Griesser philosophiert – welche Gedanken stecken hinter der „Wilkommenskultur“?

Bild: Ares Verlag
„Flucht und Schuld“ – Wilfried Griessers neues Buch zur „Willkommenskultur“

Wilfried Griesser, in der Erwachsenenbildung tätiger Philosoph, der bei der niederösterreichischen Gemeinderatswahl im  Jänner 2015 in Mödling für die FPÖ kandidierte, ist Autor des heuer im Grazer Ares-Verlag erschienenen Buches "Flucht und Schuld. Zur Architektonik und Tiefenstruktur der 'Willkommenskultur'". Hier ist es zu beziehen.

Von Caroline Sommerfeld

Was kommt dabei heraus, wenn ein Autor über die gegenwärtige Migrationskrise schreibt, der sowohl oversexed als auch Hegelianer ist? Ein verrücktes, hochkompliziertes, übersteigertes, widersprüchliches Buch – ein interessantes Buch.

Griesser gelingt es, durch Aufblatt'ln der notwendigen Doppelseitigkeit aller in der „Willkommenskultur“ totgerittenen Begriffe, ihre innere Dialektik zu zeigen: die „Flucht“ als das große moralische Thema ist eine Flucht der Deutschen vor sich selbst.

Dialektik: historische Widersprüche erkennen

Der Philosoph Gottlieb Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) ist für Griesser wichtig, weil er die Denkfigur der "Dialektik" zur Beschreibung des wirkenden "Weltgeistes" in der Gesellschaft erfunden hat. Ein Zustand entwickelt aus sich heraus stets sein Gegenteil, aus beiden entsteht ein neuer Zustand, usw. usf. Der Zustand der Deutschen ist fest im Griff des Tabus namens "3. Reich". Daraus entwickelt sich das krasse Gegenteil, die alte Schuld soll aufgehoben werden in neuer "Willkommenskultur". Doch das gelingt nicht, der historische Widerspruch wird im Alltag offen erkennbar.

Gibt es eigentlich eine Obergrenze?

Ein greifbares Beispiel für Hegels Dialektik aus dem vorliegenden Buch ist die Diskussion um die Obergrenze, die es sowohl gibt, als auch nicht gibt:

Einerseits ist völlig klar, daß ein Land, welcher Bevölkerungszahl auch immer, aber insbesondere ein kleines Land, nicht beliebig viele Menschen aufnehmen kann. Also gibt es eine Obergrenze. Wo genau aber liegt diese? Egal, wie viele Flüchtlinge ein Land bereits aufgenommen hat – für einen zusätzlichen Flüchtling ist immer noch Platz, damit aber auch für zwei, für drei, für tausend oder zehntausend weitere Flüchtlinge. Es gibt also keine Obergrenze.

"Schuld" als christlicher Begriff

„Flucht und Schuld“ wechselt zwischen ganz konkreter Lagebeschreibung und Begriffsanalyse und hochgeschraubter bis manchmal hochnotpeinlicher Theologie der „Schuld“, der „Frau“, der „Sohnschaft“, der „Erlösung“ und der „Scham“.

Denn die Begriffe, die der "Willkommenskultur" zugrundeliegen, sind eigentlich religiöse Begriffe. Ist das Christentum schuld an der "Willkommenskultur", der Öffnung des Schoßes der "deutschen Mutter" Angela Merkel für die Entladung der jungen Männer aus aller Herren Länder in ihn? Wilfried Griessers Gedanken geraten gelegentlich vom Philosophischen ins unfreiwillig Sexualgroteske.

Sieferle oder Griesser lesen – drei Empfehlungen

 "Flucht und Schuld" ist über weite Strecken für den am Thema "Migration" sozialwissenschaftlich interessierten Laien unverständlich. Ihm sei dringend zu Rolf-Peter Sieferles großem posthum erschienenen Buch "Das Migrationsproblem" (Manuscriptum 2017) geraten.

Wer allerdings bereit und imstande ist, sich auf dialektische Gedankenwindungen, lustvolles Ad-absurdum-Führen all der abgedroschenen Begriffe und über Sieferles skandalisiertes anderes Buch "Finis Germania" (Antaios 2017) noch hinausgehende Zuspitzung der "deutschen Schuld" einzulassen, dem sei Wilfried Griessers Buch hiermit empfohlen.

Wilfried Griesser, „Flucht und Schuld“ kann zum Preis von 16,95 Euro im Shop der Buchhandlung Stöhr bestellt werden.

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