Puls4 auf "Österreich"-Nivau: Wolfgang Fellner erfindet "Damenfußballgegner im Puff"

Mutig: Wolfgang Fellner behauptete, dass Pizzerias in der Zeitung "Österreich" schon mehr inserieren als die Stadt Wien. Foto: Manfred Werner (Tsui) - Own work / Wikimedia CC BY-SA 3.0
Mutig: Wolfgang Fellner behauptete, dass Pizzerias in der Zeitung "Österreich" schon mehr inserieren als die Stadt Wien.
Foto: Manfred Werner (Tsui) - Own work / Wikimedia CC BY-SA 3.0
8. August 2017 - 15:48

Österreich-Herausgeber Wolfgang Fellner war wohl sehr nahe dran, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, als er in der Puls4-Sendung "Fussi will streiten" am Montag Abend allen Ernstes behauptete, dass Pizzerias in der Gratiszeitung Österreich schon mehr inserieren als die Stadt Wien, die Werbeeinschaltungen nichts mit der Berichterstattung zu tun hätten oder dass seine Redaktion kaum noch Fehler mache.

"Faymann kann nicht einmal ein Auto lackieren"

War es ein Kabarett oder eine ernst gemeinte Diskussion, die da zwischen Rudi Fußi und Wolfgang Fellner über den Bildschirm flimmerte? Und glaubt Fellner wirklich, was er da verzapfte? Diese Fragen stellten sich die Fernsehzuschauer nach der Sendung wohl nicht zu unrecht.

Als Fellner seinen Intimus und Ex-Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) lobte, dass er die ÖBB von einem "hundsmaroden Betrieb, wo man sich angespieben hat, wenn man eingestiegen ist", zu einem wirklich modernen Railjet-Unternehmen umgebaut habe (als Verkehrsminister, Anm. d. Redaktion),entgegnete Fußi fragend:

Da Faymann? Da Faymann hat überhaupt nix umbaut. Glaubst du, dass der Werner Faymann die intellektuelle Fähigkeit hat, auch nur ein Auto neu zu lackieren?

"Wolfgang hätte gerne hunderttausend Euro"

Fußi weiter: "Hast du eine Ahnung, wie viel Millionen dir Faymann gegeben hat?" Darauf Fellner: "Auf jeden Fall zu wenig." Als Fellner sich dann dagegen wehrte, im vergangenen Jahrzehnt eine Milliarde Schilling (!) von politisch nahestehenden Institutionen wie den ÖBB, der Asfinag oder der Stadt Wien bekommen zu haben, verriet Fußi, dass er seinerzeit als Medienberater von Frank Stronach vom Hause Fellner einen Anruf erhalten habe mit dem Wunsch:

Wolfgang hätte gerne hunderttausend Euro für Niederösterreich. Das war einer der lustigsten Anrufe überhaupt: Liebe Grüße von Herrn Fellner, der Wolfgang hätt´gern hunderttausend Euro. Wir haben's zahlt im übrigen.

Erinnerung an die ÖBB-Inseraten-Affäre

Das klingt fast so wie der seinerzeit in der ÖBB-Inseraten-Affäre kolportierte Satz, "wir brauchen ein paar Millionen für Werner", den der damalige SPÖ-Staatsekretär Josef Ostermayer gegenüber einem ÖBB-Manager gesagt haben soll.

So geht es offensichtlich zu im politischen Geschäft mit den Medien, was Fußi mit dem nächsten Erlebnis in seiner Zeit als Medienberater bei Stronach untermauerte:

Das Interessante war, dass deine Konkurrenz nichts anderes zu tun hatte, als die Stronach-Inserate in "Österreich" zu zählen. Und mich danach anriefen und eine Gleichbehandlung forderten, ansonsten wird der Stronach hinunter geschrieben.

Fellner fühlt sich bei Inseraten benachteiligt

Fellner rechnete vor, dass Österreich beim Inseraten-Volumen benachteiligt werde. Bei Heute mache das Anzeigenvolumen aus öffentlichen Geldern 20 Prozent, bei der Krone neun Prozent und "bei uns sieben Prozent"  aus. Fellner: "Da frage ich dich, wer hier geschmiert wird?" Darauf Fußi: "Alle".

Danach packte Fußi Fellner bei seiner journalistischen Eitelkeit:

Ich bewundere dich ja. So viel Geld machen mit so wenig Journalismus, mit einem Produkt wie der Österreich, du müsstest jeden Preis der Welt verdient bekommen dafür.

Fellner verstand die Verarschung nicht und meinte, er habe gerade in Deutschland einen Innovationspreis bekommen. Fußi klärte auf: "Das habe ich jetzt nicht ernst gemeint - so nebenbei. Da hinten steht: Journalist des Jahres 2006 Wolfgang Fellner. Verliehen vom Österreichischen Journalist. Wie ernst kann man die Branche überhaupt nehmen?"

Täglich hunderttausend Käufer

Fellner verteidigte sein Österreich, nannte es ein sehr gutes und exzellentes journalistisches Produkt. "Sonst hätte es nicht so viele Leser." Frage von Fußi: "Hat Österreich nicht mehr Inserenten als Leser?" Fellner behauptete, dass täglich hunderttausend Österreicher sein Blatt kaufen und dafür jeweils 2,90 Euro hinlegen würden. Fußi fast ungläubig:

Das ist eine Mörderleistung, dass man für so was zahlt.

Eine der besten Boulevardzeitungen Europas

Das Niveau der Sendung knickte ein, als Fußi Fellner aufforderte, ihm einen typischen Aufmachertitel zum Thema "Fußi geht ins Puff" zu nennen. Fellner ließ sich nicht lange bitten und schüttelte folgende Schlagzeile aus dem Ärmel:

Damenfußballgegner geht ins Puff.

Bei solchen Aufmachern wundert man sich nicht, dass Fellner sein Blatt als eine der besten Boulevardzeitungen Europas bezeichnete, in der die wenigsten Fehler passieren würden. Es habe im heurigen Jahr nur eine einzige Presseratsverurteilung gegeben. "Fehler find' ich fast jeden Tag," erwiderte Fußi und erwähnte dabei leider nicht die peinlichsten Journalisten-Flops der vergangenen Jahre:

Zeitung "Österreich" verwechselt Toten: Kreuzer statt Bacher

Gratisblatt "Österreich" nennt Fußball-Legende Herbert Prohaska lieber Gerhard

"Fussi will streiten" zu früheren Sendezeit

Zum Abschluss der Staffel kündigte Rudi Fußi an, mit der Sendung "Fußi will streiten" auf Puls4 weitermachen zu wollen. Nur nicht zu dieser späten Sendezeit. Bei Gästen wie Wolfgang Fellner wäre es aber vielleicht nicht schlecht, die Zeit der Ausstrahlung kurz vor Mitternacht beizubehalten.

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