab sich folgendes Bild:

Für Österreich ist die Mehrheit der Bevölkerung (noch) römisch-katholisch mit 64 Prozent, gefolgt von den Konfessionslosen mit 17 Prozent. Die bereits drittgrößte Konfessionsgruppe stellen Moslems mit acht Prozent dar. Protestanten und Orthodoxe liegen beide jeweils bei fünf und Sonstige bei etwa zwei Prozent.

Wien sieht da schon etwas bunter aus:

Nur 35 Prozent und damit noch die größte Konfessionsgruppe stellen Katholiken dar, gefolgt von 30 Prozent Konfessionslosen. Stärker vertreten ist der Islam mit 14 Prozent. Angehörige des orthodoxen Christentums liegen bei zehn Prozent, "Sonstige" bei sechs und Protestanten bei nur vier Prozent.

Szenarien für Österreich und Wien

In der Studie werden auf Grundlage von vier Entwicklungsszenarien demographische Prognosen für Österreich sowie Wien berechnet. Das Szenario "Europäische Mobilität" geht von Einwanderung vorwiegend aus Europäischen Ländern aus und ist in Anbetracht der letzten Entwicklungen wenig wahrscheinlich.

Das Szenario "Geringe Zuwanderung" geht davon aus, dass ab 2021 es zu einem kompletten Migrations-Stopp kommt - und ist wohl ebenfalls eher unwahrscheinlich. Das Szenario "Diversität" berücksichtigt die "jüngsten Trends der Migrationsmuster (ab 2011)" und dürfte wohl als das wahrscheinlichste Szenario angesehen werden.

Das Horrorszenario "Starke Zuwanderung" geht von einer starken Zuwanderung aus dem Nahen Osten und Afrika aus und ist laut Studienautoren zwar ebenfalls wenig wahrscheinlich - in Anbetracht der sogenannten Flüchtlingskrise, kann man sich aber nie sicher sein, auf was für "geniale Ideen" Politiker und Teile der Bevölkerung mit linksextremer oder erschreckend naiver Gesinnung kommen könnten. Grenzen und Staatsgewalt sind schließlich böse.

Katholiken werden immer weniger, Moslems immer mehr

In jedem Fall wird die römisch-katholische Bevölkerung weiter abnehmen und in Zukunft bei 42 Prozent bis 47 Prozent liegen. Die Konfessionslosen werden zwischen 21 Prozent und 25 Prozent liegen. Auch die moslemische Bevölkerung wird weiterwachsen - eher unwahrscheinlich auf nur zwölf Prozent (Szenario "Geringe Zuwanderung") oder 14 Prozent (Szenario "Europäische Mobilität"). Wohl eher darf man sich auf 17 Prozent einstellen im "Diversitätsszenario" oder gar auf 21 Prozent, wenn man unkontrollierte Masseneinwanderung weiter zulassen möchte. Orthodoxe werden zwischen sechs und neun Prozent liegen, Protestanten zwischen vier und fünf Prozent und Sonstige konstant bei zwei Prozent der Gesamtbevölkerung Österreichs.

Und wie immer ist Wien etwas "bunter"

Katholiken werden in der dann ehemals mehrheitlich christlichen Hauptstadt Österreichs auf 22 bis 26 Prozent herunter rutschen. Konfessionslose werden je nach Szenario zwischen 24 und 31 Prozent der Stadtbevölkerung ausmachen. Und Moslems werden die 20 Prozent-Marke knacken. Im wahrscheinlichen "Diversitätsszenario" liegen Moslems bei 23 Prozent. Bei hoher Einwanderung gar bei 30 Prozent und würden demnach bereits 2046 die größte Konfessionsgruppe in Wien ausmachen.

Auch die orthodoxe Bevölkerung wird auf zwölf bis 16 Prozent anwachsen. Sonstige werden bei fünf bis sechs Prozent liegen und Protestanten bei vier bis fünf Prozent.

Die gerne ausgesparte Wahrheit: die junge Alterskohorte

Unlängst hat der ungarische Premierminister Viktor Orbán bei seiner alljährlichen Rede der ungarischen Sommeruniversität am 22. Juli gerade auf die Unzuverlässigkeit von demographischen Prognosen hingewiesen, die sich nur die Gesamtbevölkerungszahlen ansehen, ohne dabei einen näheren Blick auf jüngere Alterskohorten zu werfen:

Was die konkrete Lage betrifft – und schon dies allein verrät vieles über die Welt, in der wir leben -, so gibt es keine verlässlichen Daten darüber, wie in den einzelnen europäischen Ländern das zahlenmäßige Verhältnis zwischen der traditionellen, eingeborenen christlichen Bevölkerung und den nach dorthin eingewanderten Moslems ist. Die vorliegenden Zahlen sind nicht dafür geeignet, um daraus die uns erwartende Zukunft abzuleiten, weil sich die Migranten nicht gleichmäßig über alle Altersgruppen verteilen. Deshalb sind allgemeine Zahlen wenig aussagekräftig. Wir müssen unser Augenmerk vor allem auf jene unter 15 Jahren und die zwischen 15 und 45 Jahren richten, um daraus abzuleiten und zu berechnen, wie die Welt, sagen wir einmal, 2050 aussehen wird.

Dann tun wir doch genau das, ausgehend vom Ausmaß der Veränderung der konfessionellen Zusammensetzung Österreichs für die Altersgruppe 0 bis 20 Jahre auf Grundlage der Zahlen des Ist-Zustands für 2016 sowie der vier Szenarien für 2046.

Moslems werden zweitgrößte Religionsgruppe bei unter 20-Jährigen

Die Alterskohorte 0 bis 20 römisch-katholischer Konfession wird sehr wahrscheinlich auf unter 40 Prozent rutschen. Nur im wenig wahrscheinlichen Szenario geringer Einwanderung wird der Anteil bei 45 Prozent bleiben. Im "Diversitätsszenario" und "Szenario für hohe Zuwanderung" liegt der Anteil gar bei 38 beziehungsweise 35 Prozent. Und anders als von einigen Medien dargestellt, liegt der Trend nicht in einer Veränderung zu einer stärker konfessionslosen Gesellschaft.

Einzig im wenig wahrscheinlichen Szenario geringer Zuwanderung stellen Nichtkonfessionelle im Alter von 0 bis 20 die zweitgrößte Konfessionsgruppe dar. In allen anderen drei Szenarien werden Moslems im Alter von 0 bis 20 die zweitgrößte Konfessionsgruppe darstellen. 21 Prozent, 25 Prozent oder gar 31 Prozent sind zu erwarten - und wir sprechen hier von Österreich, nicht vom besonders "bunten" Wien!

In Wien wird knapp die Hälfte der Jugend moslemisch

Die konfessionelle Zusammensetzung der Alterskohorte 0 bis 20 Jahre für Wien setzt sich laut den vier Szenarien folgendermaßen zusammen:

Die Alterskohorte 0 bis 20 römisch-katholischer Konfession wird an die 20 Prozent-Grenze geraten. Im Szenario für niedrige Zuwanderung läge sie noch bei 28 Prozent. Im Falle starker Einwanderung gar bei nur 19 Prozent. Die Nichtkonfessionellen wären nur im Szenario geringer Zuwanderung um einen Prozentpunkt größer als die moslemische Alterskohorte und gleich stark wie die römisch-katholische Alterskohorte mit 28 Prozent. In allen anderen Szenarien lägen nicht-konfessionelle Kinder nur bei 21 Prozent (Szenario für europäische Mobilität und Diversität) oder gar 16 Prozent (Szenario für hohe Zuwanderung).

Die moslemische Alterskohorte 0 bis 20 hingegen wird konstant wachsen. In den weniger wahrscheinlichen Szenarien für geringe Zuwanderung läge sie bei noch immer sehr hohen 27 Prozent oder im Falle des Szenarios für europäische Mobilität bei 30 Prozent. Das wahrscheinlichere Diversitäts-Szenario prognostiziert gar 33 Prozent in der Alterskohorte 0-20 und bei starker Einwanderung darf man sich auf 43 Prozent Moslems gefasst machen.

Bei unter 14-Jährigen ähnlich erschreckende Entwicklung

Auf Grundlage der bereits 2014 erschienen WIREL-Studie des Vienna Institute of Demography zur konfessionellen Zusammensetzung Wiens kann die graduelle Wandlung noch viel stärker verdeutlicht werden. Hier liegt der Fokus auf der Alterskohorte 0 bis 14. Drei Szenarien wurden damals berechnet, wobei das Säkularisierungs-Szenario selbst in der neuen diesjährigen Studie von den Autoren nicht weiterfolgt wurde. Daher ein näherer Blick auf das Trendszenario (ohne Einbezug der sogenannten Flüchtlingskrise) und das wohl nun wahrscheinlichere Segmentations-Szenario laut diesen Berechnungen.

13,2 Prozent der Gesamtbevölkerung Wiens für das Jahr 2046 sollen laut Prognose der WIREL-Studie im Alterssegment 0-14 Jahren liegen (nicht wie in der Visualisierung angegeben - die Summe der Altersgruppen aller Konfessionsgruppen liegt bei 308.032 bei einer Gesamtbevölkerung von etwa 2.327.989 Einwohnern). Im Gegensatz dazu werden 22,3 Prozent aller 537.996 Moslems in der Altersgruppe 0 bis 14 zu finden sein, was 119.973 Personen entspricht. In Prozent bedeutet das, dass 38,9 Prozent (!) aller Bewohner Wiens in der Altersgruppe 0 bis14 Moslems sein werden. In nur 30 Jahren. Selbst das vermeintliche "Trend-Szenario", das durch die derzeit stattfindende Masseneinwanderung unter dem Deckmantel des Asylsystems ohnehin unwahrscheinlich geworden ist, geht davon aus, dass 34,8 Prozent aller Kinder im Alter 0 bis 14 Muslime sein werden.

Moslemische Kinder werden größte Konfessionsgruppe stellen

Im Gegensatz dazu sinkt der Prozentsatz katholischer Kinder von 47,2 Prozent im Jahr 2011 auf 24,6 Prozent im Segmentations-Szenario beziehungsweise auf 27,1 Prozent im mittlerweile optimistischen Trend-Szenario. Und nein, die Gesellschaft im untersten Alterssegment wird nicht säkularer durch eine größere Gruppe konfessionsloser Kinder. Auch hier sinkt diese Gruppe bis 2046 von 16,1 Prozent auf 11,9 Prozent im Segmentations-Szenario und auf 13,9 Prozent im Trend-Szenario. Bereits ab dem Jahr 2036 werden moslemische Kinder die größte Konfessionsgruppe in Wien darstellen - in beiden Szenarien.

Welches Szenario man nun heranzieht - was dies bei näherer Betrachtung der demographischen Entwicklungen in den jüngsten Alterskohorten für die weitere Zukunft Wiens, Österreichs und demnach wahrscheinlich auch für andere westeuropäische Städte und Länder mit einer bereits ähnlichen konfessionellen Zusammensetzung jenseits 2046 verheißt, kann man sich vorstellen. Und falls nicht, dann genügt ein Blick auf das Gebiet des heutigen Libanons und dessen demographische Entwicklung der letzten 100 Jahre.

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